Netzpolitik
22.03.2018

Amnesty International: "Twitter verletzt Frauenrechte"

Die Menschenrechtsorganisation kritisiert Twitter als "giftigen Ort für Frauen" und fordert Gegenmaßnahmen.

" Twitter kann ein mächtiges Werkzeug für Frauen sein, um sich zu vernetzen und sich auszudrücken. Für viele Frauen ist Twitter aber eine Plattform, auf der sie Gewalt und Missbrauch gegen sich erleben und auf der die Verursacher kaum zur Rechenschaft gezogen werden", schreibt Amnesty International in dem gerade veröffentlichten Bericht "#ToxicTwitter: Violence and abuse against Women online". Die Menschenrechtsorganisation kritisiert Twitter, viel zu wenig zu tun, um Frauen vor solchen verbalen Über- und Angriffen zu schützen.

Die offene Anfeindung, die Frauen auf Twitter entgegenschlage, lasse diese oft verstummen, weil sie sich selbst zensieren oder die Plattform überhaupt verlassen. Damit werde indirekt aber auch ihr Menschenrecht auf freie Meinungsäußerung untergraben und sie in eine "Kultur des Schweigens" zurückgedrängt. Twitter billige Gewalt und Missbrauch gegen Frauen, indem praktisch nichts unternommen werde, um Hass-Tweets aufzuspüren, nachzuverfolgen und in angemessener und transparenter Weise darauf zu reagieren, heißt es in dem Bericht.

Twitter als absolutes Negativbeispiel

Für den Bericht recherchierte Amnesty 14 Monate lang und führte 86 Interviews mit Frauen von Politikerinnen bis Journalistinnen und privaten Nutzerinnen über ihr Nutzungsverhalten und ihre Erlebnisse online. Quantitative Erhebungsmethoden rundeten die Recherche ab. Im Zuge der Auswertung fiel auf, dass Twitter mit Abstand am häufigsten als der Ort genannt wurde, wo Gewalt und Missbrauch vorherrschend sind. Die übereinstimmende Meinung sei auch gewesen, dass Twitter das Unternehmen sei, das am wenigsten dagegen tue.

In einer Stellungnahme gegenüber Techcrunch hat Twitter die Kritik, es würde Frauen- und Menschrechte verletzen und keine Verbesserungen forcieren, zurückgewiesen. Auch wenn man bei der Problemanalyse mit dem Amnesty-Bericht in vielerlei Hinsicht übereinstimme, habe man in den vergangenen 16 Monaten allein 30 konkrete Veränderungen an der Plattform, aber auch an Regeln und Maßnahmen im laufenden Betrieb durchgeführt, um Hass und Vorurteile zu bekämpfen. Gleichzeitig sei man aber eine offene Plattform, welche menschliches Verhalten widerspiegle - im Guten wie im Schlechten.