Netzpolitik
18.05.2015

Wiener NSA-Abhörstationen offenbar miteinander vernetzt

Die vier bekannten Geheimdienst-Horchposten sollen gemeinsam den Mobilfunk in großen Teilen Wiens permanent überwachen und dafür miteinander vernetzt sein.

Neben den Horchposten, die sich auf dem Dach der US-Botschaft und am IZD-Tower, sowie bei der sogenannten NSA-Villa in Wien Pötzleinsdorf befinden, wurde erst kürzlich auf dem Dach der britischen Botschaft im dritten Wiener Gemeindebezirk eine weitere Abhörstation ausländischer Geheimdienste entdeckt.

Wie Recherchen von fm4.orf.at nun ergeben, sind die vier Überwachungsstationen offenbar vernetzt und ergeben miteinander ein Netz zur Mobilfunküberwachung, das zentrale Teile der Bundeshauptstadt abdeckt.

Breitbandige Richtfunkstrecken

Demnach bestehe zwischen den US-Abhörhäuschen, NSA-Villa, US-Botschaft und IZD-Tower, eine gute Sichtverbindung. Die britische Botschaft sei nur vom IZD-Tower aus sichtbar. Diese Sichtverbindungen würden breitbandige Richtfunkstrecken problemlos auch mit kleinen Schüsseln ermöglichen.

Das Mobilfunküberwachungsnetz über Wien soll der flächendeckenden und permanenten Sammlung von Metadaten, wie etwa Standort- bzw. Bewegungsdaten, IMSI- und IMEI-Nummer von SIM-Karten und Endgeräten, dienen. Diese Daten werden offenbar nahezu in Echtzeit per Richtfunkstrecken an eine zentrale Auswertungsstelle übertragen. Dafür komme aller Wahrscheinlichkeit nach nur die Villa in Pötzleinsdorf in Frage.

Permanente Mobilfunküberwachung

Wählt sich ein Mobiltelefon, das auf der Selektorenliste steht, in einen überwachten Funkzellenverbund ein, wird Alarm geschlagen und die nächsten Überwachungsschritte folgen automatisch, schreibt fm4.orf.at und beruft sich dabei auf Schlüsseldokumente des "Special Collectіon Service", die von Edward Snowden geleakt wurden. Dieses großflächige und automatisierte Überwachungskonzept von Metropolen auf der ganzen Welt wird in den Dokumenten als ein Kernfeature des Systems erwähnt.