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Tissot T-Touch Connect Solar im Test: Die Anti-Smartwatch

Die Uhr hat ein analoges Ziffernblatt sowie ein Display im unteren Bereich.

Smartwatches gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Egal, ob Samsung, Apple, Xiaomi oder Huawei: Wer heute Handys baut, hat auch eine vernetzte Uhr im Programm. Klassische Uhrenhersteller haben es zwar immer wieder versucht, allerdings kaum einen Fuß in die Tür bekommen. 

Tissot bringt nun mit der T-Touch Connect Solar eine neue, analoge Uhr mit kleinem Display auf dem Ziffernblatt. Per Bluetooth können so Benachrichtigungen vom Handy angezeigt werden. Außerdem sind ein Schrittzähler sowie ein GPS-Chip mit an Bord. Als klassische “Smartwatch” will sie Tissot aber dennoch nicht verstanden wissen. “Wir wollten nicht in die Welt der Consumer Electronics einsteigen, sondern wirklich eine Uhr schaffen, die lange hält”, sagt Tissot-CEO Sylvain Dolla.

“Lange” könnte in dem Fall auch auf die Akkulaufzeit bezogen sein: Dank stromsparender Technik und Solar-Ladefunktion soll die Uhr theoretisch unendlich lange benutzt werden können, ohne an die Steckdose zu müssen. 

Das Äußere

Der Uhr sieht man ihre vernetzten Fähigkeiten erst auf den zweiten Blick an. Im ersten Moment möchte man meinen, es handelt sich um eine gewöhnliche, analoge Armbanduhr. Das Titan-Gehäuse ist wahlweise mit schwarzer oder roségoldener PVD-Beschichtung erhältlich. Die Lünette besteht aus kratzfester Keramik. Beim Uhrenglas handelt es sich um Saphirglas. Das Gerät ist bis 100 Meter (10 bar/10 ATM) wasserdicht. Das heißt sie kann für Schwimmen und Schnorcheln genutzt werden.

An der Verarbeitung und dem Design merkt man, dass Tissot nicht erst seit kurzem Uhren herstellt. Kurzum: Es gibt wirklich nichts daran auszusetzen. Die Uhr fühlt sich wie eine hochwertige, analoge Armbanduhr an.

Display

In etwa auf dem unteren Drittel des Ziffernblattes befindet sich eine der Besonderheiten der Uhr, ihr Display. Dabei handelt es sich um ein MIP-Display. MIP steht für “Memory in Pixel” und bedeutet, dass jedes Pixel über Speicher verfügt und somit auch etwas anzeigen kann, ohne permanent mit einem Signal versorgt zu werden. Das macht es besonders energiesparend. Dazu gibt es eine Hintergrundbeleuchtung, die sich immer erst beim Bedienen für ein paar Sekunden aktiviert.

Auf dem Display kann man sich durch das Uhrenmenü klicken sowie Benachrichtigungen vom Smartphone anzeigen. Aufgrund der geringen Größe kann man bei letzterem aber höchstens kurze Chat-Nachrichten lesen, oder sehen, wer gerade anruft. Für mehr reicht es nicht. 

Trotz der kleinen Anzeige ist die Schrift auf dem Display groß und kontrastreich genug, um sie problemlos ablesen zu können, ohne die Augen zusammenkneifen zu müssen. 

Betriebssystem und Bedienung

Tissot setzt auf ein ultra-minimalistisches, hauseigenes Betriebssystem namens Sw-Alps (Swiss Autonomous Low Power Operating System), das von der Swatch Group zusammen mit CSEM entwickelt wurde. 

Bedient wird die Uhr über eine Mischung aus den beiden Bedienknöpfen (“Start” und “Back”), der drehbaren Krone sowie Touch-Elementen am Rande des Zifferblattes. In der Praxis läuft das zum Beispiel so ab: Wenn man zur Stoppuhr möchte, muss man eine Sekunde auf “Start” drücken und anschließend auf “Timing” am Rande des Ziffernblattes tippen. Anschließend kann man durch drehen der Krone zwischen Alarm, Timer und eben Stoppuhr hin- und herschalten. Durch Druck auf “Start” startet und stoppt man die Zeitmessung. 

Hat man sich einmal an das Bedienkonzept gewöhnt, lernt man es relativ schnell zu schätzen. Die Mischung aus physischen Tasten und Touch geht in der Praxis auf. 

Die App

Um Benachrichtigungen vom Handy sowie Statistiken zu Schritten anzeigen zu lassen, muss man die Uhr per Bluetooth mit dem Smartphone verbinden. Dazu muss man die dazugehörige Companion-App T-Connect herunterladen und installieren. Das Koppeln mit einem Samsung-Galaxy-Handy hat beim Test problemlos funktioniert. Anschließend werden auch schon Notifications vom Handy an die Uhr weitergegeben. 

Hier offenbart sich ein Problem, das die Tissot-App bzw. Uhr noch hat: Man kann sich in der App nicht aussuchen, welche Benachrichtigungen auf der Uhr angezeigt werden soll. Es wird einfach alles weitergeleitet. Das ist okay, wenn man ein Notification-Minimalist ist und sie auch am Handy auf das Wesentliche reduziert hat. Wenn man alle installierten Apps ungeniert benachrichtigen lässt, ist es aber ein völliger Überfluss an Informationen für das kleine Display.

Die naheliegendste Lösung wäre, dass man sich in der App aussuchen kann, welche Notifications weitergeleitet werden. Einem Kommentar des Tissot-Teams im Play Store ist zumindest zu entnehmen, dass man aktuell an dem Problem arbeitet. Unter iOS hat man laut Tissot die Möglichkeit, es über den Weg der Benachrichtigungen für den Sperrbildschirm zu regulieren. Das konnte im Rahmen dieses Tests in Ermangelung eines iPhones nicht ausprobiert werden.

Grundsätzlich ist die Benachrichtigungsfunktion trotz des kleinen Displays praktischer, als man meinen möchte. So wird man nie ein ganzes Mail darauf lesen. Das Minimum an angezeigten Infos reicht aber dennoch aus, um  festzustellen, ob es sich jetzt lohnt, das Handy dafür in die Hand zu nehmen, oder ob man es stecken lässt. Es werden auch Anrufe an die Uhr weitergegeben.

Schrittzähler, GPS auf Standby und Akku

Neben den Benachrichtigungen verfügt die Uhr noch über einen Schrittzähler, der ebenfalls mit der App synchronisiert wird. Synchronisierung mit Fitness-Apps wird aktuell nicht angeboten, man muss sich also dafür mit der Tissot-App begnügen. 

Zusätzlich gibt es noch einen Kompass, einen Höhenmesser sowie ein Thermometer, deren Daten man sich auf dem Display anzeigen lassen kann. Auch Funktionen wie Stoppuhr, Alarm und Timer sind integriert. 

Zwar ist in der Uhr laut Tissot auch ein GPS-Chip integriert, seine Funktion ist aktuell aber softwareseitig noch nicht freigeschaltet. Welche Features dadurch genau implementiert werden, ist noch unklar. Der Menüpunkt heißt zumindest “Navigation”. Denkbar wäre jedenfalls das Aufzeichnen von gegangenen oder gefahrenen Strecken. Fraglich bleibt, welche Auswirkungen das auf die Akkulaufzeit hat. 

Apropos Akku: Tissot verspricht, dass die Uhr dank Solarzellen theoretisch nie geladen werden muss. Und nach 2 Wochen mit dem Gerät betrug der Ladestand bei mir tatsächlich immer noch 90 Prozent. Im Menü kann man sich außerdem auch ansehen, wie stark die Sonneneinstrahlung gerade für Energiegewinnung sorgt. Sollte man doch einmal sehr wenig in der Sonne sein, liegt ein Ladepad mit USB-Anschluss bei.

Fazit: Die Idee ist gut...

Schnell wurde beim Test klar, warum Tissot die T-Touch Connect Solar nicht als Smartwatch positionieren will: Sie ist mit dem insgesamt sehr überschaubaren Funktionsumfang einfach keine. 

Die Touch-Bedienung sowie das Display machen für Dinge wie Stoppuhr oder Höhenmesser Sinn. Abgesehen davon ist die Hauptfunktion das Weiterleiten von Benachrichtigungen vom Handy. Grundsätzlich wäre es sehr praktisch, ausgewählte Notifications auf das Armgelenk weitergeleitet zu bekommen, ohne dafür eine Smartwatch verwenden zu müssen, die alle paar Tage geladen werden muss. 

Leider schwächelt die Software genau hier. So müsste man sich allermindestens aussuchen können, welche Apps auf der Uhr angezeigt werden. Es ist für mich sinnvoll, auf dem Smartphone-Display Breaking News per Push-Notification serviert zu bekommen - auf dem winzigen Uhren-Display der T-Touch brauch ich das aber nicht. Leider kann ich genau das aktuell in der Tissot-App für Android nicht einstellen. Und auch unter iOS geht es mittels Workaround über den Lockscreen. 

Pro und Contra

Pro

  • Gute Verarbeitung: Derart hochwertig fühlt sich keine Smartwatch an
  • Endlos–Akku: Kein nerviges Aufladen dank Stromgewinnung durch Sonne
  • Touch-Bedienung: Die Kombination aus Knöpfen und Touch-Oberfläche geht auf

Contra

  • Benachrichtigungen: Keine Möglichkeit zu regulieren, welche Apps angezeigt werden
  • GPS da, aber nutzlos: Ein GPS-Chip ist verbaut, man kann ihn aber nicht verwenden 

Zumindest besteht die Hoffnung, dass Tissot noch nachbessert. Ein simples Auswahlsystem würde schon helfen. Noch besser wäre die Möglichkeit, Benachrichtigungen im Detail modifizieren zu können oder Wörter zu filtern. So könnte man genau das auf die Uhr durchlassen, was bei dem kleinen Display auch Sinn macht.

Seit Februar 2021 ist das Modell auch in Österreich im ausgewählten Fachhandel sowie online erhältlich. Die Uhr gibt es in mehreren Varianten, bei denen sich allerdings nur Farbe und Band unterscheiden. Der unverbindlich empfohlene Verkaufspreis des günstigsten Modells beträgt 975 Euro.

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Thomas Prenner

ThPrenner

Beschäftigt sich mit Dingen, die man täglich nutzt. Möchte Altes mit Neuem verbinden. Mag Streaming genauso gern wie seine Schallplatten. Fotografiert am liebsten auf Film, meistens aber mit dem Smartphone.

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