Xiaomi QiCycle Elektro-Klapprad vor Graffiti

Das Xiaomi QiCycle ist ein kleines, kräftiges und geräuschvolles Elektro-Klapprad

© David Kotrba

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Xiaomi QiCycle im Test: Ein kleines, starkes, lautes E-Bike

Das Klapprad ist mit einer schlanken, geradlinigen Silhouette und mattschwarzen Lackierung leicht zu erkennen

Klappräder sind in einer Stadt wahnsinnig komfortabel. Sie sind klein und wendig, passen gut in Aufzüge und können im Notfall zusammengeklappt und in den Öffis mitgenommen werden.

Mit Elektroantrieb sind sie noch eine Spur angenehmer. Einer der elegantesten Vertreter dieser Art ist das Xiaomi QiCycle, das auch unter den Bezeichnungen Mi Home QiCycle oder MiJia QiCycle zu finden ist. Ich habe es getestet.

Xiaomi QiCycle in Bildern

Leistungsdaten

Ganz neu ist das QiCycle nicht. Am Fahrradmarkt tauchte es bereits 2017 in einigen Ländern auf. Seine auffälligsten Eigenschaften: Ein für E-Bikes schlanker Rahmen, 16-Zoll-Räder und nur 14,5 Kilogramm Gewicht. Im fahrbaren Zustand ist es nur 125 cm lang. Der Akku in der Mittelstange fasst 5.800 mAh bzw. 208,8 Wh und versorgt auch die eingebauten Front- und Heckleuchten. Der Motor leistet 250 Watt und sitzt an der vorderen Radnabe. Die Reichweite wird mit 45 Kilometer angegeben.

Am Hinterrad findet man eine 3-Gang-Radnabenschaltung von Shimano. Die Sattelstütze unterstützt eine große Bandbreite an Körpergrößen. Auch mit 1,90 Meter sitzt man bequem. Vorne gibt es eine Scheibenbremse, hinten eine Nabenrollenbremse. Das von mir getestete Modell hat eine schicke mattschwarze Lackierung.

Plus und Minus

Vorteile

  • Die Dimensionen des QiCycle sind sehr komfortabel für den Einsatz in der Stadt. Mit 125 cm Länge passt es ohne Verrenkung in viele Aufzüge und zum Aufladen in die eigene Wohnung. 14,5 Kilogramm lassen sich auf kurzen Strecken auch tragen
  • Der Motor ist kräftig genug, um auch 90 Kilogramm schwere Personen mühelos treten zu lassen
  • Die Bedienung ist sehr einfach. Die Lichter sind eingebaut, man kann sie nie daheim vergessen

Nachteile

  • Der kurze Radstand macht bei schneller Fahrt das Überqueren von Schwellen rumpelig
  • Das Motorgeräusch ist sehr laut. Kann auch ein Vorteil sein, weil andere Radler einen sofort hören
  • Öse für ein Fahrradschloss fehlt. Akku lässt sich nicht absperren

Rakete am Display

Das QiCycle wird durch eine Ein/Aus-Taste am Fahrradcomputer am Lenker links aktiviert. Will man beim Fahren vom E-Motor unterstützt werden - wozu hat man sonst ein E-Bike? - muss man den Knopf erneut drücken und ein Raketensymbol erscheint am Display. Mit Pfeil-rauf- und -runter-Tasten kann man zwischen den 3 Unterstützungsstufen umschalten. Ein längerer Druck auf die Pfeiltasten aktiviert die Beleuchtung.

Beim Lostreten schiebt der Motor dank Drehmomentsensor sofort mit an. Bei Stufe 3 kann das schon mal ruckartig ausfallen, auch wenn man gar nicht so sehr in die Pedale tritt. Bergauffahren mit der höchsten Unterstützung ist ein Genuss. Der Motor ist nicht von der leisen Sorte. Ein elektrisches Heulen hört man immer, zwischendurch überrascht der Motor aber auch mit Variationen seines Soundtracks. Teilweise gibt er etwa tiefes Brummen von sich.

Wellenförmiger Schub

Der Motorschub bei der Fahrt kommt oft in Wellen. Mal schiebt er richtig an, mal hält er sich zurück. Das wirkt nicht so fein abgestimmt, aber man gewöhnt sich dran. Da der Motor an der vorderen Radnabe sitzt, muss man bei steilen Wegen oder Rampen aufpassen, dass der eigene Schwerpunkt nicht zu weit hinten ist, sonst dreht das Rad durch und man verliert das Gleichgewicht ein wenig. Der kurze Radstand und die Sitzhöhe machen es möglich.

Der Fahrradcomputer zeigt Geschwindigkeit, Batterieladestand und zurückgelegte Kilometer (seit dem letzten Einschalten) an, mehr nicht. Man kann das E-Bike auch per Bluetooth mit der Xiaomi Home App verbinden. Abgesehen davon, dass man dann am Smartphone den Batterieladestand in Prozent ablesen kann, hat dies keinen Sinn.

Absperren problematisch

Will man das Rad unterwegs abstellen, ergibt sich die Problematik, wo man ein Fahrradschloss durchfädeln soll. Logisch erscheint das Dreieck, das von Mittelstange, hinterer Radgabel und Sattelstütze gebildet wird. Wirklich sicher ist das aber nicht, weil man nur 2 Klemmen umlegen muss und die Sattelstütze herausziehen kann. Genau das muss man übrigens auch machen, wenn man den Akku aus dem QiCycle herausziehen oder das Rad zusammenklappen will.

Die Sattelstütze läuft nämlich direkt durch den Akku, weshalb dieser ein Loch hat. Mit einem Druckknopf wird die Batterie entriegelt. Ein Schloss, um die Mitnahme des Akkus zu verhindern, gibt es nicht.

Will man das Rad zusammenklappen, zieht man die Sattelstütze heraus und kann die hintere Radgabel sogleich nach unten Richtung Vorderrad schwingen. Die Lenkstange lässt sich ebenfalls umklappen. Zwei Magnete sorgen für Zusammenhalt. Die Sattelstütze verstaut man in einem Kofferraum besser separat. Der ganze Klappvorgang ist nicht kompliziert und mit ein wenig Übung in wenigen Sekunden durchführbar.

Fazit und Preis

Das Xiaomi QiCycle ist ein hübsches kleines E-Bike, das leicht zu manövrieren ist und das Treten bei Bedarf enorm erleichtert. Die Bedienung ist watscheneinfach, viel Schnickschnack gibt es nicht. Die integrierte Beleuchtung ist einwandfrei, die Radnabenschaltung ebenso. Das Rad ist klein genug, um es komfortabel durch Hausflure zu schieben und kann durch Zusammenklappen noch kleiner werden. Andererseits ist es groß genug, um auch große Personen angenehm darauf sitzen zu lassen.

Dass es keine Öse gibt, um den Rahmen wirklich sicher mit einem Schloss zu befestigen, ist ein Nachteil, aber das hätte wahrscheinlich auch das Design verschandelt. Für manche Menschen möglicherweise störend könnten das deutlich hörbare Motorgeräusch und der variierende Schub sein. Vom Fahrradcomputer braucht man sich nicht mehr als grundlegende Informationen erwarten.

Das Xiaomi QiCycle ist, wie erwähnt, schon seit einigen Jahren am Markt und für 900 bis 1000 Euro erhältlich. Es war schon mal günstiger und wurde von mehr Händlern angeboten. Neuere und günstigere Elektro-Klappräder sind leicht zu finden, auch von Xiaomi bzw. dessen Submarke HIMO. Wer es mag, sein Fahrrad selbst reparieren zu können, sollte sich die Analyse von iFixit ansehen. Die Webseite bewertet die Reparierbarkeit des Xiaomi QiCycle mit 6 von 10 Punkten.

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David Kotrba

Ich beschäftige mich großteils mit den Themen Mobilität, Klimawandel, Energie, Raumfahrt und Astronomie. Hie und da geht es aber auch in eine ganz andere Richtung.

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