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05.11.2014

Sony Bravia S90 im Test: Sanfte Biegung zum stolzen Preis

Auch Sony steigt in das Geschäft mit gebogenen 4K-TVs ein, geht dabei aber einen ungewöhnlichen Weg. Ein größerer Radius soll Vorteile bringen.

Der Fernseher-Markt wird nie wirklich langweilig. Ein Trend jagt den anderen, nach Full HD kamen 3D-Modelle, nun will der hochauflösende 4K-Standard trotz fehlender Inhalte Käufer begeistern. Doch während eine hohe Auflösung oder 3D-Effekte einen praktischen Nutzen haben, sorgt der letzte Trend bei vielen Konsumenten für Kopfkratzen: gebogene Fernseher.

Sony Bravia S90 in Bildern

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Sony Bravia S90

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Sony Bravia S90

Sony S90

Bislang haben sich im 4K-Segment nur die beiden südkoreanischen Rivalen Samsung und LG auf dieses ungewöhnliche Feld gewagt, nun ziehen auch Sony, Medion und Philips nach. Sony stellte auf der IFA seine neue S90-Reihe vor, die das Premium-Segment um gebogene Modelle ergänzt. Die futurezone konnte das 65 Zoll-Modell des S90, den KD-65S9005B, testen.

Weniger ist mehr

Wozu eigentlich gebogen? Viele Hersteller argumentieren, dass durch die sanfte Biegung das Bild mehr Tiefe bekommt. Tatsächlich lässt sich dieser Effekt beim S90 beobachten, vor allem bei Aufnahmen, in denen viel Distanz zwischen Kamera und Motiv besteht. Das fällt insbesondere bei Landschaftsaufnahmen auf, aber auch das Geschwindigkeitsgefühl bei Rennspielen wird so spürbar verstärkt. Sony setzt auf einen deutlich größeren Radius als andere Hersteller. Die meisten gebogenen Geräte sind der Teilabschnitt eines Kreises mit 4,2 Metern Radius, Sonys Fernseher setzt hingegen auf einen Radius von sechs Metern. Das sorgt einerseits dafür, dass die Biegung von vorne betrachtet kaum wahrnehmbar ist, andererseits aber auch für ein relativ unverfälschtes Bild. Bei einigen Modellen gibt es nur wenig Spielraum für die optimale Sitzposition, sodass das Bild verzerrt wirken kann.

Im ausgeschalteten Zustand fällt die Biegung kaum auf, erst von der Seite betrachtet wird sie deutlich. Mit knapp 155 Zentimetern Breite (inklusive Standfuß) nutzt der S90 den benötigten Platz sehr effizient aus, der Rahmen ist kaum sichtbar. Zur schmalen Breite tragen vor allem die im Vergleich zum X9 kleineren Front-Lautsprecher bei. An den Lautsprechern finden sich LEDs, die den Benutzer beispielsweise bei einem Skype-Anruf benachrichtigen.

Im Lieferumfang des S90 befindet sich eine Skype-Webcam, die per USB-Anschluss an der Oberseite verbunden wird und sich so einfach entfernen lässt. Der USB-Anschluss lässt sich jedoch nur mit der Webcam nutzen, bei USB-Sticks lieferte der Fernseher eine Fehlermeldung. Mit einem Gewicht von 42 Kilogramm ist er kein Leichtgewicht, sollte aber dennoch für keine Probleme bei der Wandmontage sorgen. Positiv fällt vor allem die kaum spiegelnde Front sowie die im Vergleich zum X9 stark reduzierte Klavierlackoptik auf, die letztendlich nur ein Fingerabdruck-Magnet war.

In puncto Anschlüssen ist der S90 ident zum X9. Neben drei USB 2.0-Ports finden sich vier HDMI-Anschlüsse, ein Schacht für ein CI+ Modul sowie ein Twin-Triple-Tuner ( DVB-T2/DVB-S2/DVB-C) auf der Rückseite. Zusätzlich dazu sind noch je ein Komponenten-, Ethernet-, Scart- und 3,5mm Klinken-Anschluss auf der Rückseite zu finden.

Scharf mit Schleier

Im S90 kommt der selbe Bildprozessor wie in den Modellen der X-Reihe zum Einsatz. Der X-Reality-Prozessor verrichtet daher auch auf dem Curved-Modell sehr gute Arbeit. Bei PAL-Sendern mit schlechter Bitrate kann er jedoch auch keine Wunder vollbringen, das Bild verkommt hier zu einer recht matschigen Angelegenheit. Erst ab 720p lässt sich das Bild auf dem großen Bildschirm weitestgehend sorgenfrei genießen, die Motionflow 800-Technologie berechnet zudem bei raschen Bewegungen Zwischenbilder mit bis zu 200 Hz. Das macht sich vor allem bei Sportübertragungen bezahlt, ist aber dezent genug, um keinen “Weichzeichner-Effekt” zu erzeugen. Die Software passt die Bild-Einstellungen meist ideal den Gegebenheiten an, lediglich die Helligkeit war hin und wieder etwas zu niedrig eingestellt.

Wozu der S90 theoretisch in der Lage ist, zeigt er vor allem bei 4K-Inhalten. Die native Auflösung von 3840 mal 2160 Pixeln ist gestochen scharf, auch die Farben wirken deutlich brillanter. So weit die Theorie, denn in der Praxis mangelt es weiterhin an Content. Mit dem offiziellen Netflix-Start in Österreich ist nun auch hierzulande die Smart TV-App verfügbar, mit der 4K-Inhalte abgespielt werden könnten. Derzeit finden sich jedoch nur wenige Filme und Serien, beispielsweise Breaking Bad und House of Cards, in der hochauflösenden Version in der Netflix-Bibliothek. Der 4K-Content ist zudem nur im Familien-Tarif enthalten, der 11,99 Euro pro Monat kostet.
Das von Sony verbaute Panel überzeugt vor allem mit einer geringen Blickwinkelabhängigkeit und einer gestochen scharfen Darstellung von HD-Content. Durch den großzügigen Radius kommt es auch nicht zum “Kuschel-Effekt” bei Film-Abenden mit mehreren Freunden. Auch von der Seite bleibt das Bild gut erkennbar und unverfälscht. Sitzt man außerhalb des Bereichs zwischen den beiden Kanten des Bildschirms, wirkt das Bild jedoch etwas konkav. Die Bildqualität fiel überraschenderweise nur etwas an den Bildrändern ab, hier war ein leichter “Schatten” sichtbar. Dieser zeigte sich aber lediglich im “Brillant”-Modus und war auch so erst bei genauer Betrachtung erkennbar. Seine Stärken spielt der Flat-TV vor allem bei warmen Farben aus, die sehr kräftig und nur leicht überzeichnet wirken. Schwächen fielen jedoch in dunklen Szenen auf, beispielsweise in House of Cards. Die Sättigung war zu hoch, sodass viele Details verloren gingen. So musste oft nachgebessert werden.

Smart mit Raumklang

Im Vergleich mit dem X9 trumpft der S90 vor allem mit starken Lautsprechern auf. Statt der “Magnetic Fluid”-Technologie kommt ein integriertes 4.2-System zum Einsatz. An der Front finden sich links und rechts je zwei Lautsprecher, die für den Raumklang sorgen. Hinten wurden die beiden Subwoofer platziert, die sich vor allem bei Musik und Actionfilmen bemerkbar machen. In puncto Klang steht der S90 dem X9 trotz des geringeren Volumens kaum nach, er ist jedoch nicht ganz so laut. Für zusätzlichen Bass sorgt der optional erhältliche drahtlose Subwoofer von Sony. Wie immer gilt: Einen vollwertigen Ersatz für ein Heimkinosystem bietet die interne Lösung nicht, sie kommt dank gutem Raumklang dem aber schon sehr nahe.

Die Software-Funktionen sind weitestgehend ident mitden W8-undX9-Modellen, die bereits in früheren futurezone-Tests beschrieben wurden. Das App-Angebot ist gut, neben allen bekannten Streaming-Portalen finden sich auch zahlreiche Apps von Online-Video-Angeboten und TV-Sendern im Store. Das Interface ist übersichtlich, auch wenn das “Band” an der oberen Bildschirmhälfte im Vergleich zum Rest der Oberfläche etwas klein ausgeführt wurde. Vor allem die Video-Wiedergabe von externen Datenträgern oder das Streaming per Miracast funktionierten dank des flotten Prozessors sehr gut.

Im Gegensatz zum X9 setzt der S90 auf aktives 3D. Zwei Shutter-Brillen sind im Lieferumfang enthalten, weitere Brillen kosten pro Stück rund 30 Euro. Aktives 3D erzeugt einen deutlich tieferen 3D-Effekt als passives 3D, hat aber aufgrund der Shutter-Technologie auch Nachteile bei sichtbaren Lichtquellen. Sollte der Fernseher vor einem Fenster oder in der Nähe einer aktiven Lichtquelle stehen, sorgen die Brillen für ein unangenehmes Flimmern. Zudem kann Sony die volle 4K-Auflösung bei 3D-Darstellung ausnutzen. Soweit die Theorie, 3D-Inhalte in 4K-Auflösung gibt es aber (noch) nicht.

Gut, aber nicht alternativenlos

Sony hat bei der Biegung einen guten Kompromiss gefunden, der die Vorteile überwiegen lässt und einige Kinderkrankheiten von Konkurrenzmodellen ausmerzt. Der “Tiefen-Effekt” ist hier zwar nicht so stark, macht sich aber dennoch positiv bemerkbar. Dennoch konnte "Curved" nicht den Effekt eines meist eher sinnlosen Features abschütteln. Das Design sorgt aber für neugierige Blicke und weiß durchaus zu überzeugen. Im Gegensatz zur Konkurrenz entstehen beim S90 durch die Biegung keine spürbaren Nachteile für Zuschauer, die sich nicht mittig vor dem Fernseher platzieren wollen. Die Bildqualität ist im Vergleich mit dem Wedge-Modell X9 zwar einen Tick schlechter, dafür trumpfen die S90-Modelle mit gutem Raumklang auf. Der Preis von 3.999 Euro (UVP) ist hoch, im Vergleich mit der Konkurrenz aber durchaus angemessen.

Einen günstigen Einstieg in die Curved-4K-Welt wird wohl erst das Medion-Modell bieten, das unter 1.500 Euro angeboten werden soll. Wer jedoch bereit sein sollte, knapp 4000 Euro in einen Fernseher zu investieren, sollte sich wohl auch den 200 Euro teureren X9 ansehen, der ein besseres Bild bietet. Auch Samsung hat pünktlich zur IFA sein Line-up an Curved-Modellen erneuert, die futurezone hat es bereits getestet.