Science 12.06.2018

Künstliche Intelligenz erkennt Bewegung von Menschen durch Wände

© Bild: MIT

Menschliche Bewegungen können durch Störungen im Funkwellenhintergrund auch durch Wände hindurch erfasst werden.

Durch WLAN-Router, Funkmasten und andere Quellen bewegen wir uns ständig vor einem Hintergrund aus Funksignalen. Dabei verursachen wir Störungen in diesem Strahlungsteppich, die genutzt werden können, um unsere Bewegungen zu erkennen, auch durch Wände hindurch. Forscher des MIT in den USA haben ein System geschaffen, das genau das bewerkstelligt, berichtet techcrunch. So können sie durch eine Wand hindurch erkennen, ob ein Mensch geht, sitzt oder stillsteht. Die Erfindung wird von ihren Schöpfern RF-Pose genannt.

Ermöglicht wird das Ganze durch den Einsatz eines KI-Systems. Die Forscher haben ein neuronales Netzwerk verwendet, um die Radiosignale, die von den Körpern von Menschen reflektiert werden, zu analysieren. Das System generiert daraus ein Strichmännchen, das die Bewegungen einer Person nachvollzieht. Das KI-System wurde trainiert, indem die Forscher ihm parallel Videos von sich bewegenden Menschen und die dabei entstehenden Störungen in der Funkstrahlung präsentierten.

Unerwarteter Röntgenblick

So lernte die KI mit der Zeit, welche Bewegungen mit welchen Störungsmustern assoziiert sind und setzte die Ergebnisse als Strichmännchenrepräsentation um. Dass das auch durch Wände hindurch funktioniert, hatten die Forscher eigentlich nicht erwartet. Die Forscher wollen die Technik einsetzen, um Patienten mit Parkinson oder Multipler Sklerose zu überwachen. So sollen sich genauere Informationen über die Entwicklung der Krankheiten gewonnen werden. Auch ältere Menschen könnten mit dem System überwacht werden, um Stürze oder ungewöhnliche Veränderungen in ihren Bewegungsmustern früh zu erkennen.

Das System erlaube die passive Überwachung von Patienten ohne Kameras oder andere Eingriffe in das Zuhause, sagen die Forscher. Mit Einverständnis der Patienten könnten die Daten anonymisiert und verschlüsselt gesammelt werden, um den Schutz der Privatsphäre zu gewährleisten. Auch die Möglichkeit für derart Überwachte, das System ein- und auszuschalten wäre denkbar. Das könnte etwa über vorgegebene Bewegungsabläufe passieren.

( futurezone ) Erstellt am 12.06.2018