In Wien beteiligten sich 4000 Menschen an der #SaveTheInternet Demo.

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Netzpolitik
03/23/2019

Zehntausende gingen gegen EU-Urheberrechtsreform auf die Straße

Allein in Österreich und Deutschland waren insgesamt über hundertausend Menschen auf der Straße und demonstrierten gegen die Urheberrechtsreform.

von Barbara Wimmer

Am kommenden Dienstag wird über den Gesetzestext zur geplanten EU-Urheberrechtsreform im EU-Parlament in Straßburg abgestimmt. Der vorliegende Entwurf ist umstritten, weil viele Kritiker darin eine Verpflichtung für Onlineplattformen zur Einführung von Uploadfiltern sehen, die die Meinungsfreiheit und Kreativität im Netz gefähren. Das kommt bei vielen Menschen nicht gut an, wie am Samstag Demonstrationen gegen den Entwurf in ganz Europa gezeigt haben. Vor allem junge Menschen schlossen sich den Protesten an. Sie informierten sich über die Reform via YouTube.

Besonders in Deutschland konnten die Veranstalter viele Menschen auf die Straße locken. Allein in München sollen etwa 40.000 Personen an der Protestkundgebung teilgenommen haben, berichtet t3n. In Berlin waren es rund 20.000 Personen, in Köln zirka 10.000 Personen. Für Düsseldorf gibt die Polizei 4000 Personen an, für Hamburg 6000 und für Hannover 3200. In Berlin waren ebenfalls mehrere tausend Demonstranten unterwegs. Insgesamt spricht netzpolitik.org von "weit mehr als 100.000 Demonstranten" für ein offenes, freies Internet.

Friedliche Demo in Wien

In Wien waren dem Aufruf von #SaveYourInternet laut den Veranstaltern etwa 4000 Personen gefolgt und zogen über die Mariahilferstraße vor das Wiener Rathaus. Dort gab es Reden, unter anderem vom EU-Parlamentarier Michel Reimon (Grüne), sowie von den potentiellen EU-Parlamentarierinnen, die zur Wahl im Mai antreten: Julia Herr (SPÖ) und Claudia Gamon (Neos) sowie ein Vertreter der Piratenpartei. Auch der YouTuber Venicraft, der zuvor bereits in einem YouTube-Video zur Demo aufgerufen hatte, sprach ein paar Worte.

Auch ein Schüler kam zu Wort, um seine Sicht der Dinge zu präsentieren. Die Demo wurde generell von vielen, jungen Menschen unterstützt, ähnlich wie die #FridayforFuture Demos gegen den Klimawandel. Viele junge Menschen wollen sich das Internet nicht von Personen wegnehmen lassen, die davon "nichts verstehen". "Wir haben auf change.org mit fünf Millionen Stimmen die größte Petition Europas erreicht. Und heute waren 100.000 Menschen auf der Straße. Und dann werden unsere Stimmen ignoriert? Wir sind die künftigen Wähler", sagte er, auch wenn er selbst noch nicht wahlberechtigt sei.