Rotorentest des Helikopters "Ingenuity" wurde vorzeitig abgebrochen

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Science

Mars-Helikopter Ingenuity erkennt Problem, bricht Flug ab

Ingenuity, der Mars-Helikopter der NASA, muss bis Mitte Oktober eine Flugpause einlegen. Eigentlich sollte er davor, am 18. September, noch einmal abheben. "Daraus wurde ein ereignisloser Flug, denn Ingenuity hat sich entschieden, gar nicht abzuheben", sagte Jaako Karras, stellvertretender Betriebsleiter des Jet Propulsion Laboratory (JPL). Ingenuity hat den programmierten Testflug selbstständig abgesagt, als Schutzmaßnahme.

Der Helikopter schaffte seinen Rotorentest mit einer Drehzahl von 2.800 rpm. Dann erkannte er bei einem Vorabcheck eine Unregelmäßigkeit bei 2 seiner 6 Flugsteuerungs-Servomotoren. Sie sind dafür zuständig, die Neigung der Rotorblätter während des Flugs anzupassen.

Die obere Taumelscheibe (D, Swashplate) kontrolliert die Neigung der oberen Rotorblätter (A). Das ist wichtig, um den Helikopter im Flug zu stabilisieren. Sie wird von Servomotoren (C) angetrieben.

Abgenutztes Getriebe

Um zu prüfen, ob sie beweglich genug sind, wird vor jedem Flug ein "servo wiggle"-Test durchgeführt. Bei diesem Schwingungstest wichen 2 der Servomotoren um ein Grad von der Vorgabe ab. Bei einem späteren Test am 21. September gab es zwar keine erneuten Probleme, der Testflug wurde dennoch, sicherheitshalber, nicht durchgeführt.

Eine mögliche Erklärung für die Anomalie ist, dass die Taumelscheibe (swashplate) und die Getriebe der Servomotoren langsam Abnutzungserscheinungen zeigen. Ingenuity sollte eigentlich nur 5 Flüge absolvieren, schaffte bisher aber schon 13.

Eine andere Möglichkeit ist, dass der Highspeed-Rotortest dafür gesorgt hat, dass einige Rotorblätter in einer ungewöhnlichen Position stehen blieben. Beim Schwingungstest sorgte das dann für Schwankungen, die bisher noch nie aufgetreten sind. Bisher ist Ingenuity mit 2.400 rpm geflogen. Jahreszeitenbedingt wird jetzt aber die Atmosphäre des Mars dünner, weshalb die Drehzahl für die nächsten Flüge auf 2.700 bis 2.800 rpm gesteigert werden muss.

Erde-Mars-Konjunktion

Nun bleibt Ingenuity für einige Zeit am Boden und das NASA-Team hat Zeit, die bisher gesammelten Daten genauer zu analysieren. Denn die Erde-Mars-Konjunktion sorgt dafür, dass bis Mitte Oktober Funkstille herrscht, da sich die Sonne zwischen die beiden Planeten schiebt (wir erklären hier, warum das so ist). Allerdings sind Ingenuity und der Rover Perseverance so programmiert, dass sie einmal die Woche miteinander kommunizieren und checken, ob alles in Ordnung ist.

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