So schlägt sich die Kompaktanlage Technics SC-C70 im Test der futurezone

So schlägt sich die Kompaktanlage Technics SC-C70 im Test der futurezone

© Michael Stelzhammer

Produkte

HiFi-System Technics SC-C70 im Test: Nur schön sein ist zu wenig

Für audiophile Menschen, die gerne Musik hören, aber auch von gutem Klang besessen sind, ist das digitale Zeitalter ein zweischneidiges Schwert. Noch nie war es so einfach, Musik etwa über Streaming-Plattformen wie Spotify zu hören. Gleichzeitig konsumieren wir Musik größtenteils über winzige Kopfhörer, kompakte Bluetooth-Lautsprecher oder gar über die eingebauten Lautsprecher unserer Smartphones, Tablets und Notebooks.

Ausstattung

Technics will das mit seinem kompakten All-in-one-Soundsystem SC-C70 ändern, das als herkömmlicher CD-Player, aber auch zum Streamen von Spotify, Tidal und Internet-Radios, verwendet werden kann. Im Netzwerk kann das System per DLNA auf den eigenen Server zugreifen und die gängigsten Dateiformate und Codecs abspielen, inklusive FLAC, DSD, AIFF, AAC und natürlich auch MP3.

Ein USB-A-Eingang ermöglicht selbiges über einen Datenträger. Apple-Fans können Airplay zur Übertragung von Musik nutzen, Android-User können über Bluetooth andocken. Die Einbindung ins Netzwerk erfolgt per WLAN oder LAN-Kabel. Ein analoger und optischer Eingang auf der Rückseite, ein Kopfhörer-Ausgang sowie ein Antennen-Anschluss runden das Gesamtpaket ab, das alte und neue Audiowelt verbinden soll.

Schönes Design

Dass die Panasonic-Tochter Technics mit dem SC-C70 Highend-User ansprechen will, manifestiert sich im formschönen, archaisch anmutenden Design, das mit seinem gebürsteten Aluminium an die HiFi-Glanzzeiten der 1970er-Jahre erinnert. Die Verarbeitung ist tadellos. Lediglich die Plastik-Scheibe, die manuell verschoben werden muss, um die CD einzulegen, wirkt angesichts der ansonsten verwendeten hochwertigen Materialien etwas fragil.

Die ins Gehäuse eingravierten Bedienelemente lassen sich mittels Berührung bedienen, dazu gibt es auch noch drei haptische Knöpfe zum Ein- und Ausschalten sowie für die Lautstärkeregelung direkt am Gerät. Die vor den Lautsprechern angebrachten schwarzen Lamellen lassen das SC-C70 edel wirken. Die Anzeige folgt dem spartanischen Design. Auf Spielereien, wie ein echtes Display, auf dem Alben-Cover bunt angezeigt werden könnten, verzichtet Technics.

Der absolute Fokus auf Schlichtheit ist begrüßenswert und spielt im Alltag keine allzu große Rolle, da man Spotify ohnehin über das eigene Smartphone, Tablet oder am Computer steuert. Gelegentlich wünscht man sich allerdings, dass Technics die neuen digitalen Möglichkeiten nicht nur rein technisch lösen würde, sondern auch bei der Darstellung über ein modernes Interface im 21. Jahrhundert ankommen würde.

Klang: Von wow bis Matsch

Nun zum Wichtigsten. Beim Klang brüstet sich Technics mit einer Reihe von technischen Raffinessen wie drei sogenannten JENO-Prozessoren, die Frequenzschwankungen ausgleichen und so die Audioqualität beim Streaming verbessern sollen. Auch für die CD-Abnahme bietet Technics ein Upscaling an, das für noch brillanteren Klang sorgen soll. Da die zwei Lautsprecher (je 30 Watt) und der Subwoofer (40 Watt) direkt im Gehäuse verbaut sind, will Technics auf die Raumbeschaffenheit Rücksicht nehmen. Drei Modi – freistehend, Wand, Ecke – sollen für eine bessere Balance sorgen.

In der Praxis war das Ergebnis durchwachsen. Im Schlafzimmer, wo ich das Gerät zunächst auf einer massiven Kommode in einer Ecke stehend testete, war ich vom Sound ziemlich beeindruckt. Der Klang war satt, der Bass nicht allzu dominant, die Höhe und Mitte recht ausbalanciert. Die diversen Modi machten wenig Unterschied, wenngleich mit der Einstellung „Corner“ tatsächlich das beste Ergebnis erzielt wurde.

Die Ernüchterung folgte, als ich die Anlage in meiner Wohnküche auf einem offenen Holzgestell an der Wand positionierte. Der Bass war überpräsent, was man mit manuellem Runterregeln noch in den Griff bekommt. Doch die Mittel- und Obertöne verschwommen in einem wenig differenzierten Brei. Ein wenig konnte ich retten, indem ich die hohen Frequenzen hochregelte und Bass und Mitteltöne auf die niedrigste Stufe stellte.

Das Ganze wäre mir vielleicht nicht so aufgefallen, wenn ich keinen Vergleich gehabt hätte. Dazu diente allerdings die fast zehn Jahre alte Panasonic-Kompaktanlage SC-PMX 4. Diese schafft mit ihren kleinen zwei Mal 80 Watt Lautsprechern auch ohne lange Spielerei einen satteren und gleichzeitig präziseren Klang – egal ob über CD oder den möglichen iPhone- bzw. iPad-Anschluss. Das war angesichts des hohen Preises der Technics-Anlage von 899 Euro dann doch etwas ernüchternd.

Der Trick mit dem Raumklang

Ein Ass hat Technics für das SC-C70 allerdings noch im Ärmel. Über die iOS-Version der Technics Music App lässt sich der Raumklang nämlich individuell optimieren. Dazu muss man das iPhone in Richtung Gerät halten Eine Serie von Tönen und Geräuschen, die über das iPhone-Mikrofon gemessen und schließlich ausgewertet werden, erhält man eine neue Modus-Einstellung, welche den tatsächlichen Raumklang berücksichtigt.

In der Tat ergab sich dadurch ein völlig neues Klangerlebnis, das manuell über das Regeln von Bass, Mitte und Höhe nicht erreicht werden konnte. In der Wohnküche konnte ich damit einen weitaus besseren Klang erzielen, der definitiv ausgewogener und in den verschiedenen Frequenzen auch klarer ausgeprägt war. Es zeigt, was potenziell in der Anlage steckt. Das macht es umso frustrierender, dass die voreingestellten Modi das Potenzial nicht ausnutzen. Android-User schauen zudem durch die Finger, da dieser Modus über die App nicht angeboten wird.

Die grottenschlechte App

Über die bereits angesprochene App will ich lieber nicht allzu viele Worte verlieren. Sie ist einfach nur schlecht und peinlich. Es ist und bleibt mir ein Rätsel, warum traditionsreiche Technologie-Konzerne mit tollen Hardware-Produkten es nicht für notwendig erachten, in die App-Entwicklung zu investieren. Im Audiobereich fiel mir das unter anderem auch bei Bowers and Wilkins auf. Es betrifft aber auch Routerhersteller wie AVM sowie die Autobranche.

Das User Interface der Technics Music App erinnert an frühe Apps aus den 2000er-Jahren. Nichts ist intuitiv. Nimmt man die Steuerung des Players über die App vor, wird die Wiedergabe bei jeder neuen Menüauswahl unterbrochen. Und auch das weiter oben angesprochene Fine-Tuning der Klangwiedergabe ist ein einziger Krampf, wenn das Gerät bereits über Airplay verbunden ist. Dann muss man entkoppeln und irgendwie hoffen, dass es funktioniert. Nach 20 Minuten Hin- und Herklicken habe ich es zufällig geschafft.

Fazit

Ein hochwertiges Kompaktsystem für audiophile Menschen zu entwickeln, das Spotify und CD gleichermaßen Ernst nimmt, ist ein hehrer Ansatz. Auch der klare Fokus in der Designsprache des Geräts ist begrüßenswert. In der Praxis funktioniert vieles, einschließlich der unkomplizierten Nutzung von Spotify und anderen Netzwerk-Services, tadellos.

Der Klang kann je nach Positionierung des Geräts begeistern, aber dann auch wieder herb enttäuschen. Besonders Android-User sollten aufgrund der noch fehlenden App-Funktionalität, die über iOS ein Ausmessen des Raums ermöglicht, zwei Mal nachdenken, ob sie die 900 Euro ausgeben. Um das Geld sollte man vielleicht eher in eine Mikroanlage mit Streaming-Funktionalitäten kaufen und für das restliche Geld in tolle Kopfhörer wie die Nuraphone investieren.

Hat dir der Artikel gefallen? Jetzt teilen!

Martin Jan Stepanek

martinjan

Technologieverliebt. Wissenschaftsverliebt. Alte-Musik-Sänger im Vienna Vocal Consort. Mag gute Serien. Und Wien.

mehr lesen
Martin Jan Stepanek

Kommentare