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19.11.2018

Hyundai Kona Elektro im Test: Gebremst wird mit der Hand

Das kleine E-SUV überzeugt mit hoher Reichweite und ansprechender Ausstattung. Bei smarten Funktionen gibt es riesigen Aufholbedarf.

Das kompakte E-SUV Hyundai Kona Elektro basiert auf dem Kona mit Verbrennungsmotor und wurde im Februar 2018 erstmals vorgestellt. Der Kona Elektro ist ein leistungsstarkes und ausdauerndes Kraftpaket. Er hat eine Batterie mit einer Kapazität von 64 kWh verbaut, welche ihm eine Reichweite von 482 Kilometern nach WLTP verleiht. Mit seinem Frontantrieb, einem Systemdrehmoment von 395 NM und einer elektrischen Nennleistung von 150 kW (204 PS) schafft es der Kona Elektro von 0 auf 100 in 7,6 Sekunden.

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Technische Daten und Verbrauch

Mit seiner nominalen Reichweite von 482 Kilometern nach WLTP sticht der Kona Elektro die Konkurrenz um Längen aus. Um auf diese Reichweite zu kommen, ist es allerdings notwendig penibel auf den Fahrstil und den ausgewählten Fahrmodus zu achten. Auch die Heizung beziehungsweise Klimaautomatik muss entsprechend niedrig eingestellt oder überhaupt ausgeschaltet werden.

Eklatante Unterschiede bei den verschiedenen Fahrmodi zeigt das Fahrzeug aber nicht: Bei einem Akkustand von 87 Prozent, wird eine Reichweite im Eco-Modus von 398 Kilometer berechnet, im Eco+-Modus 413 Kilometer, im Comfort-Modus 383 Kilometer und im Sport-Modus 374 Kilometer.

Reichweite

Bewegt man sich im Flachland und in der Stadt, sind die Restreichweitenwerte, die der Kona Elektro anzeigt, durchaus verlässliche Angaben. Fährt man allerdings bergauf, schwindet die Reichweite rasant. Auch auf der Autobahn, ab einer Geschwindigkeit von etwa 110 beziehungsweise 120 km/h, reduziert sich die Reichweite schneller als üblich.

Insgesamt verleiht der 64 kWh Akku dem Kona Elektro aber eine Reichweite, die der unmittelbaren Konkurrenz um Längen voraus ist. Plant man keine extra langen Fahrten, kommt beim Kona Elektro tatsächlich keine Reichweitenangst auf.

Den durchschnittlichen Verbrauch gibt Hyundai mit 14,3 kWh/100 km an. Ein Blick in den Verlauf der bisherigen Fahrten zeigt, dass dies auch ungefähr stimmt - manchmal verbraucht der Kona Elektro mehr, vor allem bei spritzigen Fahrten oder auf der Autobahn; manchmal liegt der Verbrauch aber auch unter dem Durchschnitt

Fahrmodus: Sportlich bis Eco+

Die meiste Zeit war ich im Fahrmodus Comfort unterwegs, welcher standardmäßig eingestellt ist und eine gute Mischung aus Fahrleistung und Reichweite bietet. Bei Eco und Eco+ wird die Reichweite deutlich erhöht, allerdings sind damit auch Einbußen bei der Motorleistung hinzunehmen.

Wer auf der Autobahn unterwegs ist, gemütlich über die Landstraße gondelt und keine Ampelduelle im Stadtverkehr plant, ist mit den Eco-Modi auch gut bedient. Im Vergleich zu einem durchschnittlichen Verbrenner bietet der Kona Elektro auch in den Eco-Modi immer noch eine hervorragende Motorleistung.

Um die 204 PS mal so richtig auszureizen, empfiehlt sich der Sport-Modus. Dabei reagiert das Gaspedal wesentlich empfindlicher und der Kona Elektro geht ab wie eine Rakete.

Fahrgefühl

Der Hyundai Kona Elektro ist extrem angenehmen zu fahren. Durch die erhöhte Sitzposition in dem kleinen SUV hat man als Fahrer mehr Überblick über die Verkehrssituation als in niedrigeren Fahrzeugen. Auch die Sitzposition im Fahrzeug selbst ist äußerst angenehm, wodurch man sich beim Cruisen manchmal ein wenig erhaben vorkommt. Für einen SUV ist der Kona Elektro dennoch recht klein, was gerade in der Stadt und beim Parken ein großer Vorteil ist.

Beim "Gasgeben" ist das typisch summende Geräusch des Elektromotors zu vernehmen, welches bei höheren Geschwindigkeiten vom Fahrgeräusch übertönt wird. Während man in der Stadt oder auf Landstraßen nahezu geräuschlos durch die Landschaft gleitet, ist bei Autobahnfahrten der stark erhöhte Geräuschpegel auffallend. Bis zu einer Geschwindigkeit von ungefähr 100 km/h ist die Lautstärke im Innenraum nicht höher als bei anderen Autos. Ab ungefähr 110 km/h werden die Fahrgeräusche signifikant lauter.

Fahrassistenzsysteme

Der Kona Elektro verfügt über zahlreiche moderne Assistenzsysteme, die den Fahrer unterstützen: Fernlichtassistent, Höchstgeschwindigkeitswarner inkl. Verkehrsschilderkennung, Müdigkeitserkennung und Spurhalteassistent sowie einem Abstandsregeltempomat, der die Geschwindigkeit vorwiegend mittels Bremsenergierückgewinnung reduziert. Auch eine Rückfahrkamera erleichtert das Ein- und Ausparken.

Extrem praktisch ist der Tote-Winkel-Assistent. Dieser warnt mittels einer LED auf den Seitenspiegeln, am Head-up-Display sowie auf der Instrumententafel vor Fahrzeugen, die sich im toten Winkel befinden.

Instrumententafel

Die Instrumententafel ist ein Screen, eine analoge Anzeige der Fahrdaten gibt es nicht. In der Mitte befindet sich der kreisrunde Tachometer, der je nach Fahrmodus bestimmte Fahrdaten in den Mittelpunkt rückt.

Permanent dargestellt werden der Akkustand sowie die aktuelle Leistungsanforderung an den Motor beziehungsweise die Rekuperationsleistung.

Ein Feld auf der Instrumententafel kann personalisiert werden. Es dient auch zur Einstellung der Assistenzsysteme, des Tempomats und zahlreichen weiteren Funktionen. Was dort angezeigt wird, kann der Fahrer selbst entscheiden: Navigationshinweise, Durchschnittsverbrauch, aktuelle Geschwindigkeit und so weiter.

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Anzeige ändert sich mit Fahrmodus

Die verschiedenen Fahrmodi können über eine Taste ausgewählt werden, die sich in der Mittelkonsole direkt vor der Armlehne befindet. Wechselt man den Fahrmodus, ändert sich die Farbe der Instrumententafel und auch die Fahrdaten auf der Instrumententafel werden jeweils etwas anders angezeigt. Beim Sport-Modus etwa wird die Leistungsanforderung an den Motor in den Mittelpunkt gerückt, die Reichweite wird dabei zur Nebensache.

Beim Eco-Modus liegt der Fokus auf der Reichweite und Energiesparen und der Comfort-Modus bietet wiederum eine gute Mischung aus Reichweite, Energieverbrauch und herkömmlichen Fahrdaten.

Head-up-Display

Links unterhalb des Lenkrads kann das Head-up-Display aktiviert werden, welcher daraufhin ausgefahren wird. Dort werden die Geschwindigkeitsbegrenzung, die aktuelle Fahrgeschwindigkeit, sowie Navigationshinweise angezeigt. Auch die Warnung, dass sich ein Fahrzeug im toten Winkel befindet, wird am HUD signalisiert.

Damit sich das HUD auch direkt im Blickwinkel des Fahrers befindet, kann die Anzeige umfassend eingestellt werden. Sie lässt sich an der Y-Achse verschieben, die Helligkeit und Farbe der Anzeige kann justiert werden.

Im Alltag ist das HUD eine wirklich praktische Sache. Da dort die notwendigsten Fahrdaten samt Navi angezeigt werden, muss der Fahrer während der Fahrt den Kopf nicht mehr senken oder auf die Mittelkonsole schwenken.

Bedienung

Beim Bedienkonzept setzt Hyundai auf eine Mischung zwischen herkömmlichen Tasten, Knöpfen, Drehreglern und Touchscreen. In der Mittelkonsole befindet sich ein 8-Zoll großer Touchscreen, dem links und rechts insgesamt acht Tasten zur Seite stehen - unter anderem für Navigation, Landkarte, Media und Radio.

Die Steuerung der Klimaautomatik beziehungsweise der Heizung ist traditionell gelöst. Gang- oder Wahlhebel gibt es nicht. Dieser wurde durch die vier Tasten P, N, D und R ersetzt. Ebenso die Feststellbremse.

In der Mittelkonsole, direkt vor der Armlehne befindet sich eine weitere Reihe an Tasten. Dort können etwa Sitzheizung beziehungsweise Sitzlüftung und Lenkradheizung aktiviert werden. Auch die Fahrmodi können dort ausgewählt werden.

Eine weitere Ansammlung an Tasten befindet sich links neben dem Lenkrad. Dort kann der HUD ausgefahren, die Helligkeit der Innenraumdisplays reguliert, der Spurhalteassistent sowie die Traktionskontrolle eingeschaltet und das künstliche Fahrgeräusch ausgeschaltet werden.

Am Lenkrad selbst sind die üblichen Tasten angebracht: Für Telefongespräche, Tempomat, Abstandmesser und zum Einstellen der Instrumententafel. Am Lenkrad befinden sich noch zusätzlich zwei Wippschalter, die zum Regulieren der Rekuperationsleistung dienen.

Infotainment-System

Das Infotainment-System lässt sich am Touch-Display in der Mittelkonsole angenehm steuern. Je nach Sitzposition kann der Touchscreen aber etwas schwer zu erreichen sein - manchmal muss man sich dafür aufrichten und ein wenig strecken.

Die Menüführung ist selbsterklärend, allerdings ein klein wenig verschachtelt. Will man etwa seine Fahrdaten auslesen, sind diese in drei verschiedenen Menüpunkten beziehungsweise Untermenüs versteckt.

Ebenso wäre es wünschenswert, wenn Hyundai mehr Statistiken zu den bisherigen Fahrten zur Verfügung stellen würde. Zwar kann man sich über Datum, gefahrene Kilometer und Durchschnittsverbrauch informieren. Rekuperationsleistung, wie viel Energie die Heizung gebraucht hat usw. lässt sich aber nicht nachvollziehen. In Echtzeit können diese Daten allerdings angezeigt werden.

Navigation

Die Visualisierung und die Hinweise des Navigationssystems sind ansprechend und elegant gelöst. Allerdings ist es - wie bei allen anderen Herstellern auch - eine nervige Angelegenheit, zu einem bestimmten Punkt zu navigieren: Es ist notwendig die exakte Adresse, samt Hausnummer, einzugeben.

Es gibt eine POI-Suche, welche allerdings lückenhaft ist und lediglich in einer Listenansicht angezeigt wird. Auch hier ist es wieder wenig verwunderlich, dass auf das Smartphone zurückgegriffen wird.

Ebenso werden die vorhandenen Ladestationen in der Nähe nur zum Teil angezeigt. Zahlreiche Ladesäulen werden nicht angeführt, obwohl die Liste gerade per Online-Verbindung aktualisiert wurde.

Konnektivität

Das Infotainmentsystem lässt in Sachen Konnektivität kaum Wünsche offen. Per Line-in, USB und Bluetooth können Smartphone-Inhalte im Fahrzeug wiedergegeben werden.

Außerdem kann am Display in der Mittelkonsole Android Auto und CarPlay genutzt werden. Verwendet man etwa Android Auto, so werden die Navigationshinweise ausschließlich am großen Hauptbildschirm angezeigt. Navi-Hinweise auf der Instrumententafel oder am HUD sind mit Android Auto leider nicht möglich.

Smart Mobility

Was dem Hyundai Kona Elektro gänzlich fehlt, ist eine Smartphone-App oder ein Online-Dashboard, mit der das Fahrzeug verwaltet werden kann. Während bei anderen Herstellern etwa Ladevorgänge am Smartphone oder online am Desktop verwaltet werden können, vermisst man hier eine solche Funktion.

Auch zum Senden von vorgeplanten Routen an das Fahrzeug, zum Auslesen von Fahrstatistiken, zum Fernsteuern der Heizung oder für Sicherheitsfunktionen, wäre eine entsprechende App mehr als wünschenswert.

Rekuperation

Die Rekuperationsleistung lässt sich mit den zwei Wippschaltern, die sich am Lenkrad befinden in drei Stufen regulieren. Haltet man das linke Schaltpaddel gedrückt, erfolgt die Bremsenergierückgewinnung mit maximaler Intensität und bringt das Fahrzeug zum vollständigen Stillstand ohne, dass man die Fußbremse benutzen muss. Selbstverständlich kann die Fußbremse wie gewohnt benutzt werden, das Bremsen per Hand ist nur als zusätzliche, energieeffiziente Option beim vorausschauenden Fahren gedacht.

An diese Art ein Fahrzeug zu bremsen, konnte ich mich während des gesamten Testzeitraums nicht gewöhnen: Es ist eine äußerst ungewöhnliche Kombination aus Hand- und Fußbremse. Da der tatsächliche Rekuperations-Bremsweg schwer geschätzt werden kann, muss man auch permanent die Fußbremse parat haben. Außerdem ist es schwer mit der Handwippe zu bremsen, wenn man gerade in eine Kurve lenkt oder die Hand an einer anderen Stelle am Lenkrad hat.

Da die entsprechenden Fahrdaten nicht aufgezeichnet werden, ist es schwer festzustellen, wie effizient die Bremsenergierückgewinnung beim Kona Elektro tatsächlich ist. Rein gefühlsmäßig und mit einem Auge auf der entsprechenden Anzeige könnte diese etwas effizienter sein.

Aufladen

Die Akkuladeverwaltung kann ausschließlich über das Touch-Display im Fahrzeug organisiert werden. Eine entsprechende Smartphone-App gibt es dafür nicht. Dabei lassen sich die optimalen Ladezeiten einstellen, sowie die geplanten Abfahrtszeiten.

Geladen werden kann der getestete Kona Elektro mit dem Typ-2-Stecker mit maximal 7,2 kW. Zum Schnellladen verfügt er zusätzlich über einen CCS-Stecker, mit dem bis zu 100 kW geladen werden kann.

Die Ladedauer bei einer herkömmlichen Haushaltssteckdose gibt Hyundai 22 bis 46 Stunden an. Wird mit 50 kW geladen, schafft es der Kona Elektro in einer Stunde und 16 Minuten auf 90 Prozent, bei 100 kW reduziert sich diese Zeit auf 38 Minuten. Bei 7,2 kW gibt Hyundai die Ladedauer mit acht bis neun Stunden an.

Wie sich beim Test gezeigt hat, stimmen diese Angaben auch mit den Erfahrungen überein. Bei einer Smatrics Ladestation wurde der Kona Elektro etwa 50 kW geladen. Das Aufladen mit 100 kW wurde nicht ausprobiert.

Preis

Den Basispreis gibt Hyundai auf seiner Website mit 45.790 Euro oder 319 Euro im Monat an. Das getestete Modell hat einen Preis von 47.840 Euro. Hyundai gibt acht Jahre beziehungsweise 200.000 Kilometer Garantie auf die Batterie.

Fazit

Der große Kritikpunkt am Kona Elektro bleiben für mich smarte Features, die man gänzlich vermisst. Weder App noch Desktop-Dashboard gewähren Einblick in die Fahrdaten, Statistiken oder Ladevorgängen. Zwar ist das Navigationssystem annehmlich gestaltet, Eingabe und Suche nach Zielen sind aber nicht sehr effizient.

Der Hyundai Kona Elektro ist aber insgesamt ein sehr ansprechendes Fahrzeug der gehobenen Mittelklasse, bei dem einem manchmal das Gefühl überkommt, in einer richtigen Luxuskarosse zu sitzen. Er lässt sich super fahren, cruisen und ist extrem spritzig; nur auf der Autobahn kann er nicht wirklich überzeugen.

Fahrassistenzsysteme, der Innenraum sowie das gesamte Fahrzeug an sich, können sich sehen lassen und brauchen den Vergleich mit der Konkurrenz absolut nicht scheuen. Und auch die Reichweite von ungefähr 480 Kilometer verhindert das Aufkommen von Reichweitenängsten.