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04.08.2016

"Man muss auch den Mut haben, Apps abzudrehen"

Erste Bank und Sparkassen verfeinern ihre App-Strategie. George Go wird zur zentralen Banking-App ausgebaut und integriert Funktionen bestehender Apps, erklärt Isabella Frey.

Simple, schlanke Apps für eindeutige Nutzungsszenarien. Das war die Strategie von Erste Bank und Sparkassen in den vergangenen Jahren. Den Anfang machte Mitte 2013 die App QuickCheck, über die Kunden die wichtigsten Informationen zum eigenen Konto abrufen konnten. Entwickelt im eigenen Software-Hub BeeOne stand die App für einen neuen Zugang der Bankengruppe zu digitalen Services, der sich auch in der radikalen Neukonzeption der Online-Banking-Plattform George äußerte.

Hunderttausende Downloads

Auf QuickCheck - mit 400.000 Downloads bis heute eines der erfolgreichsten App-Projekte von BeeOne - folgten eine Reihe weiterer Apps. Mit CardControl können Kunden ihre Bank- und Kreditkarten verwalten, über s Kontakt ihren Betreuer mobil erreichen. Nach dem Launch des neuen Online-Bankings George wurde auch eine abgespeckte George Go App veröffentlicht, bei der zunächst allerdings nur die schnelle Überweisung im Fokus stand.

George Go

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George Go

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Dabei soll es aber nicht bleiben. Analog zur Online-Plattform soll die George-App zur zentralen Banking-Schnittstelle auf dem Smartphone ausgebaut werden. „Viele User haben sich gewünscht, dass George Go größer wird. Unser Ziel ist es, die Alltagsbedürfnisse von Kunden mit George Go vollständig abzudecken“, erklärt Isabella Frey, App-Expertin von BeeOne im futurezone-Interview.

Nach einigen Updates weist die App mittlerweile praktisch alle Funktionalitäten von QuickCheck auf, auch das einfache Öffnen der App ohne Eingabe der Verfügernummer und Passwort wurde realisiert. Darüber hinaus können die eigenen Kontodaten verschickt und Transaktionslisten angezeigt sowie Überweisungen getätigt werden.

Großes Update geplant

In einem weiteren größeren Update nach dem Sommer sollen auch Wertpapiere angezeigt sowie einige Kernfunktionalitäten von CardControl integriert werden. Damit können Kredit- und Bankomatkarten auch direkt aus der App heraus für bestimmte Verwendungszwecke gesperrt oder das Kartenlimit erhöht werden.

„Wir sind bewusst ganz schlank gestartet, um jedes neue Feature perfekt umzusetzen. Funktionalitäten, die keiner nutzt, werden wir aber auch in Zukunft nicht implementieren“, sagt Frey. Den Fokus von den vielen kleinen Apps stärker auf eine zentrale App zu richten, sieht Frey weniger als Strategiewechsel, sondern als Teil des größeren Plans.

„Durch die in den Apps eingebauten Messtools können wir ganz genau sehen, welche Funktionen tatsächlich verwendet werden und welche Services man zugunsten einer schlanken App weglassen kann. Manchmal muss man auch den Mut haben gewisse Apps oder Funktionen abzudrehen, wenn die Zahlen einfach nicht stimmen“, ist Frey überzeugt. Neben den gesammelten Nutzer-Statistiken setzen die Entwickler auch weiterhin auf eine starke Beta-Community von 500 Kunden, die unter anderem über dass Lab rekrutiert wurde.

Mobil löst Desktop ab

Dass mobil auch beim Online-Banking die Zukunft ist, zeigen aktuelle Nutzerzahlen. So verzeichnen Erste und Sparkassen bereits seit Dezember 2015 mehr George-Logins über mobile Geräte als über den klassischen Desktop. Manche, vor allem ältere Kunden, hätten immer noch Sicherheitsbedenken, was mobiles Banking betrifft. Dabei gebe es trotz steigender Nutzerzahlen praktisch keine Betrugsfälle.

Skeptische Kunden wolle man noch besser informieren. Um die Sicherheit weiter zu erhöhen, wurden auch technische Maßnahmen implementiert. So kann der schnelle Zugriff (Easy Access) auf George Go nur freigeschaltet werden, wenn eine automatische Display-Sperre vorhanden ist und das Gerät nicht gejailbreaked oder gerooted ist. Darüber hinaus sei es auch ein Trugschluss zu glauben, dass der einfache Zugang mittels Fingerprint-ID oder Handy-Code unsicherer als die Eingabe von Verfügernummer und Passwort sei.

„Während man beim Easy Access physischen Zugang zum mobilen Gerät haben muss, kann man mit den zwei genannten Komponenten von jedem Gerät aus auf das Konto zugreifen. Die gleichzeitige Eingabe von Benutzername und Passwort wollen wir in Zukunft jedenfalls vermeiden“, erklärt Frey.

"App ist nicht tot"

Dass Apps generell tot sind, wie es mancherorts bereits zu lesen war, bestreitet Frey. Vielmehr ändere sich das Nutzungsverhalten. „Der Trend geht dahin, dass der User die App nicht mehr öffnen muss, sondern die für ihn relevanten Infos automatisch angezeigt bekommt.

Auch die Verschränkung mit anderen Services, sei es jetzt Apples Sprachsteuerung Siri oder dem Facebook-Messenger, wird in Zukunft eine viel größere Rolle spielen“, ist die App-Expertin überzeugt. Dass Desktop-Webseiten sich an mobile Screens anpassen sei wichtig, native Apps würden aber Zugriff auf viele Hardware-Features wie der Kamera zum Scannen von Rechnungen oder dem Fingerprint-Sensor bieten.

Neben der ständigen Verbesserung des eigenen App-Angebots werden die Verantwortlichen auch die technischen Vorbereitungen treffen, damit mobile Bezahldienste wie Samsung Pay oder Android Pay nach dem zu erwartenden Start in Österreich schnell in die eigenen Services integriert werden. Auch die Zusammenarbeit mit anderen Firmen und Start-ups soll im Sinne von George als offener Finanzplattform gefördert werden.