Netzpolitik
04.10.2018

"Neger"-Stück am Burgtheater: Shitstorm wegen gelöschter Kommentare

Eine Aufführung mit dem Namen „Kampf des Negers und der Hunde“ sorgt derzeit für Wirbel in den sozialen Netzwerken.

„Was ist denn das wieder für eine rassistische Kacke?!“, „eh klar, dass sich Schwarze nicht besonders willkommen fühlen in so Institutionen“ oder „macht man so Rassismus salonfähig?“ sind nur einige Wortmeldungen auf Twitter zum neuen Stück „Kampf des Negers und der Hunde“ am Wiener Burgtheater. Viele User stören sich daran, dass das N-Wort sowohl auf Plakaten, als auch im offiziellen Social Media Posting wohl ganz ungeniert ausgeschrieben wird.

Reaktionen gelöscht?

Für noch mehr Wirbel sorgt derzeit aber, dass erboste Reaktionen und Antworten darauf angeblich einfach gelöscht wurden. Jedoch nicht vom Burgtheater, stellt die Pressestelle gegenüber der futurezone klar. Das hätte Instagram aufgrund vom Algorithmus identifizierter hetzerischer oder rassistischer Inhalte schon selbst erledigt, heißt es. Im Anschluss an die Vorstellung am 15. Oktober soll es deswegen die Möglichkeit geben, über das Thema im Rahmen eines Publikumsgesprächs offen (und unzensiert) zu debattieren.

N-Wort bewusst gewählt

Der Titel des Stücks von Bernard-Marie Koltès, das sich um Machtstrukturen und Rassismus in französischen Kolonien in Afrika dreht, sei auch ganz bewusst vom Autor vor rund 40 Jahren so gewählt worden. Auch damals war das Wort „Neger“ negativ konnotiert. Allerdings gehe es in dem Werk um die Kritik an rassistischen Vorurteilen, nicht deren Bestätigung. Und bei den „Hunden“ im Namen handelt es sich tatsächlich um die Weißen.

Ein Missverständnis?

Der Autor hat also sehr wohl reflektiert, was er aussagen wollte und deswegen muss auch nicht unbedingt ein schwarzer Schauspieler die Rolle eines Schwarzen spielen, lässt das Burgtheater wissen. Das wurde von einer Gruppe Kritiker allerdings anders aufgefasst: Während der Vorstellungen haben mehrere Frauen mit Augenmasken plötzlich „Ignoranz“ geschrien und Flugblätter mit der Aufschrift „das N-Wort ist nie einfach nur ein Wort“ von einem Balkon des Theaters in die Menge geworfen.