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04.08.2018

Panasonic Lumix DC-G9 im Test: Spiegellose Oberklasse

Die Systemkamera Panasonic Lumix DC-G9 erweist sich im Test als komplexer und hochkompetenter Produzent von Fotos und 4K-Videos.

Vergangenen November hat Panasonic seine neues Spitzenmodell bei spiegellosen Systemkameras vorgestellt. Die Lumix DC-G9 sollte antreten, um sämtlichen Konkurrenten den Rang abzulaufen, und zwar sowohl bei Stand- als auch Bewegtbildern. Wir durften die Profi-Kamera mehrere Wochen lang testen. Unter anderem waren wir damit beim Pioneers Festival 2018, bei einer Veranstaltung zu Weltraumarchitektur oder unterwegs in einem Tesla Model 3.

Panasonic Lumix DC-G9 in Bildern

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Panasonic Lumix DC-G9 Systemkamera

Panasonic Lumix DC-G9 Systemkamera von vorne ohne Objektiv

Panasonic Lumix DC-G9 Systemkamera mit Leica 12-60mm Objektiv und Zusatzgriff (Zubehör)

Panasonic Lumix DC-G9 Systemkamera ohne Zusatzgriff

Panasonic Lumix DC-G9 Systemkamera mit Zusatzgriff (Zubehör) und Chamäleon (nicht verkäuflich)

Panasonic Lumix DC-G9 Systemkamera von oben

Rückseite der Panasonic Lumix DC-G9 Systemkamera

Panasonic Lumix DC-G9 Systemkamera mit ausgeklappten und geschwenktem LCD-Touchscreen

Panasonic Lumix DC-G9 Systemkamera von vorne mit Objektiv

Technische Eckdaten

Die Panasonic Lumix DC-G9 besitzt einen 20,33-Megapixel-Sensor im Micro Four Thirds Format mit 225 Autofokus-Suchfeldern, Lichtempfindlichkeit bis ISO 25.600, schießt Videos in 4K mit bis zu 60 Bildern pro Sekunde, macht Serienaufnahmen mit 20 Bildern pro Sekunde, besitzt einen OLED-Sucher mit 3,6 Millionen Bildpunkten sowie ein dreh- und schwenkbares 7,5 Zentimeter LCD Touchscreen. WLAN und Bluetooth sind an Bord, ebenso zwei Steckplätze für SD-Karten. Die Kamera hat ein staub- und spritzwassergeschütztes Magnesiumgehäuse, das frostsicher bis minus 10 Grad Celsius ist.

Getestet haben wir die Kamera in der Ausführung Lumix DC-G9L mit einem 12-60mm Leica DG Vario-Elmarit-Objektiv (f 2.8 bis 4.0). Kamera und Objektiv kombinieren dabei ihre jeweiligen Bildstabilisierungssysteme, sodass man freihändig besonders lange Belichtungszeiten wählen kann. Ein Blitz ist im Gehäuse der G9 nicht integriert. Der Akku kann bei Bedarf auch mittels USB-3.0-Anschluss innerhalb der Kamera aufgeladen werden. Im Gegensatz zu vielen anderen spiegellosen Kameras besitzt die G9 ein Schulterdisplay, also ein kleines, beleuchtbares Monochrom-Display auf der Geräteoberseite, mit dem Fotografen gewählte Einstellungen schnell überprüfen können.

Lautlos im Knöpfewald

Haptisch wird man von der G9 mit sattem Gewicht (alleine das Gehäuse wiegt 658 Gramm) und einer Vielzahl an Knöpfen überwältigt. Zwei Scrollräder, ein Menü-Steuerkreuz, ein kleiner Joystick (zur Fokus-Bestimmung bei Verwendung des Suchers), ein Programmwahlrad mit zentraler Fixierung, sowie einige weitere Schieber und Funktionstasten übersäen die Ober- und Rückseite. An der Vorderseite findet man einen Fn-Schalter, mit dem schnell zwischen gespeicherten Aufnahmekonfigurationen gewechselt werden kann.

Beim Fotografieren kann man zwischen drei verschiedenen Verschlussmodi wählen: Mechanisch, elektronisch oder gemischt. Bei elektronischem Verschluss kann man den Silent Mode wählen und absolut geräuschfrei auslösen. Wer besonders hochauflösende Landschaftsaufnahmen wünscht, kann den High-Resolution-Modus aufrufen und mit Hilfe minimaler Sensorbewegungen 80-Megapixel-Porträts anfertigen, die sowohl im JPEG- als auch RAW-Format direkt in der Kamera gespeichert werden.

Großer Sucher, schneller Autofokus

Auffällig im Umgang mit der G9 ist der extrem leichtgängige Auslöser. Den halben Druckpunkt zum Fokussieren habe ich anfangs aus Gewohnheit regelmäßig bis zum vollen Auslösen überschritten. Der OLED-Sucher bietet ein äußerst detailreiches und auf Wunsch mit Zusatzinfos gespicktes Bild. Er zählt zu den größten seiner Klasse. Leicht störend beim Fotografieren mit Sucher ist lediglich, dass das Bild beim Auslösen kurzzeitig verschwimmt. Anfänglich war ich dadurch irritiert und überprüfte jede Aufnahme auf Unschärfen. Man gewöhnt sich aber schnell daran. Das Verschieben des Fokus mittels Mini-Joystick ist etwas mühsamer, als ein Tipp auf das Touchscreen, weshalb ich in manchen Situationen lieber vom Sucher auf das Display wechselte, um schneller handeln zu können.

Der Autofokus der G9 soll laut Panasonic eine Reaktionszeit von lediglich 0,04 Sekunden aufweisen. Wer beim Auslösen keinen Stopp auf halbem Fingerweg einlegt, erhält dennoch verschwommene Bilder. Die G9 rühmt sich auch, Objekte und Subjekte bei dynamischen Action-Aufnahmen besonders gut verfolgen zu können. Die Fähigkeit habe ich unter anderem beim Fotografieren von Kindern auf der Schaukel, in Schaukelrichtung, überprüft - mit mäßigem Erfolg. Auch andere Tester, etwa Digital Photography Review, kommen zum Schluss, dass es für Sport- und Actionaufnahmen noch bessere Kameras gibt.

Fazit und Preis

Bei der Panasonic Lumix DC-G9 hat man auch nach Wochen des Ausprobierens immer noch den Eindruck, es gibt da noch viel mehr Möglichkeiten, die in der Kamera stecken. Die G9 schießt fantastische Bilder und Videos, ist aber ein echtes Profigerät. Dementsprechend oft wird die Kamera mit Konkurrenten wie der Olympus OM-D E-M1 Mark II, der Canon EOS 80D oder der Nikon D500 verglichen. Dementsprechend ungeeignet ist sie auch für Menschen, die mit einem Wald an Knöpfen und Schaltern überfordert sind. Der Sucher, die Bildstabilisierung und die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten - durch das schwenkbare Display etwa auch hoch über Kopf oder in Bodennähe - sind herausragend.

Der Preis des Geräts ist dementsprechend hoch. Im Set mit dem Leica 12-60mm-Objektiv erhält die Lumix DC-G9 von Hersteller Panasonic eine unverbindliche Preisempfehlung von 2.299 Euro. Das Gehäuse der G9 alleine kommt auf 1.699 Euro. Separat kostet das Objektiv 999 Euro.