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24.02.2015

Asus ZenWatch im Test: Der schönste Kompromiss

Asus beweist mit der ZenWatch, dass es nicht immer ein rundes Display sein muss. Doch hinter dem hübschen Design verbergen sich einige kleine Makel.

Das Erfolgsrezept von Smartwatches scheint simpel zu sein: Man darf der Uhr nicht anmerken, dass es sich eigentlich um eine Smartwatch handelt. LG und Motorola haben eindrucksvoll vorgelegt, wie sich die neue Geräteklasse und klassische Zeitmesser erfolgreich kombinieren lassen. Auch Apple konnte sich diesem Trend nicht entziehen und lieferte statt einem futuristischen Konzept Traditionelles ab (auch wenn sie laut Apple ihre Ursprünge im iPod Nano hat).

Asus ZenWatch in Bildern

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Asus ZenWatch

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Nun gesellt sich Asus zum Kreis der Smartwatch-Anbieter und versucht es mit einem dezenten, aber stilvollen Design. Die ZenWatch unterbietet mit einer UVP von 229 Euro die aktuelle Android Wear-Konkurrenz von Motorola und LG, doch kann sie auch mit Leistung überzeugen? Die futurezone hat Asus erste Smartwatch getestet.

Ersatz für Apple Watch

Auf den ersten Blick hat Asus Erstlingswerk optisch viele Gemeinsamkeiten mit der Apple Watch: Ein stark abgerundetes Gehäuse, versteckte Menü-Taste an der Seite sowie einfach tauschbare Armbänder. Dabei dürfte es sich aber um einen Zufall handeln, denn Asus hat die ZenWatch bereits eine Woche vor der offiziellen Ankündigung der Apple Watch enthüllt. Das Design weiß, obwohl es ohne rundes Display auskommt, zu gefallen.

Das Metall-Gehäuse ist kompakt und fühlt sich ebenso hochwertig an wie es aussieht. Obwohl sie ähnlich groß wie Motorolas Moto 360 ist, wirkt sie deutlich dezenter. Dazu trägt wohl auch das schlichte Design bei, das einer Analog-Uhr nahe kommt, manchem Smartwatch-Enthuasiasten aber zu langweilig sein könnte. Die Spaltmaße sind mit den Fingern nicht ertastbar, die einzelnen Gehäuselemente schließen gut aneinander ab. Ungewöhnlich, aber angenehm in der Bedienung ist das leicht gebogene Gorilla Glass 3, das Display und die Front der Smartwatch schützen.

Offene Kontakte auf Rückseite

Im Vergleich mit der Moto 360 fällt vor allem der große Rahmen um das Display unschön auf. Asus versucht die Ränder mit einem passenden Muster zu überdecken, dennoch wirkt der Platz verschwendet. Da Android Wear vollständig mit Gesten und Touch bedient werden kann, sind an der ZenWatch auch keine Tasten zu finden. Als Backup wurde lediglich eine “Home”-Taste an der Rückseite verbaut, mit der im Notfall die Smartwatch ausgeschaltet oder neugestartet werden kann. Legt man die Smartwatch an, ist diese Taste ohnedies nicht zu erreichen.

Auf der Rückseite sind mit Ausnahme der Taste lediglich die Kontakte für die Ladeschale zu finden. Dass diese offen liegen, sorgt in Anbetracht der Probleme bei LGs G Watch für etwas Bauchweh. Dort korrodierten die Kontakte bei einigen Nutzern, da an diesen auch ohne Ladestecker eine geringe Spannung angelegt wurde. Ein Software-Update behob den Fehler schließlich. Doch Asus dürfte aus den Fehlern von LG gelernt haben, zudem ist der Abstand zwischen Haut und Kontakten deutlich größer.

Schnelles Tauschen des Armbandes

Asus liefert ein schickes Leder-Armband mit 22 Millimetern Breite mit, das jederzeit getauscht werden kann. Hier macht es Asus dem Benutzer so einfach wie derzeit kein anderer Hersteller. Das Band verfügt an beiden Enden über kleine Hebel, mit denen der fixierende Stift leicht herausgedrückt werden kann. So lässt sich das Armband tatsächlich in einer Minute tauschen.

Bereits das mitgelieferte Armband kann jedoch optisch überzeugen und passt hervorragend zum Design der ZenWatch. Der Tragekomfort ist gut, auch die verbaute Klappschließe stört nicht. Die Qualität der Klappschließe ist aber im Vergleich zu jener der Samsung-Smartwatches deutlich schlechter und wirkt etwas klapprig.

Mit Raster

Bei der ZenWatch kommt ein 1,63 Zoll großer AMOLED-Bildschirm zum Einsatz, der auf die für Android-Wear-Smartwatches gängige Auflösung von 320 mal 320 Pixel setzt. Damit kommt man auf eine ordentliche Pixeldichte von 278 ppi, die eigentlich für eine scharfe Darstellung reichen sollte. Doch im Test fiel das Display durch ein deutlich sichtbares Raster auf, das das Ergebnis etwas trübte. Dies fällt vor allem bei weißen Flächen auf, die so durch das Raster “verschmutzt” werden. Ansonsten liefert das Display aber eine tadellose Leistung ab und kann gut mit dem P-OLED-Bildschirm der LG G Watch R mithalten.

Die Farben werden, typisch für einen AMOLED-Bildschirm, kräftig und ohne sichtbare Verfälschungen dargestellt. Im Always-On-Modus ließ sich jedoch ein ungewöhnliches Verhalten beobachten. Einzelne weiße Pixel verfärbten sich plötzlich grün. Beim Wechsel zum normalen Watchface oder Apps trat dieses Verhalten nicht mehr auf. Die Helligkeit ist gut und reicht auch für helle Sommertage. Doch leider verzichtet auch Asus auf einen Helligkeitssensor, sodass der Benutzer stets manuell nachbessern oder sich einfach mit der “Mitte” zufrieden geben muss.

Das Übliche

Wie bei nahezu allen Android-Wear-Modellen (die Ausnahme bildet die Motorola Moto 360) setzt die ZenWatch auf Qualcomms Snapdragon 400, dessen vier Kerne mit je 1,2 GHz getaktet wurden. Unterstützt wird der SoC von 512 Megabyte RAM sowie 4 Gigabyte an internem Speicher. Das reicht für eine flotte Bedienung der Smartwatch aus, Ruckler beim Wechseln zwischen Karten und Apps gab es nicht.

Der verbaute Akku ist mit 360 mAh durchschnittlich bemessen. Im Test ließen sich im Always-On-Modus zwischen 20 und 24 Stunden Akkulaufzeit erreichen. Wird der Bildschirm nur per Geste aktiviert, ließ sich die Akkulaufzeit verdoppeln. Damit kann die ZenWatch zwar nicht mit der Laufzeit der LG G Watch R mithalten, man kann jedoch sorglos einen kompletten Tag ohne Ladegerät überstehen.

Tropfen ja, Untertauchen nein

Apropos Ladegerät: Hier setzt Asus auf eine Ladeschale aus Gummi, die ihren Zweck gut erfüllt und durch einen guten Halt auch das Laden unterwegs erlaubt. Die Ladestation der Moto 360 mag zwar schick sein, im Flugzeug oder Zug lässt sich die Smartwatch aber nur mühsam laden. Ein Nachteil gegenüber der G Watch R und der Moto 360 ist jedoch die niedrigere IP-Klassifizierung. Statt IP67- ist die ZenWatch nur IP55-zertifiziert und somit lediglich gegen Spritzwasser und Staub geschützt, Untertauchen ist nicht möglich. Über den Einsatz im Regen oder ein paar Tropfen beim Händewaschen muss man sich keine Sorgen machen, in ein Wasserbecken sollte sie jedoch nicht fallen.

Auch die Pulsmessung wird bei der Asus-Smartwatch anders gelöst. Statt einem optischen Sensor auf der Rückseite wird der Puls über Elektroden im Gehäuse erfasst. Der Benutzer legt dazu je einen Finger “sanft” auf die rechte und linke Seite des Rahmens, nach knapp fünf Sekunden bekommt man ein Ergebnis. Wie bei allen anderen Smartwatches ist die Schwankungsbreite sehr hoch - mal hat man einen bedrohlich niedrigen Puls von 60 Schlägen pro Minute, zwei (ruhige) Minuten später liegt er plötzlich bei 120 bpm. Daher sollte man auch die Ruhepulsmessung mit Vorsicht genießen.

Viele Zusatzapps

Während sich LG vollständig auf Googles Android-Wear-Manager verlässt und Motorola lediglich eine optionale Connect-Suite anbietet, liefert Asus gleich eine Flut an eigenen Apps. Diese sind zwar nicht erforderlich, um die ZenWatch zu verwenden, ergänzen sie aber um sinnvolle Funktionen. Der ZenWatch-Manager ermöglicht, wie auch der Android-Wear-Manager, das Wechseln von Watchfaces. Zudem werden Smartwatch-Apps wie ein Kompass, eine Taschenlampe (ein weißer Bildschirm) und SOS, bei der eine SMS an Notfall-Kontakte abgesetzt werden kann, installiert.

Die App ZenWatch Remote ermöglicht wiederum das Fernsteuern der Kamera und das Betätigen des Auslösers. Die Vorschau auf der Smartwatch wird mit weniger als einer Sekunde Verzögerung angezeigt. So lässt sich die Smartwatch angenehm als Fernauslöser nutzen, sogar Funktionen wie Blitz, Zoom oder Auslöseverzögerung lassen sich mit der Smartwatch steuern. Einzige Einschränkung: Für die Aufnahme muss die mitgelieferte Asus Kamera-App genutzt werden.

Die gesammelten Fitness-Daten, wie zurückgelegte Schritte oder Puls, werden wiederum mit der Wellness-App aufbereitet. Diese stellt die Daten zwar hübsch dar, mehr als das beherrscht sie jedoch nicht. So können beispielsweise keine Trainings aufgezeichnet werden, auch eine Google-Fit-Integration fehlt. Die App ZenWatch Music erlaubt wiederum das Anlegen von Playlists und das Übertragen von Musikdateien auf die Smartwatch. So kann der Benutzer, Bluetooth-Kopfhörer vorausgesetzt, auch ohne Smartphone Musik über seine Smartwatch hören.

Die goldene Mitte

Asus reiht sich mit der ZenWatch erfolgreich in die Kategorie jener Smartwatches ein, die echten Uhren zum Verwechseln ähnlich sehen. Dabei beweist der Konzern aus Taiwan, dass ein edles Design auch ohne rundes Display möglich ist. Auch der Preis, der etwas günstiger als bei der Konkurrenz angesetzt ist, weiß in Anbetracht der Ausstattung zu überzeugen. Warum ist die ZenWatch nun aber “nur” ein Kompromiss? Zunächst kann man das Wort “nur” streichen, denn die ZenWatch ist nach wie vor eine gelungene Smartwatch.

Dennoch muss man im Vergleich zur Konkurrenz von Motorola und LG einige Abstriche machen: Sei es der eigenartige Pulssensor, die weiterhin magere Akkulaufzeit sowie kleine Makel am Display. Hier muss man nach den eigenen Wünschen in der Android-Wear-Welt auswählen. Werden zumindest zwei Tage Laufzeit gewünscht, ist die LG G Watch R die beste Wahl.Die Motorola Moto 360kann mit einem provokanten Design aufwarten, wohingegenSonys Smartwatch 3 sich eher an Sportbegeisterte richtet. Die ZenWatch ist hier die goldene Mitte zum günstigen Preis.

Modell:
Asus ZenWatch
Display:
1,63 Zoll AMOLED-Bildschirm - 320 x 320 Pixel (278 ppi)
Prozessor:
1,2 GHz Quadcore (Qualcomm Snapdragon 400)
RAM:
512 MB
Speicher:
4 GB intern, kein microSD-Kartenslot
Betriebssystem:
Android Wear
Anschlüsse/Extras:
microUSB über Ladegerät, Bluetooth 4.0, Pulssensor, IP55-zertifiziert
Akku:
360 mAh
Maße:
51 x 39,9 x 7,9; 50 Gramm
Preis:
229 Euro UVP