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Netzpolitik

Welche intimen Daten Menstruations-Apps sammeln

Menstruations-Apps werden bei vielen Frauen immer beliebter, weil sie damit nicht nur ihre Periode genau aufzeichnen können, sondern auch eine Auskunft erhalten, wann in etwa die fruchtbaren Tage stattfinden. Sowohl für Frauen, die schwanger werden wollen, als auch jene, die es nicht werden möchten, ist dies wichtig. Neben natürlicher Verhütung geht es dabei um eine genaue Kenntnis des eigenen Zyklus. Doch auch für Frauen, die hormonell verhüten, können Menstruations-Apps dazu dienen, einen Überblick zu behalten, wann sie mit ihrer Entzugsblutung rechnen können. Auch Transgender-Personen, die menstruieren, können Apps helfen, den Zyklus besser zu verstehen.

Flo erwischt

Doch Menstruations-Apps sind oft wahre Datenkraken und teilen Dinge, die die Nutzerin einträgt, mit Drittanbietern. Die beliebte Menstruations-App Flo, die im Google App Store bereits mehr als 50 Millionen Mal runtergeladen worden war und insgesamt von rund 100 Millionen Menschen genutzt wird, wurde etwa dabei erwischt, dass sie Daten von Schwangeren weitergegeben hatte.

Unlängst kam es in den USA zu einem Vergleich mit der Federal Trade Commission (FTC). Flo hat sich laut einem Bericht von Mobi Health News dazu verpflichtet, alle Betroffenen nachträglich zu informieren und alle Drittfirmen dazu zu verpflichten, die sensiblen Daten zu löschen.

FTC-Direktor Andrew Smith sagt dazu: "Apps die sensible Gesundheitsdaten sammeln, benutzen und weitergeben können wichtige Services bereitstellen, aber Konsumenten müssen diesen Apps vertrauen können." Flo selbst merkte an, dass die App zu keinem Zeitpunkt jemals Name, Adresse oder das Geburtsdatum an Dritte weitergegeben habe. "Wir haben außerdem niemals Informationen, die den Gesundheitszustand betreffen ohne Erlaubnis an Dritte weitergeben", heißt es. In einer Untersuchung von der britischen Nicht-Regierungs-Organisation Privacy International ging hervor, dass Flo mit der App "Flo Period Tracker" gewisse Daten unter anderem mit Facebook geteilt hatte. Die Untersuchung wurde im Jahr 2019 durchgeführt.

Zahlreiche Menstruations-Apps teilen ihre Daten mit Diensten wie Facebook und anderen Datenhändlern. Facebook kann dann etwa zielgerichtet in den Apps Werbung schalten, die auf die Stimmung oder Gesundheitsprobleme der Nutzerin zugeschnitten sind.

"Apps die sensible Gesundheitsdaten sammeln, benutzen und weitergeben können wichtige Services bereitstellen, aber Konsumenten müssen diesen Apps vertrauen können."

Andrew Smith, FTC-Direktor

Sensible Daten

Die Apps, mit der Frauen ihre Periode aufzeichnen, erheben zudem oft viel mehr Daten, als eigentlich notwendig. Anwenderinnen werden nach ihrem Gesundheitszustand wie trockener Haut, Migräne oder Bauchkrämpfen gefragt, wann sie wie oft und mit wem ungeschützten Geschlechtverkehr haben, oder wie ihre Stimmung gerade ist. Frauen können in den Apps auch angeben, wann die Brüste spannen, wann der Blutdruck zu hoch ist, ob sie unter Verstopfung oder unter Schlaflosigkeit leiden. Zudem lässt sich eintragen, ob Frauen die Pille nehmen und wie sie sich dabei fühlen: Sexy, romantisch, ängstlich oder ruhig zum Beispiel.

Eine neue Studie von Privacy International ergab, dass die Nutzerinnen von den Apps aktiv dazu aufgefordert werden, immer mehr Daten über sich einzutragen und preiszugeben. Die Apps sind also "pushy", wenn es darum geht, mehr von ihren Nutzerinnen zu erfahren. Studienautorin Eva Blum-Dumontet sagt dazu in ihrer Zusammenfassung: „Unsere Studie zeigt, dass die Daten, die in der App eingetragen werden, nicht am Smartphone bleiben, sondern auf den Servern der jeweiligen Firma landen. Damit werden die Daten auch anfällig für Sicherheitsrisiken und könnten von Kriminellen gestohlen werden.“

Menstruation calendar illustration

App-Hersteller in der Verantwortung

Blum-Dumontet spricht sich allerdings nicht dafür aus, dass Nutzerinnen gänzlich auf Menstruations-Apps verzichten sollen. Stattdessen müssen die App-Hersteller in die Pflicht genommen werden, sich an die geltenden Datenschutzgesetze zu halten und appelliert an die Hersteller, auf das Prinzip der Datensparsamkeit zu setzen. Eine App, die das auf jeden Fall einhält, gibt es auch: Drip. Von der Open-Source-Alternative aus Berlin gibt es seit kurzem eine stabile Version im Google Play Store.

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Barbara Wimmer

shroombab

Preisgekrönte Journalistin, Autorin und Speakerin. Seit November 2010 bei der Kurier-Futurezone. Schreibt und spricht über Netzpolitik, Datenschutz, Algorithmen, Künstliche Intelligenz, Social Media, Digitales und alles, was (vermeintlich) smart ist.

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