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08/10/2019

Xiaomi Mi 9T im Test: Handy mit versteckter Kamera

Die ausfahrbare Frontkamera gewährleistet ein makelloses Display, bringt bei anderen Funktionen aber Einschränkungen.

von Florian Christof

Im Juni 2018 hat der chinesische Handy-Hersteller Vivo ein Smartphone präsentiert, bei dem die Selfie-Kamera motorisiert ausfährt. Dieser kreative Versuch, die Frontkamera zu verstecken, wurde belächelt und als Design-Gag abgetan. Man ging nicht davon aus, dass sich dieses Feature durchsetzen wird.

Mittlerweile setzen aber auch Huawei und Oppo bei manchen Modellen auf ein ähnliches Modul. OnePlus hat sogar sein Spitzenmodell mit einer ausfahrbaren Kamera ausgestattet und auch Xiaomi versteckt die Frontkamera in einem beweglichen Modul. Wir haben uns das Xiaomi Mi 9T näher angesehen.

Obwohl das Mi 9T über das innovative Feature der ausfahrbaren Kamera verfügt, stellt das Gerät kein Spitzenmodell dar. Es zählt eher zu den Mittelklasse-Smartphones. So sind bei Bildschirm, Prozessor, Grafikchip, Akku und Speicher kleinere Abstriche zu machen; dafür ist der Preis umso attraktiver.

Display ohne Einschränkung durch versteckte Kamera

Was beim Xiaomi Mi 9T als Erstes ins Auge sticht, ist natürlich der makellose Bildschirm, der weder von einem Notch, noch von einem Kameraloch beeinträchtigt ist und quasi von Rand zu Rand reicht. Möglich macht dies das ausfahrbare Modul für die Frontkamera.

Will man ein Selfie aufnehmen und wechselt dafür auf die Frontkamera, fährt das Kameramodul motorisiert aus dem Gehäuse. Bis die Selfie-Kamera einsatzbereit ist, dauert es ungefähr eine Sekunde.

Gesichtserkennung: Bitte warten

Diese kurze Verzögerung hat sich beim Aufnehmen von Selbstportraits nicht als Nachteil herausgestellt. Nutzt man jedoch das Gesichtserkennungs-Feature zum Entsperren des Bildschirms, dauert es schon wesentlich länger, als wenn man den Fingerprintsensor verwendet, oder gleich das Muster auf das Display zeichnet.

Wie immer bei beweglichen Modulen, stellt sich die Frage nach der Langlebigkeit. Die ausfahrbare Frontkamera wirkt robust und ist bestens verarbeitet. In der Praxis hat sich jedoch gezeigt, dass sich nach einiger Zeit in der Hosentasche etwas Staub in das Modul verirrt hat.

Hervorragende Kameraqualität

Die ausfahrbare Frontkamera löst mit 20 MP (f/2,2) auf und bietet Portrait-Modus sowie einen so genannten Full-Body-Modus, bei dem eine Art Weitwinkelmodus aktiviert wird.

Die Hauptkamera kommt im Triple-Kamera-Setup: 48 MP (f/1,8), 8 MP (f/2,4) mit 2-fach optischen Zoom sowie 13 MP (f/2,4) Weitwinkelobjektiv. Ein Dual-LED-Flash hilft bei schlechter Belichtung.

Für ein Smartphone, das bereits ab 330 Euro zu haben ist, liefert das Mi 9T hervorragende Bilder. Bei Tageslicht sind die Fotos nahezu makellos. Auch das Erkennen des Motivs im Vordergrund und das Unschärfen des Hintergrunds funktioniert sehr gut. Der Weitwinkel verzerrt die Aufnahmen naturgemäß, kann dafür aber umso mehr auf ein Foto bringen. 

Ebenso können mit dem Mi 9T auch bei Dämmerung und schlechten Lichtverhältnissen passable Ergebnisse erzielt werden. Hier hilft der Nachtmodus zusätzlich Details hervorzuheben.

Nachtmodus

Ohne Nachtmodus

Das Display

Beim Bildschirm handelt es sich um einen 6,39 Zoll großen AMOLED-Screen, der mit 1080 x 2340 Pixeln auflöst. Geschützt wird das Display im 19,5:9-Format von Corning Gorilla Glass 5. Auszusetzen gibt es an der Qualität nichts: Kontrast, Helligkeit und Pixeldichte sind makellos.

Im Bildschirm ist der Fingerprint-Sensor integriert. Dieser funktioniert, wie bei allen aktuellen Xiaomi-Geräten, nahezu ohne Verzögerung und zuverlässig, sodass er mit herkömmlichen, dedizierten Fingerpringtsensoren vergleichbar ist.

Innenleben

Als Prozessor kommt ein Qualcomm Snapdragon 730 (8 nm) zum Einsatz, der zur gehobenen Mittelklasse zählt, aber eben nicht den Spitzen-Prozessor darstellt. Die GPU ist eine Adreno 618 und als Speichervarianten stehen 64/128 GB mit 6 GB RAM zur Auswahl.

Auch wenn nicht der Top-Prozessor verbaut ist, fällt dies in der alltäglichen Verwendung nicht negativ auf. Für die meistgenutzten Apps ist der Snapdragon 730 mit 6 GB RAM allemal ausreichend. Selbst wenn man ressourcenintensive Gaming-Apps nutzt, muss man sich über die Leistungsfähigkeit keine Sorgen machen.

Schwergewicht und klobig

Im Vergleich zum Mi 9 und dem Mi 9 SE wirkt das Mi 9T klobiger und schwerer. Der Eindruck täuscht nicht. Das Mi 9T misst an seiner dicksten Stelle 8,8 Millimeter und ist damit um einige Millimeter dicker als die vergleichbaren Xiaomi-Handys. 

Was beim Mi 9T noch etwas negativ auffällt, ist das relativ hohe Gewicht. Mit 191 Gramm zählt es eher den Schwergewichten. Zum Vergleich: Das Mi 9 wiegt 173 Gramm, das Mi 9 SE 155 Gramm, das Samsung Galaxy S10 157 Gramm, das S10+ 175 Gramm, das Huawei P30 165 Gramm, das P30 Lite 159 Gramm. Bei den gängigeren Geräten sind nur das Huawei P30 Pro (192 Gramm), das OnePlus 7 Pro (206 Gramm) und das Apple iPhone XS Max (208 Gramm) schwerer als das Mi 9T.

Die paar Gramm Unterschied klingen vielleicht nicht viel. Hält man das Smartphone allerdings längere Zeit mit einer Hand, um beispielsweise einen längeren Text zu lesen, wird man bald merken, dass 20 Gramm einen doch bedeutenden Unterschied ausmachen.

Akku

Der Akku des Mi 9T kann sich sehen lassen. Mit einer Kapazität von 4000 mAh spielt er in der Liga der Spitzenklassengeräte. Geladen werden kann er mit 18 Watt, kabelloses Laden ist nicht möglich.

Die Größe des Akkus lässt ihn eine Spur länger durchhalten, als man das von vergleichbaren Geräten gewohnt ist. So schafft das Mi 9T unter "normalen Umständen" eineinhalb Tage, zwei Tage gehen sich nicht ganz aus. 

Beim Laden ist das Mi 9T rasch unterwegs: Bei 11 Prozent an die Steckdose, zeigt der Akku acht Minuten später bereits 23 Prozent. In 15 Minuten wird das Gerät von 11 auf 29 Prozent aufgeladen. Von 11 auf 50 Prozent dauert das Laden 35 Minuten. 

Sonstiges

Das Mi 9T kann FM-Radio empfangen, hat einen herkömmlichen 3,5mm-Kopfhöreranschluss und ist Bluetooth 5.0 LE-fähig.

Fazit

Mit dem Mi 9T bringt Xiaomi ein weiteres, vielversprechendes Gerät seiner Mi 9-er Reihe. Die Versprechen kann das Mi 9T auch größtenteils halten: Das Display ist makellos und von hervorragender Qualität und auch die Kamera nimmt für ein Gerät dieser Preisklasse (gesehen ab 330 Euro) eindrucksvolle Bilder auf. 

Wie gut sich die ausfahrbare Kamera bewährt, wird sich erst in einem Langzeittest zeigen. Im kurzen Testzeitraum gab es jedenfalls an der versteckten Frontkamera nichts auszusetzen. Für jemanden, der nicht allzu viele Selfies aufnimmt, ist das Gerät ideal.

Beim Mi 9T bleibt im Grunde nur das relativ hohe Gewicht und das klobigere Gehäuse zu bekritteln. Ansonsten liefert Xiaomi wieder ein solides Gerät zu einem leistbaren Preis ab.