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11/06/2019

Garmin MarQ Expedition im Test: Edel-Smartwatch um 1.750 Euro

Eine MarQ-Smartwatch von Garmin holt man sich nicht wegen den Funktionen, sondern um ein Statement zu setzen.

von Gregor Gruber

Könnt ihr euch noch an die Zeit erinnern, als man sich fragte, wer eine Apple Watch um mehr als 600 Euro kaufen soll? Mittlerweile kostet die teuerste Apple Watch 849 Euro.

Über diese Definition einer luxuriösen Smartwatch kann Garmin nur lachen. Die neue MarQ-Serie kostet bis zu 2.500 Euro – das günstigste Modell 1.500 Euro. Ich habe die 1.750 Euro teure MarQ Expedition getestet, die im Garmin Store unter dem Namen „MarQ Adventurer“ zu finden ist.

Um das gleich klarzustellen: Bei der MarQ-Serie zahlt man nicht für die Funktionen so viel, sondern für Luxus. Garmin bietet Lauf-, Wander- und Tauchuhren an, die dieselbe Funktionalität wie ihre MarQ-Gegenstücke bieten, aber nur die Hälfte oder weniger kosten. In diesem Fall wäre das etwa die Fenix 6, die ab 700 Euro (mit Musikfunktion) erhältlich ist. Wer MarQ kauft, setzt ein Statement: „Ich hab Geld, mag große Uhren und zeige das auch.“

Leder für den Alltag

Die verschiedenen Modelle der MarQ-Serie nutzen dieselbe Hardware, haben aber unterschiedlich designte Gehäuse und Armbänder. Die Lünette der Expedition hat eine Kompass-Gradanzeige graviert. Das Armband ist aus italienischem Leder. Wer die Smartwatch für das verwendet, für das sie offiziell vorgesehen ist, also wandernd und kletternd, weiß, dass Leder nicht die beste Wahl ist. Es „nimmt mit der Zeit eine wundervolle Patina an“, schreibt Garmin auf der Website. Man könnte auch sagen: Es wird ranzig. Zudem ist es relativ dick und steif und dadurch nicht sonderlich bequem zu tragen.

Wohlwissend hat Garmin der Expedition ein schwarzes Silikonarmband beigelegt. Dank Schnellverschluss sind die Armbänder schnell gewechselt. So kann man das Lederarmband für den Alltag verwenden und das Silikonarmband für Sport und Outdoor-Aktivitäten.

Wie bei Garmins „Toolwatches“ üblich, ist auch die MarQ sehr dick ausgefallen. Die 1,42cm stören zwar nicht beim Tragen, lassen die Uhr aber sehr wuchtig wirken. Wer mit seinem smarten Handgelenksgerät gerne auffällt, wird sich darüber freuen. Die 87 Gramm Gewicht sind ebenfalls schwer für eine Smartwatch, überraschenderweise aber nicht sonderlich störend – weder beim Tragen am Tag, noch beim Schlafen in der Nacht. Nur beim Sport sollte man die MarQ etwas fester schnallen, damit sie, aufgrund des hohen Gewichts, nicht unangenehm am Handgelenk herumrutscht.

Das Gehäuse ist aus Titan. Anscheinend wurde das Testgerät vor mir von anderen Journalisten in die Mangel genommen. Zumindest sind etliche Mini-Kratzer und ein paar kleinere Beschädigungen im Gehäuse zu sehen. Immerhin hat man dann im Alltag auch einen Beweis dafür, dass man tatsächlich Outdoor-mäßig mit der Uhr unterwegs war und sie nicht nur gekauft hat, um damit zu protzen.

Tasten statt Touch

Wie üblich bei Garmins Smartwatches gibt es keinen Touchscreen. Stattdessen wird die MarQ mit 5 Tasten bedient. Nach der ersten Herumspielerei glaubt man den Dreh rauszuhaben. Hat man jedoch einen Modus aktiviert, wie etwa Wandern, und will dann auf den Kompass oder eine andere Funktion wechseln, drückt man eine Weile herum. Schließlich ist jede Taste durch Gedrücktlassen doppelt belegt. Intuitiv ist das nicht.

Das Planen von Routen und Wegpunkten direkt an der Smartwatch ist ohne Touchscreen sehr mühsam. Komfortabler ist das über die „Garmin Explore“ Begleit-App. Das muss man allerdings auch mal wissen: In der Basis-App „Garmin Connect“ ist kein Hinweis darauf. Um neue Watchfaces und ähnliches zu bekommen, benötigt man eine weitere App, nämlich „Garmin Connect IQ“.

Akkulaufzeit

Der Vorteil durch den Verzicht eines Touchscreens ist, dass Garmin sein bewährtes Display einsetzen kann, das bei Tageslicht sehr gut ablesbar ist – ohne, dass dazu eine Hintergrundbeleuchtung nötig ist. Dadurch ist der Always-On-Modus akkuschonender als bei anderen Smartwatches.

Ein Akkuwunder ist die MarQ aber nicht. Garmin gibt die Laufzeit im Smartwatch-Modus mit bis zu 12 Tagen an. Mit vielen Features aktiviert, wie konstante Pulsmessung, Schlaf-Tracking und den Sekundenzeiger, waren es bei mir im Test 4 bis 5 Tage. Aktivitäten mit GPS-Tracking, wie etwa Wandern, Laufen oder Fahrradfahren, leeren den Akku zusätzlich. Hört man während dem Wandern mit GPS-Aufzeichnung Musik, die direkt auf der Uhr abgespeichert ist, sind es laut Garmin nur noch bis zu 9 Stunden Laufzeit.

Wer nicht nur Tagesauflüge macht, sondern tagelang wandert, klettert oder aus sonstigem Grund abseits von Steckdosen ist, kann den Modus „Expedition“ aktivieren. Dieser deaktiviert Sensoren und die Verbindung zum Smartphone und speichert die aktuelle Position nur einmal pro Stunde ab. So lassen sich eventuell die von Garmin beworbenen 12 Tage Laufzeit erreichen.

Gar nicht einverstanden bin ich mit der Ladelösung. Anstatt auf eine induktive Ladestation oder magnetische Ladeschale, wird hier eine Plastikklammer mit Kontakten genutzt. Das ist einer 1.750 Euro teuren Luxusuhr nicht würdig.

Voll gepackt mit Features

Wie Garmins Spitzenmodelle der Fenix-Serie ist auch die MarQ vollgepackt mit Features: Europakarten, 32GB Speicher, Garmin Pay, Herzfrequenz- und Stresslevelmessung, Schlaftracking, Pulsoximeter, Atemzüge in der Minute beim Schlafen, Kartendaten für Skipisten und Golfplätze, Body Battery, Barometer, Trendanzeige usw.

Auch wenn Garmin die MarQ Expedition als Outdoor- und Wanderuhr anpreist, kann man sie für so ziemlich jede andere Sportart nutzen. Body Battery zeigt an, wie fit man ist und soll so dabei helfen, die Intensität des nächsten Trainings anzupassen. Beim Kraftraining versucht die Uhr die Übungen und Wiederholungen zu erkennen, was etwa bei Langhantel-Bankdrücken und Trizepsstrecker gut funktioniert hat, bei Kniebeugen mit Langhantel aber kaum.

Fahrradfahren, Laufen, Schwimmen usw. kann ebenfalls getrackt werden. Bei solchen und anderen Aktivitäten wird zudem der Trainingseffekt für Aerob und Anaerob berechnet.

Fazit

Garmin beschreibt die MarQ-Modelle als „Luxus-Toolwatch“. Man kann sich das in etwa wie einen gravierten Edelmetall-Hammer mit lederumwickelten Palisander-Griff vorstellen. Schaut vermutlich hübsch aus, ein einfacher Fäustl erfüllt aber denselben Zweck.

Die MarQ Expedition erfüllt ihren Zweck voll und ganz und bietet nahezu jedes Feature, das Garmin zurzeit zu bieten hat. Aber dasselbe gilt auch für die Fenix 6, die um 1000 Euro günstiger ist. Die Fenix 6 gibt es übrigens auch in einer „Pro Solar“-Version (949 Euro), bei der eine Solarzelle die Akkulaufzeit verlängert. Dafür verzichtet man gerne auf ein Armband aus italienischem Leder.

 

MarQ Expedition auf der Website des Herstellers