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Programm
08/10/2012

Piratenpartei nennt Strategie zu Urheberrecht

Die deutschen Piraten sehen durch Tauschbörsen nicht Künstlerxistenzen gefährdet. Neue Methoden wie beispielsweise Crowdfunding im Netz sollen Kreativen das Einkommen sichern.

„Idol-Marketing", „Social Payment" oder „Crowdfunding" heißen die Instrumente, mit denen die Piratenpartei Musikern und Liedermachern das kostenlose Herunterladen von Songs und Texten schmackhaft machen will. Hinter diesen Schlagwörtern verbergen sich Geschäftsmodelle im Internet, die den Kreativen ein Einkommen sichern sollen, wenn das nichtkommerzielle Kopieren von Dateien im Internet erlaubt wäre.

Parteiprogramm mit Alternativen
Das schrankenlose Internet mit einer weitgehend kostenlosen Verfügbarkeit der Inhalte zählt zu den Gründungsideen der Piraten. Aus Sicht der Partei ist das derzeitige Urheberrecht ein Haupthindernis für den freien Zugang zu Wissen und Kultur. Vor allem Künstler fürchten aber um ihre Existenzgrundlage, wenn ihre Lieder, Filme oder Texte kostenlos heruntergeladen werden können. In ihrem Papier sehen die Piraten diese Gefahr nicht und listen alternative Einnahmequellen auf, die ihrer Ansicht nach die gebührenpflichtige Nutzung geistigen Eigentums ersetzen kann.

Künstler sollen sich der Masse anbiedern
Dazu zählt etwa „Idol-Marketing". Demnach wird der Künstler durch die kostenlose Verbreitung seiner Werke im Internet bekannt. Durch die so gewonnene Popularität kann er bei Konzerten oder Lesungen entsprechende Eintrittspreise verlangen. Ein weiteres Modell ist „Social Payment". Hierbei bleibt es dem Nutzer überlassen, freiwillig etwas zu zahlen. Zu den aus Piraten-Sicht denkbaren Geschäftsmodellen zählt auch das Anbieten von Gratis-Software, zu der eine kostenpflichtiger Kundendienst angeboten wird. Beim „Crowdfunding" schließlich sollen sich die Urheber ihr Werk vorfinanzieren lassen. Eine Variante davon ist das „Crowdinvestment", bei denen die Förderer am finanziellen Erfolg des Projektes beteiligt werden.

Verwertungsgesellschaften wollen die Piraten zwar bestehen lassen. Allerdings müssen sie so reformiert werden, dass vor allem den Urhebern die Einnahmen zufließen.

Werbung und öffentliche Gelder
Bereits etabliert hat sich die Finanzierung von Gratisinhalten durch Werbung. Bekanntestes Beispiel dafür ist nach Ansicht der Piraten die Suchmaschine Google. Unter dem Schlagwort „Freemium" verstehen die Piraten eine Variante, bei der die Werbefreiheit gegen eine Gebühr erkauft werden kann. Schließlich setzen die Piraten auch auf öffentliche Förderung. „Zur freien Entfaltung einzelner aufstrebender Künstler, insbesondere in Bereichen, die nicht im Mainstream der bisherigen Verwertung liegen, besteht die Möglichkeit und die Verantwortung zur Förderung", heißt es in dem Papier, aus dem eine Broschüre zum Urheberrecht werden soll.

Die Piraten verweisen auf Studien, nach denen Künstler nicht mit erheblichen Verlusten rechnen müssten, wenn die Weitergabe von Dateien im Internet legalisiert würde. „Die Verbreitung von Tauschbörsen ist bereits jetzt so hoch, dass ein solcher Einbruch schon hätte stattfinden müssen, was jedoch ausgeblieben ist", schreiben die Autoren.

Urheberrecht schränkt ein
Die Piratenpartei sieht die Rechte der Allgemeinheit an der Verwendung von Wissen und Informationen durch das derzeitige Urheberrecht eingeschränkt. Für die Newcomer, die mittlerweile in vier Landtagen vertreten sind und gute Chancen haben, kommendes Jahr in den Bundestag einzuziehen, ist eine Urheberrechts-Reform eine „zutiefst humanistische Forderung". Dazu gehören nichtkommerzielle Tauschbörsen, der Wegfall von Kopierschutz, die Verkürzung der Dauer des Urheberrechtsschutzes und eine Stärkung der Rechte der Kreativen gegenüber den Rechteverwertern wie etwa die Gema.

Viele Künstler haben diese Forderungen auf die Barrikaden getrieben. Vielbeachtet war ein Wutausbruch des Schriftstellers und Musikers Sven Regener („Element of Crime"), der in einem Interview sagte: „Das Rumgetrampel darauf, dass wir uncool seien, wenn wir darauf beharren, dass wir diese Werke geschaffen haben, ist im Grunde genommen nichts anderes, als dass man uns ins Gesicht pinkelt. Und sagt: `Euer Kram ist nichts wert. Wir wollen das umsonst haben. Und wir scheißen drauf, was Du willst`."

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