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Science
05/20/2020

Klimawandel macht Antarktis grün

Auf der Oberfläche des schmelzenden Eises in der Antarktis wachsen mikroskopisch kleine Algen.

Die Algen färben die Oberfläche grün und könnten laut den Wissenschaftlern von der University of Cambridge und der British Antarctic Society auch anderen Arten Nahrung bieten, berichtet der "Guardian". Die Wissenschaftler sprechen deshalb bereits vom "Beginn eines neuen Ökosystems".

Die Forscher gehen davon aus, dass sich die Algen weiter ausbreiten werden, da durch die globale Erwärmung die matschigen Bedingungen begünstigt werden, die sie zum Gedeihen brauchen.

In einigen Gebieten seien die einzelligen Lebensformen so dicht, dass der Schnee hellgrün werde und auch vom Weltraum aus gesehen werden kann, schrieben sie in ihrer in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlichten Studie.

Algenkarte

Die Wissenschaftler haben die Ausbreitung der grünen Schneealgen in der Antarktis sechs Jahre lang beobachtet und eine großflächige Algenkarte der Antarktis angelegt.

Dabei konnten sie auch feststellen, dass die Algen bereits enge Bindungen mit winzigen Pilzsporen und Bakterien eingegangen sind. Das könnte möglicherweise neue Lebensräume bilden, sagte Matt Davey von der Universität Cambridge dem "Guardian".

1,9 Quadratkilometer bedeckt

Auf der Algenkarte werden 1.679 separate Blüten von grünen Schneealgen identifiziert, die zusammen eine Fläche von 1,9 Quadratkilometern bedecken. Fast zwei Drittel der Algenblüten wurden auf kleinen, tief liegenden Inseln im Norden der Antarktis gefunden, wo es im vergangenen Sommer zu besonders hohen Temperaturanstiegen gekommen ist.

Die Algen nehmen laut den Forschern pro Jahr rund 479 Tonnen CO2 auf. Das entspricht den Emissionen von 875.000 Autofahrten in Großbritannien. Auf den globalen Maßstab umgerechnet, hat dies jedoch kaum Auswirkungen.

Bereits zuvor konnten Wissenschaftler eine Zunahme von grünen Flechten und Moos in der Arktis beobachten. Diese wachsen im Vergleich zu Algen allerdings wesentlich langsamer.