Netzpolitik
01.02.2019

Huawei-Affäre: Heimische Mobilfunker bewahren Ruhe

Österreichs Mobilfunkanbieter wollen Huawei als Netzwerkausrüster nicht grundsätzlich ausschließen. Ihnen fehlen stichfeste Spionagehinweise.

Die Affäre um den weltgrößten Netzwerkausrüster Huawei könnte den Markt für Mobilfunk-Infrastruktur gehörig durcheinanderwirbeln. Mehrere Länder haben den chinesischen Marktführer wegen Spionageverdachts bereits vom 5G-Netzausbau ausgeschlossen. Auch in Europa nimmt der Druck auf Huawei zu.

Huawei hat seinen Marktanteil innerhalb von zehn Jahren auf 28 Prozent verdoppelt. 2017 überholten die Chinesen laut Daten von IHS Markit den bisherigen Branchenprimus Ericsson mit Sitz in Stockholm. Nummer drei am globalen Markt für Netzwerkwerkausrüster war 2017 Nokia aus Finnland mit 23 Prozent Marktanteil. Zusammen dominierten die drei größten Anbieter den Markt mit 78 Prozent. Viertgrößter Ausrüster ist ZTE, der wie Huawei aus China kommt, allerdings an der Börse notiert und deshalb mehr Einblick in sein Geschäft geben muss.

Neubewertung der Beschaffungsstrategie

Laut Angaben aus der österreichischen Telekombranche setzt die A1-Mutter Telekom Austria beim Netz vorwiegend auf Nokia, "Drei", Tochter des Hongkonger Hutchison-Konzerns, hauptsächlich auf ZTE und T-Mobile auf Huawei. T-Mobile-Sprecher Lev Ratner wollte das gegenüber der APA so nicht bestätigten und betonte, dass im Netz von T-Mobile unterschiedliche Ausrüster im Einsatz seien.

"Es gibt keine Erkenntnisse, die den kompletten Ausschluss von bestimmten Herstellern rechtfertigen würden. Dennoch bewerten wir derzeit unsere Beschaffungsstrategie neu", so Ratner. "Bereits heute verfolgt T-Mobile Austria eine Multi-Vendor-Strategie für die verwendeten Netzwerkelemente (Hersteller vor allem Nokia, Cisco, Huawei). Für alle Zulieferer gilt, dass die Hardware nach den Spezifikationen unserer Konzernmutter Deutsche Telekom gebaut und durch eigene Sicherheitsabteilungen geprüft wird."

In der Branche heißt es, dass Huawei mit günstigen Preisen den Markt der Netzwerkausrüster aufmischt und wichtiger Technologiepartner der Mobilfunker sei. Ein Ausschluss von Huawei wäre daher für den Wettbewerb und den Netzausbau schädlich.

"Keine Mauern hochziehen"

"Ohne chinesische Hardware, ohne amerikanische Software können wir im großen Konzert nicht mitspielen. Man könnte Diskussionen zu Zertifizierung und Sicherheitsmaßnahmen führen, aber Mauern hochzuziehen, ist sicher der falsche Weg", sagte "Drei"-Sprecher Tom Tesch am Freitag zur APA. Bei "Drei" habe Huawei als Netzwerkausrüster einen kleinen Footprint. "Dort wo wir Huawei einsetzen, sind wir mit dem Unternehmen zufrieden", so Tesch.

Die T-Mobile-Mutter Deutsche Telekom hat am Donnerstag Vorschläge zur Erhöhung der Netzsicherheit gemacht. Bei ihrer Tochter in Österreich wird das begrüßt: "Das führt die Sicherheitsdiskussion wieder auf eine sachliche Grundlage zurück anstelle des derzeit pauschal geäußerten Verdachts von Spionage ohne konkrete Grundlage", sagte Ratner. Wenn der 5G-Ausbau in Österreich und Europa zügig gelingen soll, brauche es jetzt rasch Sicherheit für die Investitionen.

Hofer teilt Vorbehalte nicht

Der auch für Technologie zuständige Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ) sagte diese Woche, er teile die Vorbehalte anderer Staaten gegen Huawei nicht so sehr, um den chinesischen Netzwerkausrüster schlichtweg vom Ausbau des Mobilfunkstandards 5G in Österreich auszuschließen. "Wir haben diese Bedenken nicht in diesem Ausmaß", so Hofer.

Die Telekombehörde RTR sieht das ähnlich: "Die Netzsicherheit überwachen die Betreiber selbst. Die RTR übernimmt hier eine Aufsichtsfunktion anhand der Vorgaben der ENISA Technical Guidelines. ENISA ist die Agentur der EU für Netz- und Informationssicherheit. Auf Basis dieser gibt es keine Sicherheitsbedenken", hieß es Mitte Jänner auf Anfrage aus der RTR. Ende Februar werden in Österreich die ersten 5G-Frequenzen versteigert.