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Netzpolitik
02/05/2019

Wie viel die Smart-Meter-Umstellung wirklich kostet und wer sie zahlt

Die E-Control hält nach der Kritik des Rechnungshofes an ihrer Kosten-Einschätzung für die Einführung von Smart Metern fest.

Bis 2020 sollen 80 Prozent der Haushalte digitale, intelligente Stromzähler (Smart Meter) bekommen. Doch wer zahlt diesen Umbau eigentlich? Die mit der Umsetzung des Projekts betraute Regulierungsbehörde E-Control ging von Kosten in der Höhe von 950 Millionen bis 1,4 Milliarden über einen Zeitraum von zehn bis 13 Jahren aus.

Der Rechnungshof (RH) kam unlängst zu dem Schluss, dass die Kosten des Smart-Meter-Ausbaus ungewiss und für Stromkunden intransparent seien. Die 2009 betraute E-Control habe die Komplexität des Projekts unterschätzt und zugleich "überambitionierte Pläne" vorangetrieben. Kritisiert wird vom Rechnungshof auch mangelnde Transparenz. Die Kosten für die Einführung der digitalen Stromzähler würden von den Kunden getragen.

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Keine neue Analyse

Die futurezone hat bei der E-Control nachgefragt. Kommt die Behörde jetzt zu einer anderen Kosteneinschätzung als damals? „Wir nehmen die Kritik konstruktiv auf“, heißt es in einer ersten Reaktion, aber die Kosteneinschätzung wird derzeit nicht revidiert. „Auf Basis der jetzigen Indizien haben wir keine Hinweise darauf, dass die Kosten höher ausfallen werden“, sagt E-Control Aufsichtsrat Leo Kammerdiener im Gespräch mit der futurezone.

Zu einer erneuten Kosten-Nutzen-Analyse kommt es daher nicht. „Man kann die Kosten abschätzen, weil diese bereits im Vorhinein festgelegt werden. Die Kosten für den Ausbau sind nämlich über das jährliche Messentgelt und die Netztarife abgedeckt. Netzbetreiber müssen mit den festgelegten Netzentgelten auskommen“, so Kammerdiener.

Für Kunden bedeutet dies: Direkt beim Zählertausch entstehen keine Zusatzkosten. Die Netztarife werden von der Regulierungsbehörde E-Control per Verordnung festgelegt und Höchstpreise für die Messentgelte bestimmt.

Indirekte Kosten für Kunden

Die E-Control hat allerdings im Jahr 2017, nachdem die Einführung der Smart Meter in einigen Bundesländern Fahrt aufgenommen hat, die Struktur der Netzentgelte „modernisiert“ und „an die neue Stromwelt angepasst“. Ab Anfang 2019 soll ein neues Stromnetzentgeltsystem in Kraft treten. Schon mit Anfang 2017 wurde zudem die Netzpauschale auf 30 Euro netto angehoben.

Die Behörde will diese Anhebung und Umstellung freilich nicht mit „versteckten Kosten“ für die Smart-Meter-Einführung in Verbindung bringen. „Man kann die Pauschale nicht auf eine Technologie abwälzen, sondern diese steht im Zusammenhang mit einer geänderten Tarifsystematik. Eine Pauschalenerhöhung wird gleichzeitig durch eine Senkung der verbrauchsabhängigen Komponente (kWh-Preis) kompensiert. Sonst bekämen die Netzbetreiber nicht gerechtfertigte Übererlöse“, sagt Kammerdiener.

"Viele Vorteile für Konsumenten"

Das Nachhaltigkeitsministerium, das die Smart-Meter-Agenden mit dem Regierungswechsel vom Wirtschaftsministerium neu übernommen hat, fügt in einer Stellungnahme gegenüber der futurezone hinzu: „Den Einführungskosten stehen natürlich auch viele Nutzen und Vorteile für Konsumenten gegenüber, was sich wiederum auf die Stromrechnungen bzw. auf die Netzkosten auswirken wird.“

Gedacht ist, dass sich Kunden mit dem digitalen Zähler ihren Energieverbrauch genauer ansehen werden und ihr Verbrauchsverhalten daraufhin ändern. Doch das bringt bei kleinen Haushalten, die ebenfalls alle mit einem digitalen Zähler ausgestattet werden, oft gar nicht viel.

Verbraucher mit geringem Jahresverbrauch, das heißt unter 2000 kWh/Jahr können mit intelligenten Stromzählern nämlich kaum etwas sparen. Konkret liegt das Einsparungspotenzial bei 0,5 Prozent. In Geld umgerechnet bedeutet das: Im Schnitt betragen die Einsparungen 2,5 Euro, im Maximal-Fall 4,5 Euro pro Jahr. Das ergab zumindest ein Gutachten der Unternehmensberatung Ernst & Young (PDF), das vom deutschen Bundeswirtschaftsministerium in Auftrag gegeben wurde.

Laut Kammerdiener von der E-Control müssen Kunden künftig aber gar nicht selbst aktiv werden, sondern das könne auch der Lieferant übernehmen. „Eine Wärmepumpe kann etwa dann betrieben werden, wann der Strompreis billig ist“, so Kammerdiener.

Zukünftige Sparmöglichkeiten

Selbst für kleine Haushalte gäbe es in Zukunft Szenarien, bei denen diese von digitalen Zählern profitieren könnten, etwa in Kombination mit Batteriespeichern. „Kleine Batteriespeicher können neben der Erhöhung des Eigenverbrauchs bei Erzeugung, der Nutzung von Zeiten niedriger Energiepreise, oder beispielsweise als unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) verwendet werden, Regel- oder Ausgleichsenergie bereitzustellen“, sagt Kammerdiener. Dabei handelt es sich um jene Energie, die zum kurzfristigen Ausgleich zwischen Erzeugung und Verbrauch erforderlich ist, z.B. zum Ausgleich von Prognoseabweichungen, und die höhere Preise als an anderen Energiemärkten gehandelte Energie hat, bzw. für deren Bezug zeitweise sogar eine Vergütung erfolgt. „Wenn dieser Markt funktioniert, führt das zu sinkenden Preisen. Es könnten zeitweise sogar Einnahmen für die Endkunden möglich werden“, so Kammerdiener.  Und damit dieser Markt funktioniere, könne die E-Control regulierend eingreifen.

Zudem dürfe man nicht vergessen, dass es auch zu Zeiteinsparungen komme, weil Kunden nicht mehr einmal pro Jahr einen halben Tag Urlaub nehmen müssen, weil der Netzbetreiber zu Hause den Strom ablesen komme, so Kammerdiener. Auch die Selbstablesung wird durch den Smart Meter obsolet, weil die Daten künftig aus der Ferne abgerufen werden können.

Die Frage, die am Ende allerdings sehr wohl bleibt, ist: Bringen Smart Meter damit den Netzbetreibern und Lieferanten nicht doch mehr, als den einzelnen Konsumenten? „Kunden können künftig auch von smarten Tarifen bei verschiedenen Lieferanten profitieren. Da wird es sicherlich bald mehr geben. Bei einem Ausrollungsgrad von rund 18 Prozent ist da noch nicht so viel Volumen dahinter, doch das Angebot wird steigen.“