© Gregor Gruber

Test
11/17/2014

LG G Watch R: Runde Smartwatch mit Ecken und Kanten

Der erste Moto 360-Herausforderer mit rundem Display ist da. Die LG G Watch R verspricht längere Akkulaufzeit und ein robusteres Design. Die futurezone hat sie getestet.

von Michael Leitner

Und plötzlich wird alles rund: Eine scheinbar einfache Designveränderung sorgt dafür, dass Smartwatches plötzlich auch für die breite Masse attraktiv werden. Der Hype um die Moto 360 war groß, nun bringt LG mit der G Watch R eine weitere Android Wear-Smartwatch mit rundem Bildschirm auf den Markt.

LG G Watch R

LG G Watch R

LG G Watch R

LG G Watch R

LG G Watch R

LG G Watch R

LG G Watch R

LG G Watch R

LG G Watch R

LG G Watch R

LG G Watch R

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LG G Watch R

LG G Watch R

LG G Watch R

LG G Watch R

LG G Watch R

LG G Watch R

LG G Watch R

LG G Watch R

Optisch macht das deutlich mehr her als die klobigen Erstversuche von LG und Samsung, doch Aussehen ist bekanntlich nicht alles. Die futurezone hat sich den Moto 360-Herausforderer angelegt und mit der Konkurrenz verglichen.

Analog trifft Digital

Es ist nicht schwer zu verstehen, was den Reiz von Smartwatches mit rundem Display ausmacht: Sie sehen wie normale Uhren aus. Die G Watch R ist wohl bislang das Modell, das die Optik einer klassischen Armbanduhr am besten imitieren kann. Auf den von LG veröffentlichten Produktfotos machte sie einen recht wuchtigen Eindruck, mit einem Durchmesser von 46 Millimeter ist sie jedoch ähnlich groß wie ein klassischer Chronograph. Die Maße sind nahezu ident mit der Moto 360, die jedoch einen etwas größeren Bildschirm besitzt (1,56 statt 1,3 Zoll). Durch die massiven Armband-Halterungen ist die G Watch R zudem um knapp zehn Millimeter länger.

Die nicht drehbare Lünette rund um das Metall-Gehäuse zeigt die Sekunden wie bei einem Chronographen an. Das ist insbesondere in Kombination mit analogen Watchfaces ansprechend, Digital-Watchfaces wirken hingegen etwas deplatziert. Insgesamt stehen 24 verschiedene Designs zur Auswahl, der Großteil davon Analog. Das Display schließt scheinbar exakt mit dem inneren Rahmen des Gehäuses ab, doch bei genauerer Betrachtung fällt ein dünner schwarzer Rahmen zwischen Lünette und dem Display auf. Dieser fällt jedoch kaum auf und ist zwischen ein und zwei Millimeter dünn. Die Krone an der rechten Seite kann nicht gedreht, sondern lediglich gedrückt werden. Damit schaltet der Benutzer den Bildschirm an oder aus.
Der Tragekomfort der LG G Watch R ist sehr hoch, vor allem das dicke Lederband sowie das dünn ausgeführte Scharnier tragen dazu bei. Dennoch muss das Armband zunächst “eingetragen” werden, denn das Lederband ist nach dem Auspacken meist noch sehr steif und lässt sich nur sehr mühsam festschnallen. Nach ein paar Tagen bessert sich das jedoch. Der Benutzer kann jedoch das Band jederzeit gegen ein herkömmliches 22 Millimeter-Band tauschen. Im Vergleich zur Moto 360 fühlt sich vor allem der raue Kunststoff auf der Rückseite der Uhr angenehm an. Dort sind lediglich der optische Pulssensor sowie die Kontakte für das Ladegerät zu finden. Die Probleme der G Watch,bei der die Kontakte durch ein Software-Problem korrodierten,sollen hier nicht mehr auftreten.

Ausdauernd dank Flex-Display

LG setzt bei seiner Smartwatch auf ein P-OLED-Panel. Die Technologie bietet laut LG mehr Freiheiten bei der Produktion und soll sich besser für runde und gebogene Displays eignen. Bereits im Vorjahr wurde mit dem G Flex ein gebogenes Smartphone vorgestellt, das auf ein P-OLED-Panel setzte, 2015 sollen weitere Smartphones und Tablets folgen. Im Vergleich zum G Flex macht das Display der G Watch R aber eine deutlich bessere Figur. Das Display ist sehr hell und auch im Freien gut ablesbar. Auch aus steilen Winkeln ist der Bildschirminhalt einwandfrei erkennbar, sodass ein unauffälliger Blick auf die Uhr jederzeit möglich ist. Die Farbdarstellung ist etwas kräftiger als beim blassen LC-Bildschirm der Moto 360, wirkt aber nicht überzeichnet. Ein Umgebungslichtsensor fehlt jedoch, der Benutzer muss die Helligkeit manuell anpassen. Das ist hin und wieder lästig, meist ist Stufe vier von sechs jedoch ausreichend.

Bei der Pixeldichte scheinen sich viele Tester nicht einig zu sein, wohl auch aufgrund des runden Displays. LG gibt zwar die Bildschirmdiagonale mit 1,3 Zoll an, tatsächlich entspricht das aber dem Durchmesser des Bildschirms. So ergibt sich mit einer Auflösung von 320 mal 320 Bildpunkten eine Pixeldichte von 246 ppi. Damit ist die G Watch die Smartwatch mit der derzeit höchsten Pixeldichte. Der LC-Bildschirm der Moto 360 löst aufgrund des etwas größeren Bildschirms (1,56 Zoll) nur mit 205 ppi auf. Der Unterschied macht sich jedoch nicht wirklich bemerkbar, von Full HD- oder QHD-Bildschirmen verwöhnte Augen werden aber bei beiden Modellen bei näherer Betrachtung einzelne Pixel erkennen können. Das wird vor allem anhand der Zeiger deutlich, bei denen eine leichte Treppenbildung auftritt.
Da schwarze Pixel bei OLEDs nicht aktiv sind, ist der “Always On”-Modus der G Watch R besonders energieffizient. Im Test hielt der Akku so trotz ständig aktivem Bildschirm rund eineinhalb Tage durch. Die Moto 360 schaffte in diesem Modus lediglich knapp einen Arbeitstag. So lässt sich die G Watch R tatsächlich auch als Uhr verwenden und in vielen Situationen ein unauffälliger Blick auf die Uhrzeit werfen. Die Akkulaufzeit ist jedoch stark davon abhängig, wie viele Benachrichtigungen am Tag eingehen und wie oft der Benutzer den Bildschirm aufweckt. Wer das Bedürfnis verspürt, mehrmals am Tageinen “Flappy Birds-Klon”auf der Smartwatch zu spielen, dürfte den 410 mAh-Akku recht rasch entleeren. Ohne “Always On” hielt die Smartwatch rund drei Tage ohne Aufladen durch.

Gute Ausstattung

Apropos Aufladen: Statt drahtlosem Laden kommt eine magnetische Ladeschale mit Kontakten zum Einsatz. Die Lösung funktioniert ohne Probleme, ist aber nicht ganz so edel gelöst wie bei der Moto 360. Sollte der “Always On”-Modus aktiv sein, wird der Bildschirm gedimmt angezeigt, ansonsten bleibt der Bildschirm schwarz während des Ladevorgangs.

Die Leistung des Qualcomm Snapdragon 400 macht sich im direkten Vergleich mit dem etwas betagten TI OMAP-Chip der Moto 360 sofort bemerkbar. Die Uhr reagiert ohne spürbare Verzögerungen auf Eingaben, auch die Spracherkennung und Suche läuft auf der G Watch R deutlich schneller ab. Deutlich wird der Unterschied vor allem bei raschen Menüwechseln. Auf der Moto 360 treten auch nach dem Update immer wieder kleine Ruckler und Hänger auf, bei der G Watch R bleibt hingegen alles flüssig.

Die restliche Ausstattung ist nahezu schon Standard bei Android Wear-Geräten: Wasser- und staubdicht nach IP67, Pulssensor, Barometer, Kompass und Mikrofon. Der Pulssensor ermöglicht weiterhin nur die Messung des Ruhepuls, eine kontinuierliche Messung, beispielsweise während des Trainings, ist nicht möglich. Bislang gibt es mit “Heart Rate Training” erst eine App eines Dritt-Herstellers, die diese Funktion über Umwege unterstützt. Aufgezeichnet werden die Daten jedoch nicht, der Benutzer erfährt nur, wie lange er sich in einem bestimmten Pulsbereich aufhält.

Pures Android Wear

Die mitgelieferte Software kann weitestgehend als “Stock”-Android Wear bezeichnet werden. Während Motorola mit Moto Body eine eigene Fitness-Lösung vorinstalliert (die jedoch jederzeit mit Google Fit oder anderen Anbietern ersetzt werden kann), verzichtet LG weitestgehend auf Zusatz-Software. Ein Großteil der zusätzlichen Watchfaces wurde jedoch von LG entworfen. Im Gegensatz zur Moto 360 können die Watchfaces aber nicht an die eigenen Wünsche angepasst werden.

Google hat mit den letzten beiden Updates für Android Wear große Fortschritte gemacht, die Plattform wird das Gefühl einer Beta aber wohl noch für eine Weile nicht abschütteln können. Ein Beispiel: Wird das Gerät gewechselt, muss die Smartwatch auf Werkszustand zurückgesetzt werden. Bei allen anderen Pairing-Versuchen stellt die G Watch R nach mehreren Anläufen zwar eine Verbindung her, verliert diese aber sofort wieder und zeigt keine Benachrichtigungen an. Das ist vor allem dann ärgerlich, wenn man die Smartwatch mit mehr als einem Gerät verwenden will. Das Problem scheint im Zusammenhang mit Android Wear zu stehen, denn auch bei der Moto 360 trat es auf.

Noch sehr rudimentär

In Anbetracht dessen, dass Android Wear erst Mitte März vorgestellt wurde, hat sich die Plattform aber gut entwickelt. Pebble-Nutzer der ersten Stunde wissen, wie rudimentär das Angebot zum Start 2013 noch war und wie groß das Angebot heute ist. Ein Leak der neuen Android Wear-Version für Lollipop lässt zudem auf neue Funktionen hoffen, wie zum Beispiel einen App-Manager und Quick Settings mit Helligkeitssteuerung. Die Wunschliste ist aber lang, denn nach wie vor kann der Benutzer nicht auswählen, welche Benachrichtigungen er wie erhalten möchte (es gibt lediglich eine Blacklist für nicht erwünschte Apps). Das ist ärgerlich, denn nahezu jede App hat eine andere Form der Benachrichtigung: Hangouts vibriert kräftig und aktiviert den Bildschirm mit Vorschau, WhatsApp vibriert lediglich kurz und der Facebook Messenger gibt überhaupt keinen Ton von sich.

Auf der G Watch R ließ sich zudem noch ein ungewöhnlicher Fehler in den Einstellungen beobachten. Sobald man in der tiefsten Menü-Ebene angelangt war und eine Aktion auswählen wollte, tat sich scheinbar nichts. Erst durch die “Zurück”-Wischgeste zeigte sich die Aktion, beispielsweise das Bestätigungs-Fenster für den Neustart. Zudem lässt sich ein leichtes “Springen” des Watchfaces beim Wechseln vom “Always On”-Modus in den regulären Betrieb beobachten.

Die beste Smartwatch ist noch nicht gut genug

Die G Watch R kann ohne Zweifel als die derzeit beste Android Wear-Smartwatch bezeichnet werden. Vor allem der flotte Prozessor sowie die relativ lange Akkulaufzeit können im direkten Vergleich mit der Konkurrenz überzeugen. Das Design ist ein gelungener Kompromiss aus Funktion und modischen Aussehen, dennoch dürfte wohl die Moto 360 weiterhin eher die Blicke auf sich ziehen. Der Preis von 269 Euro (UVP) ist hoch, in Anbetracht der guten Ausstattung und Verarbeitung jedoch angemessen. Man sollte sich jedoch über die Grenzen von Android Wear im Klaren sein, denn selbst Samsungs Tizen-Smartwatches und die Pebble können derzeit mehr.

Wer auf der Suche nach einem Fitness-Wearable ist, wird aber in der G Watch R keinen idealen Begleiter finden. Hierfür eignen sich dieSamsung Gear FitundGear 2 Neobesser. Diese sind mit rund 150 Euro (Gear Fit) und 180 Euro (Gear 2 Neo) deutlich günstiger. Wenn es unbedingt Android Wear sein muss, sollte man einen Blickauf die Sony Smartwatch 3werfen, die sich auch gut für Schwimmer (dank IP 68 gegen dauerhaftes Untertauchen geschützt) und Läufer (integrierter GPS-Chip) eignet. Leider ist sie nicht rund, kostet aber mit 219 Euro (UVP) etwas weniger.

Modell:
LG G Watch R
Display:
1,3 Zoll P-OLED-Bildschirm - 320 x 320 Pixel (246 ppi)
Prozessor:
1,2 GHz Dualcore (Qualcomm Snapdragon 400)
RAM:
512 MB
Speicher:
4 GB intern, kein microSD-Kartenslot
Betriebssystem:
Android Wear
Anschlüsse/Extras:
microUSB über Ladegerät, Bluetooth 4.0, Pulssensor
Akku:
410 mAh
Maße:
46,4 x 53,6 x 9,7; 62 Gramm
Preis:
269 Euro UVP