Netzpolitik
06.02.2019

EU-Kommission plant Einführung europäischer Patientenakten

Patienten sollen bei medizinischen Notfällen auch im EU-Ausland möglichst bald Zugriff auf Gesundheitsdaten haben.

Die EU-Kommission empfahl den EU-Staaten am Mittwoch den Aufbau eines Systems zum grenzübergreifenden Zugriff auf Patientenakten. Das soll Behandlungsfehler verhindern und Doppeluntersuchungen vermeiden.

In einigen EU-Staaten können Patienten schon heute selbst Röntgenbilder oder Arztbriefe einsehen oder dies Ärzten ermöglichen, wie Kommissionsvizepräsident Andrus Ansip sagte. Auch grenzüberschreitende Zusammenarbeit habe bereits begonnen. So könnten seit Ende Jänner finnische Staatsbürger in Estland elektronische Rezepte einlösen. Luxemburgische Ärzte könnten bald digital in tschechische Krankenakten Einblick nehmen.

Europäische Patientenakte als Ziel

Die offizielle Empfehlung der EU-Kommission lautet, dies auszubauen und gemeinsame technische Standards zu erarbeiten. Angestoßen wurde ein formaler Koordinierungsprozess, bei dem auch Vertreter der Patienten und der Gesundheitsbranche gehört werden. Erklärtes Ziel ist die Europäische Patientenakte (European Electronic Health Records). Brüssel ist bei der Gesundheitsversorgung nicht zuständig, das ist Sache der Mitgliedsstaaten.

In Österreich wurde die Einführung der Elektronischen Gesundheitsakte ELGA im Jahr 2012 vom Parlament beschlossen. Dabei handelt es sich um ein Informationssystem, das Patienten sowie Spitälern, Ärzten, Apotheken und Pflegeeinrichtungen einen Zugang zu wichtigen Gesundheitsdaten (Befunde, Medikamente etc.) ermöglichen soll. Abgerufen werden die Daten über die E-Card. Wer sich nicht aktiv abmeldet, wird in die ELGA einbezogen, doch es gibt eine Opt-Out-Möglichkeit.