Die WH-1000XM3 sind perfekt fürs Fliegen geeignet - auch ohne Flugzeug

© Gregor Gruber

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02/24/2019

Sony WH-1000XM3 im Test: So schön klingt Stille

Die kabellosen Over-Ear-Kopfhörer erzeugen Ruhe und schöne Töne, ohne den Kopf in die Mangel zu nehmen.

Als täglicher U-Bahn-Fahrer mit mehr als zehn Stationen in jede Richtung wird man leidensfähig. Das hatte bei mir den Effekt, dass mir bis vor Kurzem nicht bewusst war, wie laut die U4 eigentlich ist - selbst wenn alle Passagiere mucksmäuschenstill in ihre Handys starren.

Diesen Aha-Effekt habe ich den Sony WH-1000XM3 (379 Euro UVP) zu verdanken. Die Bluetooth-Over-Ear-Kopfhörer haben nämlich eine extrem gute elektronische Rauschunterdrückung, die ohne die negativen Nebeneffekte auskommt, die die Modelle der Konkurrenz haben.

Keep it simple

Die WH-1000XM3 folgen ganz der Philosophie „Keep it simple“, vom Design bis zur Bedienung. Die Kopfhörer sind in den Farben Schwarz und Silber verfügbar. Ich hatte mit der schwarzen Version das Vergnügen.

Mir gefällt das schlichte Design: Keine knalligen Farben, blinkenden LEDs oder aufgedruckte Bediensymbole auf den Ohrmuscheln. Lediglich Kupfer kommt als Akzentfarbe für den Sony-Schriftzug und den Metallrand der Mikrofone zum Einsatz, um anzudeuten, dass es sich hierbei um ein Premium-Produkt handelt.

Keine Kopfquetsche

Sony ist sich der hervorragenden, elektronischen Rauschunterdrückung der WH-1000XM3 bewusst, weshalb die Kopfhörer nur eine geringe passive Dämpfung haben. Viele andere Over-Ear-Kopfhörer „schummeln“ so bei der Geräuschunterdrückung, indem sie mechanisch die Ohren so abdichten, dass die elektronische Geräuschunterdrückung weniger Arbeit hat.

Der Nachteil dabei ist, dass diese dann entsprechend stark gegen Kopf und Ohren drücken, was etwa für Brillenträger und bei längerem Tragen der Kopfhörer unangenehm ist. Die WH-1000XM3 haben das nicht nötig, weshalb sie auch bei Langstreckenflügen bequem sind, ohne nach ein paar Stunden das Gefühl zu haben, dass der Kopf in die Mangel genommen wird.

Ein kleiner Nachteil davon ist, dass sich der Halt nicht so sicher anfühlt, wie man es von anderen Over-Ear-Kopfhörer gewohnt ist. Selbst in der engsten Einstellung fühlten sich die WH-1000XM3 etwas rutschig auf meinem Kopf an. Im Alltagsgebrauch und bei schnellem Gehen blieben sie aber da, wo sie sein sollten. Laufen oder gar Sport machen sollte man damit aber nicht.

Zubehör

Wie bei den meisten höherpreisigen Kopfhörern, ist bei den WH-1000XM3 ebenfalls eine Transporttasche dabei. Auch hier gilt: Simpel und funktional. Das sehr kurze USB-Ladekabel (ohne Netzstecker, zum Laden am Notebook gedacht), 3,5mm-Klinkenkabel und der Flugzeug-Adapter haben ihre vorgesehenen Plätze.

Nettes Detail: Im Bereich für die Kopfhörer ist ein Karton mit dem Bild, das zeigt, wie sie korrekt in die Tasche gelegt werden. Außerdem ist auf dem Bild die Bedienung der berührungssensiblen Fläche an der rechten Ohrmuschel abgebildet – falls man mal darauf vergessen sollte, in welche Richtung für Lauterdrehen gewischt wird.

Akku

Der Akku der Kopfhörer wird per USB-C-Kabel geladen. Das ist ein Pluspunkt, da die meisten Smartphones, die jünger als zwei Jahre sind, auf diesen Standard setzen. Einige aktuelle Kopfhörer der Konkurrenz nutzen immer noch Micro-USB.

Sony gibt die Laufzeit des Akkus mit 30 Stunden an. Je nach gewähltem Modus, entweder für höhere Klangqualität oder stabilere Verbindung, war die tatsächliche Akkulaufzeit zwischen 24 und 28 Stunden, was immer noch reichlich ist. Bei 1,5 Stunden pendeln an Werktagen kommt man so drei Wochen durch, bevor man die Kopfhörer aufladen muss.

Sollte man auf das Akkuladen mal vergessen haben, reicht es schon die Kopfhörer für ein paar Minuten anzustecken, bevor man das Haus verlässt. Zehn Minuten aufladen reichen laut Sony für fünf Stunden Akkulaufzeit (realistisch sind vier).

Bedienung

Die WH-1000XM3 haben nur zwei physische Tasten. Diese befinden sich links unten und sind zum Ein- und Ausschalten, sowie zum Wechseln der Geräuschunterdrückung. Die übrige Bedienung erfolgt über die berührungsempfindliche Fläche an der linken Seite.

Mit Wischen nach oben und unten wird die Lautstärke geändert, Vor- und Zurückwischen wechselt den Track. Doppeltes Antippen in der Mitte pausiert die Wiedergabe oder nimmt Anrufe an. Bedeckt man die rechte Ohrmuschel ganz mit der Handfläche, werden die Umgebungsgeräusche hörbar gemacht, solange die Hand dortbleibt. So kann man kurz Gespräche führen oder der Durchsage im Zug lauschen, ohne die kleine Taste zum Wechseln der Geräuschunterdrückung erfühlen zu müssen.

Wird das 3,5mm-Klinkenkabel verwendet, ist die Softtouch-Steuerung deaktiviert. Lediglich das Durchschalten der Außengeräusche durch Handauflegen funktioniert noch. Wer, warum auch immer, lieber mit Kabel als kabellos Musik hört, muss also das Handy zum Ändern der Lautstärke zücken.

App

Die Begleit-App der WH-1000XM3 ist im Grunde verzichtbar. Nicht, weil sie nutzlos ist, aber weil die Kopfhörer ohne Herumjustieren eine tolle Leistung abliefern. Die einzige dauerhafte Änderung, die ich nach viel Herumspielerei behalten habe, war die Priorität von „Verbindungsqualität“ auf „Klangqualität“ zu ändern. Einbußen bei der Verbindungsqualität habe ich dadurch im Test nicht festgestellt.

In der App kann die „adaptive Geräuschunterdrückung“ aktiviert werden. Diese wählt automatisch eines von vier Geräuschunterdrückungsprofilen aus: Sitzen, Gehen, Laufen und in Transportmitteln. Für jedes Profil kann eingestellt werden, wie laut die Umgebung zu hören sein soll. So kann man etwa zur U-Bahn gehen mit mehr Umgebungsgeräuschen, um den Verkehr zu hören und in der U-Bahn wird dann automatisch auf maximale Stille umgeschaltet.

Am Luftdruck angepasst

Die „Rauschunterdrückung-Optimierung“ passt die Funktion an die eigenen Ohren und den Luftdruck an. Diese zu machen ist sehr sinnvoll. Man merkt tatsächlich einen Unterschied in der Qualität der Rauschunterdrückung, wenn man die Funktion, wie empfohlen, im Flugzeug beim Erreichen der Reiseflughöhe macht oder wenn man eine Brille unter den Kopfhörern trägt. Das Messen dauert nicht mal 15 Sekunden und kann überall gemacht werden - die Lautstärke der Umgebung ist egal.

Weitere Einstellungen in der App sind die Steuerung der Klangposition, virtuelle Surround-Effekte und ein Equalizer, der aber nur bei der Priorität auf Verbindungsqualität verfügbar ist. Aber auch diesen braucht man eigentlich nicht, da die WH-1000XM3 von Haus aus ein angenehmes Klangprofil haben.

Exzellente Geräuschunterdrückung

Die WH-1000XM3 haben die beste aktive Geräuschunterdrückung, die ich bisher an meine Ohren gelassen habe. Die Kopfhörer dämpfen nicht nur die monotonen, tiefen Töne wie etwa Flugzeugturbinen, sondern lassen tatsächlich alles leiser klingen.

Dazu gehört Sprache, Tastenklappern im Großraumbüro, Zuglärm, Baustellen, sich laut streitende Nachbarn, die Hunde des Nachbarn die im Takt zum Streit mitjaulen und das anschließende Türknallen der Nachbarn. Auch der ständig den Rotz hochziehende Sitznachbar im Flugzeug konnte, selbst wenn nicht Musik gehört wurde, stark genug verleisert werden, dass ich nicht mehr das Bedürfnis hatte den Notausgang in 8.000 Metern Höhe zu nutzen.

Das Besondere an den WH-1000XM3 ist auch, dass das Grundrauschen, das durch die aktive Geräuschunterdrückung entsteht, sehr gering ist. Nach einer kurzen Weile nimmt man es gar nicht mehr wahr. Sobald Musik auch nur auf der geringsten Lautstärke wiedergegeben wird, ist das Rauschen überhaupt nicht hörbar.

Durch die effektive Geräuschunterdrückung kann man sehr leise Musikhören, um die Umgebung komplett auszublenden. Für mich ist das angenehm, da ich manchen Situationen lieber nur sanft berieselt, anstatt musikalisch zugedröhnt werden will.

Klangqualität

Das Klangprofil des WH-1000XM3 ist wunderbar abgestimmt. Es ist ein sauberer Klang, der aber nicht steril wirkt, wie es bei manchen Kopfhörern der Fall ist, die einen Referenzklang versprechen. Am Anfang hatte ich das Gefühl, dass zu wenig Bass vorhanden ist, aber das ist nur eine kurze Gewöhnungsphase. Der Bass ist nämlich sauberer und dröhnt nicht den ganzen Song mit. Er ist also nur da, wo er sein wollte und wird nicht wie bei anderen Kopfhörern übermäßig hervorgehoben, um andere Klangdefizite zu verschleiern.

Bemerkenswert ist zudem, dass das Klangprofil der Kopfhörer für nahezu alle Genres geeignet ist. Von Queen über Bach und Vivaldi bis zu finnischen Metal-Bands: Alles klingt gut. Dabei hilft, dass die WH-1000XM3 ein schönes Klangvolumen erzeugen. Die unterschiedlichen Instrumente und Stimmen füllen den akustischen Raum, ohne sich gegenseitig in die Quere zu kommen.

Auch Filme und Serien klingen sehr gut. Das geringe Grundrauschen der aktiven Geräuschunterdrückung ist hier sehr angenehm, weil es in ruhigen Stellen in Filmen und Serien nicht die Stimmung kaputtmacht.

Fazit

Die WH-1000XM3 sind die derzeit besten Kopfhörer mit aktiver Geräuschunterdrückung am Markt. Die Lärmreduzierung der Außenwelt ist beeindruckend, auch ohne die Musikwiedergabe. Die Klangqualität ist ebenfalls hervorragend und ohne Anpassungen für nahezu alle Genres geeignet.

Das ist auch das Schöne an den WH-1000XM3: Obwohl es Anpassungsmöglichkeiten gibt, funktionieren sie einfach genauso toll wie sie sollten, ohne, dass man sie aufwendig einrichten oder mit Schiebereglern herumexperimentieren muss.

Hinzu kommt, dass der Anpressdruck geringer als bei anderen Kopfhörern mit Geräuschunterdrückung ist. Das ist für die User interessant, die bisher schmerzhafte Probleme mit Over-Ear-Kopfhörern hatten, wenn diese zu lange getragen wurden. Der Preis von 379 Euro (UVP) ist zwar hoch, aber angemessen. Bei manchen Händlern findet man die WH-1000XM3 bereits um 300 Euro.

 

Technische Daten auf der Website des Herstellers