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09/04/2020

Balkon-Solaranlage im Test: Genug Strom für den Kühlschrank

Mit einem Sonnenkraftwerk kann man realistisch Kosten decken und bekommt ein gutes Gefühl für den eigenen Stromverbrauch.

von David Kotrba

Wer sich für das Erzeugen von Solarstrom daheim interessiert, selbst aber kein Hausdach besitzt oder einfach in das Thema hineinschnuppern will, der kann sich eine kleine Solaranlage auf den Balkon stellen. Mehrere Hersteller bieten Photovoltaikmodule an, die per Plug and Play mit einer Steckdose verbunden werden und Stromverbraucher im eigenen Haushalt beliefern.

Nachdem wir vor Kurzem im Rahmen unseres Klimafreitags über Balkon-Solaranlagen berichtet haben, erhielten wir einige Rückmeldungen. Dabei wurden auch Zweifel laut, ob solche Geräte überhaupt sinnvoll seien oder doch eher nutzlose Spielereien, die keinen relevanten Beitrag leisten und sich niemals auszahlen würden. Wir haben deshalb eine Balkon-Solaranlage getestet.

1,68 Quadratmeter

Testobjekt war ein "Sonnenkraftwerk"-Modul der Marke Kioto Solar des Herstellers Sonnenkraft. Das Kärntner Unternehmen Sonnenkraft hat uns das Gerät mit einer Spitzenleistung von 325 Watt peak zur Verfügung gestellt. Wir haben es selbst ausgepackt, aufgestellt und betrieben und die Resultate mit dem Hersteller besprochen.

Das Sonnenkraftwerk besteht aus einem 1,68 Meter hohen und 1 Meter breitem Photovoltaikmodul in einem Alurahmen. Es ist 25 Kilogramm schwer und auf der Rückseite sitzt der integrierte Wechselrichter. Mitgeliefert werden Standfüße, die dem Solarpaneel eine Neigung von 25 Grad verleihen.

Einstecken und Strom produzieren

Beim Montieren dieser Aufständerung ist ein wenig Geduld gefragt. Hat man die Aufgabe jedoch bewältigt, braucht man nur noch ein mitgeliefertes Kabel an Wechselrichter und Balkon-Steckdose anschließen und schon fließt Strom ins Hausnetz. Die Stromproduktion kann man mit Hilfe von Energiekosten-Messgeräten überwachen, die man ab ca. 10 Euro im Elektrofachhandel erhält.

Bei unserem Test wurde das Sonnenkraftwerk auf einem westlich orientierten Balkon platziert und zunächst in südwestlicher Richtung aufgestellt. Was am Messgerät sofort auffällt: Selbst bei kleinsten Lichtmengen - etwa von einer LED-Lampe bei Nacht - produziert das Photovoltaikmodul Strom. Die maximale Ausbeute erzielt man klarerweise, wenn das Sonnenlicht direkt auf das gesamte Paneel trifft und das am besten direkt von vorne.

Die Montage der Standfüße des Sonnenkraftwerks fordert den Improvisationsgeist beim Basteln

Fertig ist die Aufständerung

Aufgestellt und an die Steckdose (plus Energiekosten-Messgerät) angeschlossen

Ausrichtung zunächst Richtung Südwesten

Das Paneel ist mit seinem Gewicht und seiner flachen Neigung (25 Grad) relativ sicher vor Windstößen

Der Wechselrichter an der Paneel-Rückseite

Spitzenzeit der Stromproduktion am Nachmittag

Regen und Hagel sind kein Problem für das Sonnenkraftwerk

Neue Ausrichtung gegen Hälfte der zehntägigen Testzeit

Neue Orientierung: Südsüdwest

Das Paneel wird so mehr vom Schatten des Balkongeländers getroffen, wodurch weniger Strom produziert wird

Ausrichtung und Hitze

Laut Lukas Kohlmaier vom Hersteller Sonnenkraft, widmen sich die meisten Besitzer von Balkon-Solaranlagen intensiv der bestmöglichen Ausrichtung. Landläufig gilt der Süden als optimal, das sei aber bei Solaranlagen in der Praxis nicht immer so: "Manchmal ist eine Ost-West-Ausrichtung nicht schlechter."

Eine hohe Anzahl von Sonnenstunden pro Tag sei klarerweise günstig, hohe Temperaturen hingegen seien nicht erforderlich: "Monokristalline Solarzellen haben den stärksten Ertrag, wenn es zwischen 20 und 30 Grad hat." Dieser optimale Temperaturbereich wird teilweise eher in den Übergangszeiten erreicht, nicht im Sommer.

Schlechter Schatten

Die Spitzenleistung von 325 Watt annähernd erreicht wird am zweiten Tag unseres Tests. Am Vormittag regnet es, was der Anlage nichts ausmacht. Sämtliche Komponenten sind wassergeschützt. Am Nachmittag wird es richtig sonnig und das Messgerät zeigt teilweise über 300 Watt an. Der Nachmittag ist auf einem westseitigen Balkon klarerweise die ertragreichste Zeit.

Fällt Schatten auf das Paneel - durch Fassadenteile oder das Balkongeländer - geht die Leistung stark zurück. Eine Neuausrichtung des Paneels am 6. Tag des Tests - weiter Richtung Süden - führt genau dazu, dass auf Teilen des Solarmoduls länger Schatten liegt. Das wirkt sich negativ auf den Stromertrag aus.

Stromertrag

Insgesamt hat das Sonnenkraftwerk während des zehntägigen Testeinsatzes 5,303 Kilowattstunden produziert. Im Schnitt sind das 0,5303 kWh pro Tag. Was kann man mit dieser Strommenge anfangen? Man kann z.B. den kompletten Strombedarf einer Kühl-Gefrier-Kombi, Energieeffizienzklasse A+++, 400 Liter Nutzinhalt und 190 kWh Jahresverbrauch abdecken.

Laut der E-Control kostet 1 kWh inklusive Netzkosten und Steuern in Österreich derzeit zwischen 17 und 24 Cent. Mit dem Sonnenkraftwerk hätte man also innerhalb von 10 Tagen 0,90 bis 1,27 Euro erwirtschaftet. Auf das Jahr gerechnet - im restlichen Jahr gibt es klarerweise weniger Sonnenstunden - würden solcherart 32,40 bis 45,72 Euro zusammenkommen, die man am Jahresende von der eigenen Stromrechnung abziehen könnte.

Energiewende unterstützen

Das Sonnenkraftwerk in der getesteten Form kostet 549 Euro. Mit der obigen Kalkulation würde sich der Anschaffungspreis innerhalb von 12 bis 17 Jahren amortisieren. Hersteller von Balkon-Solaranlagen werben klarerweise mit geringeren Zeitspannen, in denen der Stromertrag den Kaufpreis übersteigt. Was jedoch im Vordergrund stehe sei "Photovoltaik für alle machbar machen", meint Lukas Kohlmaier. "Das war unser Grundgedanke, als wir 2017 mit dem Thema Balkon-Solaranlagen angefangen haben."

Produkte wie das Sonnenkraftwerk zeigten, dass man in die Erzeugung von Ökostrom schon mit einem geringen Budget einsteigen und so einen Beitrag zur Energiewende leisten könne. "Die Personen, die sich so etwas zulegen, setzen sich proaktiv für sauberen Strom ein", sagt Kohlmaier. Die Rückmeldungen von Käufern seien überwiegend positiv.

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