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© APA/AFP/STEEVE JORDAN / STEEVE JORDAN

Science

Ebola-Virus überlebte 5 Jahre in geheilter Person

Dass das Ebola-Virus nach einer Heilung im Körper überleben und später sogar weitergegeben werden kann, war bereits bekannt. Der Fall eines Mannes in Guinea sorgt nun aber auch in der Fachwelt für Staunen. Denn wie eine Genanalyse ergab, dürfte das Virus in dem Mann für einen Zeitraum von über 5 Jahren geschlummert haben. Der erneute Ausbruch in dem westafrikanischen Staat im Februar wird auf eine Übertragung durch diesen Mann bzw. andere ehemals Infizierte zurückgeführt.

Zu wenige Mutationen

Die Virologen kamen nach Analyse von aktuellen Fällen zum Schluss, dass es sich bei der jetzigen Ebola-Variante praktisch um denselben oder einen sehr ähnlichen Stamm handeln müsse, der bereits zwischen 2013 und 2016 bei einem großen Ebola-Ausbruch vorzufinden war. Anders als erwartet wiesen die jetzt gesammelten Proben aber nur 12 Mutationen am Virus aus. Hätte es sich seit damals frei weiterverbreitet wären über diese Zeitspanne etwa 110 Veränderungen zu erwarten gewesen.

Die Forscher schließen daraus, dass das Ebola-Virus wohl in dem geheilten Infizierten fünf Jahre lang wie ein Herpes-Virus geschlummert und sich dort auch nicht reproduziert hatte. Der Mann dürfte es nun, mehrere Jahre später, vermutlich durch eine sexuelle Übertragung weitergegeben haben. Ebola-Viren können sich nach einer überstandenen Erkrankung vor dem Immunsystem "verstecken", indem sie sich an Orten wie den männlichen Hoden oder den Augäpfel platzieren.

Virologin "geschockt"

In der Wissenschafts-Community sorgte die Analyse für Aufruhr. Die bekannte amerikanische Virologin und Ebola-Expertin Angela Rasmussen von der Columbia University School of Public Health zeigte sich "schockiert" über die neuen Erkenntnisse. Die Analyse zeige, wie wenig man noch über Ebola und andere RNA-Viren wisse.

Sie könne sich den Mechanismus nicht erklären, wie das Virus so lange im Körper eines Ebola-Geheilten überleben könne. Für ehemals Infizierte, die schon vor diesen Erkenntnissen als stigmatisiert galten, sei die Entdeckung keine gute Nachricht. Auch was die Eindämmung eines Ebola-Ausbruches betreffe, seien die Erkenntnisse extrem besorgniserregend.

Beim letzten großen Ausbruch in Westafrika infizierten sich 28.000 Menschen mit dem Virus, 11.000 Personen starben. Während der Beginn der Epidemie damals vermutlich von einer Fledermaus ausging, die Ebola auf einen Jungen übertrug, deutet die Gen-Analyse nun darauf hin, dass der jüngste Ausbruch von ehemals infizierten Menschen ausgelöst wurde.

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Martin Stepanek

martinjan

Erste Computer-Begegnung: Macintosh 128k (1984). Erster eigener Computer: Atari 520ST. Wissenschaftsverliebt. Alte-Musik-Sänger im Vienna Vocal Consort. Mag gute Serien. Und Wien.

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