Apple Watch Series 8
© Thomas Prenner

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Die Menstruations-Funktionen der Apple Watch Series 8 im Test

Die Apple Watch Series 8 hat gegenüber den Vorgängermodellen Temperatursensoren verbaut

Mit dem „Zyklusprotokoll“ gibt es für Personen, die menstruieren, bei Apple seit längerem die Möglichkeit, die Periode aufzuzeichnen. Wie bei klassischen Menstruations-Apps wird hierbei aufgrund der Einträge geschätzt, wann die nächste Periode ansteht und wann voraussichtlich ein Eisprung stattfindet (sofern nicht hormonell verhütet wird). Auch Symptome wie Bauchkrämpfe, Brustschmerzen oder Kopfschmerzen lassen sich protokollieren.

Wer hormonell verhütet, kann die „Zyklusprotokoll“-App nutzen, um zu kontrollieren, ob der Zyklus planmäßig verläuft, oder ob Abweichungen auftreten. Unter „Faktoren“ können Nutzer*innen eintragen, ob und welches Verhütungsmittel sie verwenden und wann damit begonnen wurde.

Apple Watch 8: Neue Funktion zum Periodentracking

Mit der Apple Watch Series 8 hat Apple eine weitere Zyklus-Funktion eingeführt, die vor allem für Frauen, die nicht hormonell verhüten, interessant sein dürfte. Die Apple Watch 8 kann auf Basis von Temperaturmessungen rückwirkend den Zeitpunkt des Eisprungs berechnen und somit noch genauer den Termin für die nächste Periode voraussagen. Ich habe die Apple Watch Series 8 einem Langzeittest unterzogen und die neuen Funktionen zum Periodentracking unter die Lupe genommen.

Das Apple Watch Zyklusprotokoll kann sowohl in der Health-App als auch auf der Apple Watch direkt aufgerufen werden

So funktioniert die Temperaturmessung

In die Apple Watch 8 wurden sowohl auf der Rückseite der Uhr als auch unter dem Display Sensoren eingebaut, die die Körpertemperatur erfassen. Diese doppelte Messung ermöglicht es, dass schon minimale Änderungen der Körpertemperatur von 0,1 Grad Celsius erfasst werden können. In der „Health“-App befindet sich daher ein eigener Menüpunkt mit dem Titel „Temperatur am Handgelenk“. Allerdings befindet sich darin nicht eine Anzeige der Körpertemperatur, sondern nur ein sogenannter „Ausgangszustand“. Das heißt, ich erfahre nicht, wie hoch meine Temperatur eigentlich ist, sondern nur, wie hoch sie im Schnitt ist.

Die Ausgangstemperatur wird ermittelt, indem ich die Apple Watch 5 Tage lang nachts trage. Für mindestens 4 Stunden pro Nacht muss der Fokus „Schlafen“ aktiviert sein, um die Temperaturdaten über das Handgelenk zu ermitteln. Der Menüpunkt „Schlaf“ befindet sich ebenfalls in der Health-App. Nach 5 Tagen wird man darüber informiert, dass die Daten der „Ausgangstemperatur“ bereit stehen.

So sieht die Temperaturkurve der Messung mit der Apple Watch 8 aus

Warum man den Eisprung mit der Uhr tracken kann

Apple verspricht, den Zeitpunkt des Eisprungs aufgrund der Temperatur am Handgelenk rückwirkend berechnen zu können. Das ist deshalb möglich, weil die Temperatur üblicherweise 1 bis 2 Tage nach dem Eisprung ansteigt, bevor sie rund 1 bis 2 Tage vor der Periode wieder absinkt. Dazwischen ist sie rund 8 bis 10 Tage erhöht.

Wenn wir von „üblicherweise“ sprechen, bedeutet das, dass das nicht mit jedem Zyklus gleich ist, denn das Hormonsystem von Frauen reagiert auf Umweltfaktoren und äußere Faktoren, wie etwa Stress, sehr sensibel. Es ist, vor allem je älter Frauen werden, normal, wenn in einem Zyklus mal ein Eisprung ganz ausfällt, oder der „Hormoncocktail“ anders zusammengesetzt ist als üblicherweise.

Basaltemperatur

Hat man keine Apple Watch Series 8 zur Hand, lässt sich die Basaltemperatur auch anders messen. Üblicherweise wird das direkt nach dem Aufwachen gemacht, ohne dass man sich zuvor bewegt oder körperlich betätigt hat und zwar immer an der gleichen Stelle. Möglich ist die Temperaturmessung in der Vagina (vaginale Messung), im After (rektale Messung) oder im Mund (orale Messung).

Hält man das nicht strikt ein (immer nach dem Aufwachen und an der gleichen Stelle), sind die Daten nicht verlässlich. Das das Ergebnis möglichst genau ist, ist etwa dann wichtig, wenn man das Eisprungtracking als natürliche Verhütungsmethode einsetzt.

Zu dem Thema schreibt Apple selbst, dass das Zyklusprotokoll, das aufgrund der Temperatur am Handgelenk erstellt wird, „nicht als Verhütungsmethode verwendet werden sollte“. Die Daten sollten außerdem nicht zum „Diagnostizieren des Gesundheitszustands“ herangezogen werden.

Empfohlen wird seitens Apple, dass die Uhr am Handgelenk immer „gut sitzt“. Natürlich kann hier das Aufliegen der Uhr auch variieren, wenn man etwa ein flexibles Sportarmband verwendet.

Da die Uhr im Schlaf getragen werden muss, um die Temperaturfunktion zu nutzen, bekommt man als User*in gleichzeitig ein umfassendes Schlafprofil mit alllen Schlafphasen mitgeliefert

Datensammeln für das Ovulationstracking

In der Praxis habe ich bei meinem Test der Temperaturfunktion bei der Apple Watch Series 8 erst einmal jede Menge Daten gesammelt. Ich habe die Apple Watch Series 8 jede Nacht beim Schlafen getragen. Das führte dazu, dass ich neben dem Temperaturprotokoll auch ein umfangreiches Schlafprotokoll mit allen Schlafphasen erhalten habe.

Die Apple Watch lernte außerdem meinen Zyklus kennen, in dem ich brav meine Periode eintrug: Mein normaler Zyklus beträgt 26 Tage (dass jeder Zyklus exakt 28 Tage dauert ist ein Mythos, die Norm umfasst alles zwischen 24 und 38 Tage).

Beim ersten, vollständig mit der Apple Watch getrackten Zyklus hat sich meine Temperatur am Handgelenk 10 Tage lang über dem Ausgangszustand befunden, um dann einen Tag vor der Periode plötzlich stark abzusinken. Die höchst gemessene Temperatur lag bei +0,45 Grad vom Ausgangszustand, die am niedrigsten gemessene -0,4 Grad vom Ausgangszustand. Die Apple Watch schickte mir wenige Tage nach dem Start der nächsten Periode eine Benachrichtigung über den „voraussichtlich stattgefundenen Einsprung“.

Dieser Tag deckte sich exakt mit dem Tag, den ich selbst als solchen definiert hatte und zwar anhand meiner Symptome. Während andere Menschen vor allem während ihrer Tage Periodenschmerzen und Krämpfe haben, spüre ich den Eisprung. Die Temperaturmessung hatte also im ersten, getesteten Monat hervorragend funktioniert.

Diesen Monat ziehe ich auch als Referenzmonat heran, denn es folgte ein Monat, in dem kein Eisprung stattfand. Das ist, wie bereits erklärt, völlig normal. Aber da gab es seitens der Apple Watch Series 8 nichts zu messen und nichts zu benachrichtigen. Weitere Zyklen sind noch ausständig.

Das Zyklusprotokoll funktioniert, sofern man einen halbwegs regelmäßigen Zyklus hat, mit oder ohne Temperaturmessung sehr gut

Wie gut funktioniert Apples Zyklusprotokoll?

Ich war bereits vor dem Apple Watch Series 8-Test Nutzerin einer Apple Watch Series 6 und mit der Zyklusprotokoll-App sehr zufrieden. Das Zyklusprotokoll in der Health-App von Apple funktioniert, wenn man einen halbwegs regelmäßigen Zyklus hat, zuverlässig und dient vor allem als Referenz, um nachsehen zu können, wann die nächste Periode beginnt.

Praktisch ist das Tracking auch, wenn man sich auf Urlaubsplanung begibt, und nicht möchte, dass man mit Menstruation die ganze Urlaubswoche am Badestrand sitzt. Oder aber natürlich, um zu tracken, ob man schwanger sein könnte, oder nicht. Die App selbst funktioniert, wie erwähnt, auch in Kombination mit Verhütungsmethoden.

Eigenen Körper besser kennenlernen

Durch die neue Funktion, die die Temperatur am Handgelenk misst, wird das Zyklustracking noch genauer und es ist, je länger man die Funktion verwendet, eine noch bessere Prognose, wann die nächste Periode beginnt, möglich. Außerdem trägt das Zyklustracking dazu bei, seinen eigenen Körper besser kennenzulernen.

Vielleicht bemerken die ein oder anderen, die längere Zeit die Pille genommen haben, dass in einem natürlichen Zyklus rund um den Eisprung auch noch ganz andere Dinge passieren, als ein eventuell möglicher „Eisprungschmerz“. So verändert sich etwa auch die Zusammensetzung eines möglichen Ausflusses und eben der dazugehörige „Hormoncocktail“.

Die Apple Watch muss kontiniuerlich getragen werden, um die Temperatur am Handgelenk zu messen, vor allem in der Nacht

Was passiert mit den Daten?

Die Apple Watch muss kontinuierlich getragen werden, um an brauchbare Daten zu gelangen. In der Praxis bedeutet das, dass man die Uhr, deren Akku bei einer normalen Nutzung nur einen Tag (genauer gesagt: 18 Stunden) hält, nicht in der Nacht aufladen kann. Ich persönlich habe als Zeitfenster meistens den Abend hergenommen, um die Uhr während des - eher kalorienarmen - TV-/Streaming-/Lese-Programms abzunehmen und zu laden. Eine Stunde Ladezeit reicht nicht, um den Akku auf 100% zu bekommen, aber 1,5h - die Länge eines Spielfilms.

Die restliche Handhabung ist kinderleicht. Die Aufzeichnung der Daten passiert im Alleingang und man muss sie in der Health-App lediglich abrufen und vergleichen.

Doch was passiert mit der Datensammlung? Es handelt sich hierbei schließlich um heikle Gesundheitsdaten. Die gesammelten Daten werden erst einmal auf dem Gerät, also der Apple Watch Series 8, sowie dem dazugehörigen gekoppelten iPhone, lokal und verschlüsselt gespeichert. Ob die Daten in Folge in die iCloud transferiert werden, hängt von den Einstellungen ab, die man trifft. Wenn iCloud aktiviert ist, wird standardmäßig ein Backup der Health-App-Daten erstellt. Das iCloud-Backup kann jederzeit deaktiviert werden. Generell werden die Daten, sollten iCloud-Backups aktiviert sein, aber auf jeden Fall verschlüsselt übertragen.

Was kann die Apple Watch Series 8 sonst noch?

Die Apple Watch Series 8 punktet mit einer Auswahl an zahlreichen Trainingsarten wie Boxen, Crosstraining, funktionelles Krafttraining, Gymnastik, Tai-Chi, Tanzen, Segeln u.v.a. Neben einem EKG und der Blutsauerstoffmessung gibt es ein genaues Schlaftracking, das die jeweiligen Schlafzyklen aufschlüsselt.

Die Apple Watch Series 8 ist ab 499 Euro erhältlich. Für Menschen mit schmalen Handgelenken empfiehlt sich die 41 mm Größe (diese habe ich getestet), aber es gibt sie auch in 45 mm. Das Aluminiumgehäuse der Apple Watch Series 8 ist in den Farben Polarstern, Mitternacht, Silber und Rot erhältlich, das Edelstahlgehäuse in Silber, Graphit und Gold.

Dieses Feature ist besonders während der Coronapandemie beliebt geworden: Es zeigt, wie gut die aktuellen Blutsauerstoffwerte sind

Fazit

Die Apple Watch Series 8 im Gesamten ist sehr empfehlenswert, da sie, ähnlich wie die Vorgänger-Modelle, perfekt mit dem gekoppelten iPhone zusammenspielt. Die Gesundheitsfeatures wie EKG, Blutsauerstoff sowie das Schlaftracking und die Perioden-App sind für mich die wichtigsten Features eines Gesundheitswearables und die beherrscht die Apple Watch Series 8 perfekt.

Menschen, die so wie ich, eine Apple Watch Series 6 oder 7 hatten, würde ich wegen der neuen „Temperaturmessungsfunktion" allerdings nicht empfehlen, auf eine Apple Watch Series 8 umsteigen - außer, sie wollen natürlich verhüten und neben der Basaltemperatur die „zweite Meinung“ einer Apple Watch einholen, um sich so sicher wie möglich zu fühlen. Da Apple selbst nicht empfiehlt, die Funktion zur Verhütung zu verwenden, sehe ich allerdings keinen richtigen Einsatzzweck für die Temperaturfunktion.

Mir persönlich wäre es lieber gewesen, es würde eine konkrete Temperatur angezeigt, denn dann könnte die Apple Watch nicht nur die Temperatur für Menstruierende messen, sondern generell als Fieberthermometer verwendet werden.

Allen anderen Menstruierenden, die noch keine Apple Watch haben und die ihren Körper besser kennenlernen wollen, bekommen mit der Apple Watch Series 8 definitiv ein Werkzeug an die Hand, mit dem sie arbeiten können. Alleine wegen der Funktion würde ich mir die Apple-Uhr nicht kaufen. Wer sich aber überlegt, sowieso einen Gesundheits- und Fitnesstracker anzuschaffen, weiß hiermit, dass Apple mit der Uhr einen starken Fokus auf Frauengesundheit legt und die Daten gut vor Zugriffen von außen geschützt werden.

Ein Bonus ist etwa, dass ihr dann in Folge keine Menstruations-Apps mehr benötigt, die oft datenhungrig sind und Daten mit anderen Firmen teilen. Das tut Apple von sich aus nämlich nicht.

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Barbara Wimmer

shroombab

Preisgekrönte Journalistin, Autorin und Vortragende. Seit November 2010 bei der Kurier-Futurezone. Schreibt und spricht über Netzpolitik, Datenschutz, Algorithmen, Künstliche Intelligenz, Social Media, Digitales und alles, was (vermeintlich) smart ist.

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