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07/17/2019

OnePlus 7 Pro im Test: Der Flaggschiff-Killer legt vor

Das neue OnePlus-Handy stellt mit Spezifikationen die Konkurrenz in den Schatten. Wir haben getestet, wie es sich im Alltag schlägt.

von Florian Christof

Was war das damals für ein Hype, als OnePlus sein erstes Smartphone auf den Markt gebracht hat, das zunächst nur mit einer Einladung gekauft werden konnte. 269 Euro kostete das OnePlus One, das das Unternehmen als  "Flaggschiff-Killer" bezeichnete. Nach nunmehr fünf Jahren ist OnePlus stückzahlmäßig noch immer nicht am Massenmarkt angekommen; zu übermächtig scheint die Konurrenz. Dennoch bietet das chinesische Unternehmen eine willkommene Alternative zu Samsung, Huawei und Apple

Bei seiner aktuellen Generation hat OnePlus erstmals zwei Geräte gleichzeitig präsentiert: Das OnePlus 7 und das OnePlus 7 Pro. Ich habe die Pro-Version getestet.

Bildschirm ohne Notch und Loch

Das OnePlus 7 Pro kommt gleich mit mehreren Highlights daher: Ausfahrbare Frontkamera, 90-Hz-Display, UFS 3.0 Storage und einem Akku, der mit 30 Watt geladen werden kann.

Auffallend ist auf den ersten Blick natürlich der makellose Bildschirm, der weder von einem Notch, noch von einem Kameraloch oder sonstigen Einkerbungen beschränkt ist. Um den rahmenlosen Screen gewährleisten zu können, hat OnePlus die Frontkamera in einem ausfahrbaren Modul versteckt.

Das AMOLED-Display misst 6,67 Zoll, löst mit 1440x3120 Pixel auf und hat ein Format von 19,5:9. Die Attraktion des Bildschirms ist die Bildwiederholrate von 90 Hz, während die meisten anderen Hersteller lediglich 60 Hz anbieten.

Flüssigeres Scrollen

Im Praxiseinsatz zeigt sich, dass 90 Hz tatsächlich eine spürbare Verbesserung darstellen. Die hohe Frequenz ermöglicht flüssigeres Scrollen und verbessert generell die Darstellung von bewegten Inhalten.

Auf die Akku-Laufzeit wirkt sich die hohe Bildwiederholrate jedoch negativ aus: Im Full-HD-Modus fallen die Batterieeinbußen wegen des 90Hz-Displays mehr ins Gewicht, als bei einer QHD-Auflösung. Laut Android Authority beträgt die Akku-Laufzeit bei Full-HD (2336 x 1080) und 60Hz 692 Minuten. Stellt man auf 90Hz um, bleiben 498 Minuten. Bei QHD (3120 x 1440) kommt man auf 552 Minuten bei 90Hz und auf 605 Minuten bei 60Hz.

Die paar Minuten Unterschied sind mir im Testzeitraum allerdings nicht wirklich aufgefallen. Intensität der Nutzung oder die Bildschirmhelligkeit fallen bei der Akku-Laufzeit im Alltag nämlich mehr ins Gewicht.

Herausfahrende Kamera

Das OnePlus 7 Pro setzt auf ein Triple-Kamerasetup, dessen Hauptlinse (f/1,6) mit dem Sony-Sensor IMX586 mit 48 MP auflöst. Die Linse (f/2,4) mit Teleobjektiv löst mit 8 MP auf und bringt auch einen dreifach-optischen Zoom. Die Ultraweitwinkellinse (f/2,2) löst mit 16 MP auf.

Die Frontkamera versteckt sich im Gehäuse. Wird die Selfie-Kamera benötigt, fährt das Modul in Sekundenschnelle aus dem Gehäuse aus. Die Frontkamera löst mit 16 MP auf und hat eine Blende von f/2,4.

Wie langlebig bewegliche Module sind, könnte nur ein Langzeittest beurteilen, was mir leider nicht möglich war. Die Verarbeitung der ausfahrbaren Kamera wirkt jedenfalls solide. Nach mehreren Tagen in der Hosentasche hat sich aber auch gezeigt, dass sich einige Staubkörner in das Kameramodul verirrt haben.

Ohne Nachtmodus

Mit Weitwinkel

Nachtmodus

Nachtmodus

Kameraqualität

Seit jeher kann OnePlus nicht mit herausragender Kameraqualität punkten. Auch beim OnePlus 7 Pro stellt die Kamera einen Schwachpunkt dar, auch wenn sich die Qualität zum Vorgänger deutlich gebessert hat.

Bei guten Lichtverhältnissen schafft das OnePlus 7 Pro hervorragende Bilder aufzunehmen. Auch bei Dunkelheit und/oder im Nachtmodus kann die Kamera durchaus überzeugen.

Schwierig wird es, wenn man ein Objekt im Vordergrund hervorheben will und dafür der Hintergrund unscharf sein soll. Hier hat das Smartphone Schwierigkeiten zu erkennen, was Vorder- bzw. Hintergrund sein soll. Dementsprechend kann der Portrait-Modus ebenso nicht überzeugen.

Im Großen und Ganzen liefert die Kameras sehr gute Fotos. Mit dem Huawei P30 Pro, dem P30 oder der Samsung Galaxy S10-Reihe, kann das OnePlus 7 Pro - trotz Verbesserungen gegenüber dem Vorgängermodell - aber nicht mithalten.

Gesichtserkennung und Fingerprint

Wie bei Flaggschiff-Modellen bereits üblich, verfügt auch das OnePlus 7 Pro über einen Fingerprintsensor, der direkt im Display verbaut ist. Nachdem der In-Display-Fingerprint beim Vorgängermodell noch unzuverlässig und träge war, ist der Fingerabdruckscanner im OnePlus 7 Pro nun wesentlich schneller und zuverlässiger. Er kann mittlerweile mit den herkömmlichen, dedizierten Fingerabdruckflächen mithalten.

Bei der Entsperrung per Gesichtserkennung muss die Frontkamera ausgefahren werden. Das Ausfahren der Kamera und das Erkennen des Gesichts geht allerdings so schnell, dass man davon kaum etwas mitbekommt. Problematisch könnte es jedoch werden, wenn man das Face-Unlock unabsichtlich in der Hosentasche aktiviert und dadurch die Kamera ausfährt. Zu einer solchen Situation ist im Testzeitraum einige Male gekommen - jedoch ohne Schaden für die ausfahrbare Frontkamera.

Trägt man eine Sonnenbrille erkennt das Gerät das Gesicht manchmal schon, manchmal aber nicht. Bei Dunkelheit funktioniert das Feature ebenso wenig, da die Kamera zumindest ein wenig Licht benötigt, um das Gesicht zu erkennen.

Innenneben und Betriebssystem

Angetrieben wird das Smartphone von dem State-of-the-Art-Prozessor Snapdragon 855. In der 256-GB-Version verfügt das Gerät über 12 GB RAM, in der 128-GB-Variante sind 6 GB RAM verbaut.

Als einer der ersten Handyhersteller setzt OnePlus auf den Speicherstandard UFS 3.0. Im Vergleich zum Vorgänger ist UFS 3.0 wesentlich schneller: Wird die maximale Datenübertragungsgeschwindigkeit bei UFS 2.1 mit 1,2 GB/s angegeben, erreicht UFS 3.0 2,9 GB/s. Der neue UFS-Standard (Universal Flash Storage) soll auch energieeffizienter sein.

In der Praxis fällt das weniger deutlich auf und ist ein Bestandteil davon, warum das Smartphone derartig rund läuft. Jede Anwendung startet ohne Verzögerung und gefühlt auch etwas schneller als bei anderen aktuellen Spitzenmodellen. Welchen Anteil daran der neue Speicherstandard hat und was auf andere hochwertigen Komponenten zurückzuführen ist, lässt sich nicht feststellen.

Beim Betriebssystem setzt OnePlus auf Android 9.0 Pie. Darüber liegt die Benutzeroberfläche OxygenOS, das sehr nah an Stock-Android dran ist. Wohltuenderweise verzichtet OnePuls weitgehend auf Bloatware und hat lediglich drei Apps vorinstalliert. Auch die Einstellungsmöglichkeiten des OxygenOS lassen keine Wünsche offen.

Akku, Laden und Laufzeit

Nicht nur beim Display lässt OnePlus die Konkurrenz alt aussehen, auch beim Akku stellt der chinesische Hersteller die meisten anderen Geräte in den Schatten. Lediglich das Huawei P30 Pro (40 Watt) kann seinen Akku schneller laden als das OnePlus 7 Pro mit 30 Watt.

Im Vergleich: Das iPhone Xs Max und das iPhone Xs laden ihre Akkus mit 15 Watt, das Samsung Galaxy S10+ mit 15 Watt, ebenso das Galaxy S10. Das Xiaomi Mi 9 kann 27 Watt laden.

Steckt man das OnePlus 7 Pro bei einem Restakku von 8 Prozent an die Steckdose, zeigt der Akku nach 10 Minuten bereits 33 Prozent. 5 weitere Minuten später 42 Prozent und wieder 5 Minuten später 52 Prozent. Insgesamt schafft es das Handy den Akku in 25 Minuten von 8 auf 60 Prozent zu laden.

Die Kapazität des Akkus beträgt 4000 mAh. Die Batterie lässt sich zwar schnell laden, bei der Durchhaltedauer besticht das OnePlus 7 Pro nicht unbedingt. Zwar kommt man bei intensiver Nutzung mit einer Akku-Ladung über einen Tag. Am nächsten Morgen muss es dann aber bald an die Steckdose.

Nach nicht ganz 24 Stunden Nutzung zeigt sich, dass der Screen den Akku bei weitem am stärksten beansprucht. 17 Prozent macht das Display aus, acht Prozent das Android-System, sieben Prozent das WLAN, vier Prozent das Android OS, drei Prozent die Google-Play-Services und drei Prozent die Reddit-App.

Gaming Mode, Lautsprecher und Kopfhörerbuchse

Das Smartphone verfügt über einen Gaming-Modus. Im so genannten Fnatic Mode werden alle Benachrichtigungen und eingehenden Telefonate geblockt und Hintergrundaktivitäten von Apps eingestellt. Ebenso werden Arbeitsspeicher, Prozessor und Display für das Game optimiert.

Bei ressourcenintensiven Spielen hat sich gezeigt, dass das Smartphone extrem rund läuft und es zu keinerlei Verzögerungen kommt. Das Zusammenspiel von Grafikleistung und Display ist beeindruckend. Der Akku leidet natürlich an der gesteigerten Performance.

Eine herkömmliche 3,5mm-Kopfhörerbuchse hat das Gerät nicht. Dafür liegt ein entsprechender Adapter bei. Verwendet man einen Kopfhörer-USB-C-Adapter eines anderen Herstellers, ist es mehrere Male zu Komplikationen gekommen.

Die internen Lautsprecher können nur begrenzt überzeugen - wenn überhaupt. Werden hauptsächlich Sprache oder Geräusche bei Videos wiedergegeben, sind sie recht passabel. Will man aber etwas lauter Musikhören, wird der Sound ziemlich arg verzerrt. An Musikgenuss ist dabei nicht zu denken.

Preise

2014 ist OnePlus als Flagship-Killer angetreten, der ein Smartphone mit Top-Spezifikationen zu vergleichsweise günstigen Preisen angeboten hat - damals ab 269 Euro. Dem Credo des günstigen Preises ist der Hersteller nur zum Teil treu geblieben und hat analog zur Konkurrenz die Preise regelmäßig nach oben geschraubt. So kostet das OnePlus 7 Pro mittlerweile bis zu 819 Euro, bleibt damit aber immer noch unter der Konkurrenz.

Hier die Preise im Überblick:

  • 6 GB RAM, 128 GB Speicher: 699 Euro
  • 8 GB RAM, 256 GB Speicher: 749 Euro
  • 12 GB RAM, 256 GB Speicher: 819 Euro

Das reguläre OnePlus 7 ist etwas günstiger und kommt auf 549 Euro (6/128 GB) beziehungsweise 599 Euro (8/256 GB).

Fazit

OnePlus ist mit seinem neuen Pro-Modell der Konkurrenz nicht nachgezogen, sondern hat vorgelegt. Die Qualität des Displays sucht vergeblich seinesgleichen, die generelle Performance ebenso. Die Verarbeitung ist makellos und hochwertig.

Schwachpunkt bleibt die Kamera. Trotz mehreren Verbesserungen auf diesem Feld hat die Konkurrenz bei ihren Spitzenmodellen ein wenig mehr zu bieten.

Alles in allem bleibt das OnePlus 7 Pro ein Top-Handy, das mit spektakulären Spezifikationen sein Geld wert ist.