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Netzpolitik
10/13/2019

Nach Halle: Deutscher Innenminister greift Gamer-Szene an

Horst Seehofer (CDU) will die Gamer-Szene stärker in den Blick nehmen. Diese Aussage sorgte für zahlreiche Kritik.

von Barbara Wimmer

Horst Seehofer hatte in einer ARD-Sendung am Samstag erklärt, dass man die Gamer-Szene stärker in den Blick nehmen müsse. Diesem Satz gingen zahlreiche deutsche Medienberichte mit Headlines wie „Rechtsterrorismus, inszeniert wie ein Computerspiel“ voraus. Doch wie kommt es dazu und wie reagieren bekannte Gamer auf die Aussage des Innenministers?

Zuerst einmal der Reihe nach: In Halle in Deutschland ereignete sich am Mittwoch ein grauenvolles Attentat mit zwei Todesopfern. Ziel der Attacke war die zum höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur voll besetzte Synagoge der 238.000-Einwohner-Stadt. Nach Angaben der Polizei erschoss der vermeintliche Täter dann eine Passantin auf offener Straße in unmittelbare Nähe der Synagoge und danach einen Mann in einem Imbiss. Die Polizei geht bei der Tat von einem rechtsextremistischen Hintergrund aus.

Helm-Kamera und Übertragung auf Twitch

Der Mann trug bei seinem Attentat eine Helmkamera, mit der er alles filmte und live ins Internet übertrug. Der Mann wählte dazu die Gaming-Plattform Twitch aus, bei der sich normalerweise Spieler beim Gamen filmen und ihre Schritte kommentieren. Unter dem Stichwort Let's-Play existiert auch auf YouTube ein ganzes Videogenre dieser Art. Derzeit ist jedoch nicht bekannt, ob er Twitch gezielt ausgewählt hatte, um seine Aktion wie ein Let’s Play Video zu inszenieren, oder ob das eher Zufall war.

Auch die Notizen (von manchen als "Manifest" bezeichnet), die vom Täter angefertigt worden waren, wiesen Bezüge zur Spielewelt auf, so sprach er darin etwa von „Achievements“. „Achievements" sind bestimmte Ziele, deren Erreichen zu digitalen Trophäen führt. Diese gibt es in fast in jedem modernen Videospiel.

Scharfe Reaktionen

Das bedeutet: Ja, die Bezüge zur Gaming-Welt durch den vermeintlichen Attentäter sind da, doch Games haben diesen nicht radikalisiert. „Dies ist ein Randaspekt der Debatte. Nach einem Angriff auf eine Synagoge in Deutschland ist es ungleich wichtiger über rechten Terror sowie über Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit zu reden, als über Videospiel-Bezüge. Problematischer wirken auch die Sümpfe von Verschwörungstheorien und die soziale Isolation, in die der Täter mit seiner Gedankenwelt abgeglitten sein muss, ohne dass es Sicherheitsbehörden mitbekamen“, schreibt etwa Markus Böhm beim Spiegel Online in seiner Analyse.

Die Reaktionen auf die Ankündigung Seehofers fallen im Netz daher ziemlich scharf aus. So äußerte sich der Bekannte YouTuber LeFloid mit wenig freundlichen Worten. „Hat Seehofer den Arbeitgeber gewechselt & ist jetzt Satiriker?“ ist noch das netteste, das er sagt.

Doch er ist nicht der Einzige, der Seehofers Aussage stark kritisiert.

Es gab auch zahlreiche Beiträge, die darauf satirisch reagierten.