Hand mit Fernbedienung deutet auf Klimaanlage

Klimaanlagen sind heiß begehrt, fressen jedoch oft mehr Strom als notwendig

© Aja Koska/iStockphoto

Science

Warum Klimaanlagen den Klimaschutz bedrohen

Die sommerliche Hitze weckt bei vielen Menschen das Bedürfnis, ihr Zuhause mit Hilfe einer Klimaanlage halbwegs kühl zu halten. Aufgrund der Erderwärmung steigt die Anzahl der Tage, an denen die Temperatur als unerträglich wahrgenommen wird. Immer mehr Menschen legen sich deshalb eine Klimaanlage zu. Dadurch steigt der Stromverbrauch. Im besten Fall wird er durch erneuerbare Energien gedeckt, aber das ist nicht überall der Fall.

Mehrere Milliarden Geräte

In Österreich hatten 2004 rund 40.000 Haushalte ein Klimagerät. 2018 waren es laut dem Umweltbundesamt bereits 180.000 Privathaushalte. Auch im Gewerbe steigt die Verbreitung stark. Weltweit sind rund 2 Milliarden Klimaanlagen im Einsatz, berichtet die Internationale Energieagentur (IEA). Seit 1990 hat sich der Strombedarf für Klimatisierung mehr als verdreifacht. Damit einher gingen mehr als doppelt so hohe Treibhausgasemissionen.

Derzeit fließen 10 Prozent des gesamten Stroms auf der Welt in Klimaanlagen. In den kommenden Jahrzehnten erwartet die IEA steigende Verkäufe. Vor allem in den bevölkerungsreichen Schwellenländern wie China, Indien, Brasilien, Mexiko oder Indonesien werden enorme Anstiege erwartet. "Der wachsende Strombedarf für die Klimatisierung ist einer der bedenklichsten blinden Flecken in der heutigen Energiedebatte", meint IEA-Direktor Fatih Birol.

Grafik zum erwarteten Anstieg der Klimaanlagen-Stückzahlen bis 2050

Bis 2050 soll es weltweit mehr als 5 Milliarden Klimaanlagen geben

Belastung für das Stromnetz

An heißen Tagen ist der Anstieg des Strombedarfs für Klimaanlagen bereits merkbar. In einem Bericht des heimischen Übertragungsnetzbetreibers Austrian Power Grid aus dem Juni 2021 wird ein Anstieg um 4 Prozent gegenüber einem durchschnittlichen Vergleichsniveau aus den Jahren zuvor verzeichnet. In Österreich stellt das kein Problem dar, weil der Anteil erneuerbarer Energiequellen hoch ist und die Stromproduktion durch Photovoltaikanlagen ansteigt.

In Ländern mit weniger gut ausgebauten Stromnetzen und einem höheren Anteil fossiler Kraftwerke kann die steigende Verbreitung von Klimaanlagen zum Problem werden. An heißen Tagen sorgen sie für Lastspitzen, die Netze an ihre Grenzen bringt. In Indien und Indonesien wird etwa erwartet, dass 2050 zeitweise über 40 Prozent der gesamten Stromproduktion für die Klimatisierung aufgewendet werden müssen.

Lastspitzen im Stromnetz durch Klimaanlagen Ländervergleich Grafik

Der Anteil, den Klimaanlagen zeitweise am gesamten Strombedarf haben, soll künftig sehr hoch sein

Effizienz oft mangelhaft

Der Zugang zu Klimatisierung wird auch zu einem immer größeren sozialen Problem. Gerade dort, wo es extrem heiß ist, haben die wenigsten Menschen eine Klimaanlage. Die Hitzewelle in Indien und Pakistan im Mai brachte Temperaturen von knapp 50 Grad. Solch eine übermäßige Hitze hat weitreichende gesundheitsschädliche Effekte, die bis zum Tod führen können. Wer sich eine Klimaanlage leisten kann, greift leider oft zu wenig energieeffizienten Geräten.

Laut der IEA bietet der Markt eine große Bandbreite verschiedener Geräte an. Die meisten Konsumenten greifen zu Modellen, die zwei bis dreimal weniger effizient arbeiten, als die besten Geräte in der jeweiligen Klasse, die eben auch teurer sind. Auf den Stromverbrauch hat dies einen signifikanten Einfluss. Mit besseren Geräten könnte man den Stromverbrauch für Klimatisierung bis 2030 um die Hälfte reduzieren.

Fatale Kühlmittellecks

Auf die Erderwärmung wirken sich Klimaanlagen nicht nur durch ihren Stromverbrauch und die eventuelle Verwendung fossiler Energien aus. In ihnen drin fließt Kühlmittel, das meist sehr klimaschädlich ist, wenn es entweicht. Zu Lecks kommt es immer wieder. Fluorkohlenwasserstoff (FKW) ist etwa ein bis zu 23.000 Mal stärkeres Treibhausgas als Kohlendioxid. Die EU sieht vor, dass diese Gase bis 2030 allmählich ersetzt werden.

Verbrauch hängt vom eigenen Verhalten ab

Bevor man ein Klimagerät kauft, sollte man sicherstellen, dass man alles andere getan hat, um die Hitze zuhause in Grenzen zu halten, rät Andreas Hudecek, Energieberater bei Wien Energie: „In 50 Prozent der Fälle ist ein Klimagerät gar nicht notwendig.“ Wichtig seien vor allem Verschattungseinrichtungen, wie Jalousien. Am besten seien Außenjalousien, aber auch Innenjalousien haben ihren Sinn. „Ohne Jalousien wärmt die Sonne dunkle Flächen im Innenraum auf und die geben die Wärme bis in die Nacht wieder ab.“ Geöffnete Fenster an sonnigen Tagen seien fatal. Stattdessen sollte man sie geschlossen halten und bei Nacht ausgiebig lüften.

Wenn man ein Klimagerät kauft, sollte man auf das EU-Energielabel achten und, soweit möglich, effizientere Split-Geräte wählen. Beim Betrieb sei ratsam, die Temperatur nur auf 5 bis 7 Grad unterhalb der Außentemperatur einzustellen. „Das wird auch von Ärzten empfohlen. Die Luft wird durch das Klimagerät entfeuchtet, wodurch sich 5 Grad ganz anders anfühlen.“

An die 5-Grad-Grenze halten sich auch die Wiener Linien. Das Unternehmen merkt gegenüber der futurezone an, dass im Winter wesentlich mehr Energie für das Heizen benötigt werde, als im Sommer für das Kühlen, weil größere Temperaturunterschiede geschaffen werden müssen.

Die aktuell hohen Energiepreise veranlassen immerhin viele Menschen, ihre Geräte bewusster einzusetzen.

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David Kotrba

Ich beschäftige mich großteils mit den Themen Mobilität, Klimawandel, Energie, Raumfahrt und Astronomie. Hie und da geht es aber auch in eine ganz andere Richtung.

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