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Science
09/11/2019

„Unsere verrückte Zeit ist cool für Innovationen“

Disruption gab es schon immer. Doch jetzt geht sie intensiver und schneller vor sich – auch in den Bereichen Internet of Things und Connected Cars.

von Barbara Wimmer

„Unsere verrückte Zeit ist cool für Innovationen“, meint Markus Petzl. Er ist Gründer von "Disruptive", einer Beratungsagentur für Innovation und Strategie und er beobachtet die Internet-of-Things-Branche und Märkte mit einem allumfassenden Blick „von oben“. Im Laufe der Jahre sei das Auftauchen von neuen Marktteilnehmern immer schneller und intensiver erfolgt, so der Experte. „Plötzlich war eine neue Technologie da, die alles verändert hat."

Wenn man sich etwa die Automotive-Branche ansieht, stellt man fest, dass sich diese gerade in einer massiven Phase der Neuerfindung befindet, denn hier finden gleich mehrere Innovationen parallel statt. „In den letzten 100 Jahren hat sich alles um vier Räder, die Karosserie und den Maschinenbauer gedreht. Doch jetzt kommt nicht nur eine neue Antriebstechnologie hinein, sondern auch Software“, sagt Petzl. Der Boom der E-Autos habe manche Autohersteller überrascht. „Man war nicht vorbereitet, hatte keine Leute, die sich damit auskennen.“ Dabei habe bereits das erste Auto, das schneller als 100 km/h fahren konnte, im Jahr 1897 über einen Elektro-Antrieb verfügt. Mit Tesla kam nun ein neues Unternehmen auf den Markt, das plötzlich alles anders machte.

Tesla wirbelt ganze Branche um

„Für Tesla stand die Welt offen. Die sind Erfinder, die probieren und lernen. Weil sie nicht so groß sind wie die anderen Autobauer, können sie sich mehr bewegen und sind flexibler. „Tesla lässt sich nicht aufhalten und treibt im Moment die ganze Branche vor sich her“, ist der Experte überzeugt. Das liege allerdings nicht nur am E-Antrieb, sondern auch an der Software und den Features. „Software ermöglicht neue Nutzungs- und Geschäftsmodelle.“

Während man in Europa froh sei, genügend Experten zu finden, die sich mit E-Antrieben auskennen, sehe man das Thema der vernetzten Autos in den USA bereits vielschichtiger. „Ein Auto ist nicht vernetzt, wenn es nicht mit anderen Autos kommunizieren kann. Es entsteht ein intelligentes, permanent fahrendes System und es geht dabei nicht mehr um „mein Auto“, sondern um eine Flotte, einen Schwarm, der aufeinander Rücksicht nimmt“, sagt Petzl. „Wir Europäer sind schon stolz, wenn wir ein E-Auto bauen, dass die Reichweite von Tesla zusammenbringt. Dabei geht es beim autonomen Fahren um etwas ganz anderes – Mobility as a service – und darum, das Auto nur zu nutzen, um von A nach B zu kommen, und nicht, um es zu besitzen.“

Der Markt als Labor

Auch im Bereich der Antriebstechnologie gebe es neben E-Mobilität auch noch das Thema Wasserstoff. „Hier ist derzeit genauso unklar, welcher Antrieb das Rennen machen wird – wie damals bei den Standards von Videokasetten“, meint Petzl. Doch Disruption habe es freilich in der Branche bereits schon einmal gegeben. Damals hatte das Auto die Kutsche abgelöst – und zwar innerhalb von 20 Jahren. „Das wird dieses Mal viel schneller gehen.“

Das, was sich zudem ändert, ist, dass der Markt das „Labor“ ersetzt. Früher seien Erfindungen zuerst im geschützten Rahmen ausprobiert worden, heute sei der Markt das Labor, so Petzl. Bei Tesla bedeutet das etwa, dass sich Fahrzeuge mit Autopilot eigentlich noch in Entwicklung befinden. Und manche Innovationen dank neuer Technologien sind Fluch und Segen zugleich. „Es entscheidet immer der Mensch, was er aus der Technologie macht.“

Dummheiten erledigen sich von selbst

In der Internet-of-Things-Branche würde man derzeit „Dummheiten wie vernetztes Kinderspielzeug“ ausprobieren. „Da entstehen komische Dinge, die keinen Nutzen stiften und die Kunden nichts bringen. Diese verschwinden aber von selbst wieder vom Markt", ist Petzl überzeugt. „IoT ist allerdings erst am Beginn und es ist extrem viel möglich. Etwa die Reduktion von CO2, mehr Mobilität, Schwarmintelligenz. Was wir vorher in Science-Fiction-Filmen gesehen haben, wird jetzt möglich.“

Unternehmen aller Branchen empfiehlt Petzl daher einen „regelmäßigen Blick von oben“ auf seine Branche zu werfen. „Das ist wichtig, um zu verstehen, was Mechanismen am Markt sind. Dann kann man mitdiskutieren, mitgestalten und Rahmen setzen“. „Aber man muss sich vorbereiten“, warnt Petzl, der auch am IoT-Fachkongress von Austrian Standards sprechen wird.

IoT-Fachkongress

Der 3. IoT-Fachkongress „Mit Standards in die Zukunft – gemeinsame Innovation im Zeitalter der Digitalisierung“ findet am 23. Oktober 2019 im Austrian Standards Meeting Center in der Heinestraße 38 in Wien statt.

Noch bis 30. September 2019 läuft der Sommerpreis zur Anmeldung (Ticket um 490 Euro). Mehr auf der Website von Austrian Standards: www.austrian-standards.at/iot

Die futurezone ist Medienpartner des IoT-Fachkongresses.