Ein Foto des Saturn-Mondes Enceladus

© NASA/JPL-Caltech/Space Science Institute

Science
10/04/2019

Entsteht Leben im All? Saturn-Mond spuckt organische Verbindungen aus

Daten der Cassini-Mission zeigen, dass Enceladus Stickstoff- und Sauerstoffverbindungen absondert.

Winzige Eispartikel mit großer Wirkung: Die Cassini-Sonde sammelte auf ihrem Weg in Richtung Saturn Material von dessen Mond Enceladus. Die nun analysierten Daten brachten hervor, dass es sich dabei um Stickstoff- und Sauerstoffverbindungen handelt. Sie sind die Basis für chemische Reaktionen, aus denen Aminosäuren entstehen - und damit die Grundlage für Leben.

Enceladus ist fast gänzlich mit einer massiven Eisschicht überzogen, die tiefe Risse aufweist. Darunter befindet sich den Messwerten Cassinis zufolge ein Wasserozean. Er ist übersät mit starken hydrothermalen Fontänen (Raucher), über die der Kern des Mondes Teilchen abgibt. 

Chemische Reaktionen bilden Aminisäuren

Solche Raucher gibt es auch auf den irdischen Meeresböden. Die aufgewendete Energie, mit der die Fontänen Partikel nach Außen schleudern, machen die chemischen Reaktionen der ausgestoßenen Sauerstoff- und Stickstoffatome möglich, durch die Aminosäuren entstehen und damit die Grundbausteine von Proteinen.

Aufgrund der neuen Testergebnisse vermuten die NASA-Forscher nun, dass die Enceladus-Fontänen den gleichen Effekt hervorrufen könnten, wie die auf dem Meeresboden der Erde. "Bei den richtigen Konditionen könnten diese Moleküle aus den tiefen des Ozeans von Enceladus dem gleichen Reaktionsverlauf folgen wie hier auf der Erde. Wir wissen noch nicht, ob Aminosäuren für außerirdisches Leben notwendig sind, aber diese Moleküle zu finden, die Aminosäuren bilden, ist ein wichtiges Puzzle-Teil", sagt Studienleiter Nozair Khawaja von der FU Berlin in einem Statement.  

Unter der Eisschicht befindet sich ein Wasserozean.

Enceladus ist von tiefen Rissen durchbrochen.

Cassini nahm auf, wie Enceladus Partikel abstößt. 

Der Wasserplanet gibt Eispartikel ab. 

Die "Visions of the Future" zeigen den Eis-Mond Enceladus.

Bausteine für das Leben

Die Wissenschaftler vermuten, dass das analysierte Material zunächst im Enceladus-Ozean aufgelöst wurde, kondensierte und am Rand der tiefen Risse in der Eisschicht erstarrte. Anschließend wurden es mit den Gasen, die durch diese Risse abgegeben werden, ins All befördert, wo Cassini es aufsammelte und mit seinem Cosmic Dust Analizer (CDA) auswertete.

"Wir haben hier kleine, wasserunlösliche organische Bausteine gefunden - potenzielle Ausgangsstoffe für Aminosäuren und weitere Bestandteile die für das Leben auf der Erde notwendig sind", so Co-Autor John Hillier. Die neuen Daten unterstützen die Forschungsergebnisse aus Cassinis CDA der vergangenen Jahre. Bereits 2018 konnten Khawaja und sein Team das erste Mal organisches Material auf dem Saturn-Mond nachweisen