Gesicht am Mars

© NASA

Science
08/17/2020

Studie: Deshalb sehen wir Gesichter in Gegenständen

Der Mensch erkennt in unterschiedlichen Objekten ein Gesicht. Eine neue Studie erklärt, welche Hirnprozesse vonstattengehen.

Ein Auto mit einem freundlichen Lächeln, ein überrascht wirkender Stein oder ein unbeeindruckter Kühlschrank: In vielen Gegenständen und Mustern erkennt der Mensch ein Gesicht. Dieses Phänomen wird in der Psychologie als Pareidolie bezeichnet. Nötig sind dafür lediglich die Form zweier Augen und eines Mundes. „Dieses einfache Muster von Merkmalen, das das menschliche Gesicht definiert, ist etwas, worauf unser Gehirn abgestimmt ist. Das ist es wahrscheinlich, was unsere Aufmerksamkeit auf Pareidolie-Objekte zieht“, sagt Neurowissenschaftler Colin Palmer von der australischen University of New South Wales.  

Die Wahrnehmung eines Gesichts sei ihm zufolge aber nicht nur das Bemerken der Präsenz eines Gesichts. „Wir müssen auch erkennen, wer diese Person ist und Informationen aus ihrem Gesicht lesen – etwa, ob sie aufmerksam ist und ob sie glücklich oder verärgert ist“. Dem Forscher zufolge sei das Lesen sozialer und emotionaler Information ausschlaggebend dafür, wie sehr Pareidolie-Objekte in unserem Gehirn und Auge verarbeitet werden.

Blickrichtung ändert sich

Die Forscher wollten herausfinden, ob Pareidolie nicht nur die kognitiven, sondern auch die visuellen Mechanismen aktiviert, mit denen wir normalerweise menschliche Gesichter „verarbeiten“. Im Fokus standen die Nervenzellen im temporalen Cortex, die für die Empfindung von Gewöhnungseffekten zuständig sind. Dafür haben sie 60 Probanden Pareidolie-Objekte gezeigt, die so erscheinen, als würden sie in die linke Richtung schauen. Die Experimente haben gezeigt, dass beim wiederholten Beobachten dieser „Gesichter“ eine optische Täuschung entsteht: Der Blick der Gegenstände bewegt sich zur rechten Seite.

Dieses Phänomen könnte eine Art Gewöhnungsprozess im Gehirn wiederspiegeln. Die Zellen, die die Blickrichtung verarbeiten, verändern demnach ihre Empfindlichkeit. Das wiederholte Ansehen von in eine Richtung blickende Gesichter verursachen laut Palmer eine systematische Voreingenommenheit. Der Blick der Objekte bewegt sich so, wie wir es bei Menschen annehmen würden oder es gewöhnt sind und sie bauen quasi "Blickkontakt" auf. Bei Pareidolie-Gesichtern sowie bei menschlichen überlappen demnach unsere sensorischen Mechanismen.

Den neuen Studienergebnissen zufolge, veröffentlicht in Psychological Science, hat Pareidolie demnach einen viel tieferen Effekt auf den Menschen als zuvor angenommen. „Die Fähigkeit, Gesichtsformen nicht einfach wahrzunehmen aber auch Emotionen daraus zu lesen, ist extrem wichtig, wenn man bedenkt, was Gesichter offenbaren können“, so Palmer. Der evolutionäre Grund dahinter sei, dass wir so Angreifer oder Feinde erkennen können.

Je mehr Gesichter wir sehen, umso besser. Schlechter sei Palmer zufolge vielmehr, keine Gesichter zu erkennen.

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