© Getty Images / da-kuk/iStockphoto

Science
09/16/2019

Was die digitale Zukunft bringt

Beim FFG-Forum 2019 wurden zahlreiche Innovationen präsentiert. Vom Medikamentendrucker bis zur smarten Schuhsole.

von Andreea Iosa

„Neben Alpbach ist das FFG Forum der Knotenpunkt, wo sich die Besten der Besten treffen“, merkte Moderator Robert Kratky an. Bereits zum 11. Mal fand das Forschungsforum statt. Das Generalthema der Veranstaltung, die am 12. September im Wiener Museumsquartier über die Bühne ging, , lautete „Best of Future“: Das Beste aus der Zukunft. 

„Wir wollen nicht nur an der Oberfläche kratzen – wir wollen in die Tiefe tauchen“, sagte Andreas Wildberger von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG). Damit meint er den Tauchgang in unsere digitale Zukunft. Für viele ein abstraktes, unübersichtliches Konzept, unter dem sie sich allenfalls eine völlig vernetzte Welt vorstellen können. Wie breitgefächert das Konzept jedoch tatsächlich ist, das haben die „Tauchlehrer“ – wie Wildberger sie bildhaft nennt – anhand ihrer von der FFG geförderten Forschungsprojekte gezeigt.

Das Spektrum reicht von einem virtuellen Gitarrenlehrer über eine intelligente Schuhsohle, die mit einer App verbunden ist, bis hin zu einem Blutdruck-Messgerät, das nur zwei Finger benötigt.

CNAP misst Herz-Kreislauf-Daten präzise

„Houston, we don’t have a problem“, sagt Jürgen Fortin, Gründer und CEO des Grazer Unternehmens CNSystems. Vor 20 Jahren verkaufte der Medizintechniker den sogenannten Task Force Monitor an die NASA. Bei dem Messgerät handelt es sich um einen Kühlschrank-großen Apparat, mit dem der Blutfluß gemessen wird.

Messen am Finger

Inzwischen sind die Vorrichtungen in diesem Gesundheitsbereich kleiner geworden.  So hat sich in den vergangenen 20 Jahren die Blutdruckmessung am Finger etabliert. Mit CNAP hat CNSystems eine Technologie für Diagnose-, Forschungs- und Patientenüberwachungslösungen entwickelt. Sie gilt als verlässliche und präzise Methode für den klinischen und wissenschaftlichen Einsatz. Laut Fortin erfolgt die Herz-Kreislauf-Datenerfassung so genau, als würde sie direkt in der Arterie vorgenommen.

„Mit der Technologie werden alle Herz-Kreislauf-Parameter gemessen“, sagt er – unter anderem wie viel Liter Blut vom Herz in die Blutgefäße gepumpt werden und ob diese weit auseinander oder zusammenliegen.

Fretello macht Gitarre-Spielen leichter

„Musik ist wie Schokolade. Und Schokolade mag jeder“, sagt Birgit Tauber, Leiterin des FFG-Bereichs Basisprogramme. Damit leitet sie das Forschungsprojekt von Florian Lettner, Gründer von Fretello, ein. Seine Innovation hilft, sich das Gitarre-Spielen ohne Lehrer beziehungsweise mit virtuellem Lehrer anzueignen. „Fretello kann das Üben zwar nicht abnehmen, aber das Erlernen erleichtern“, erklärt Lettner. Dabei erhält der Nutzer Feedback zu seinem Fortschritt in Echtzeit über das Smartphone. „Die Signale werden über das Handy-Mikrofon erfasst“, erklärt er.

Zwei Millionen Musiktitel

Das Erlernen des Instruments soll mit Fretello schneller als bisher vonstattengehen. 20 Minuten drei Mal pro Woche sollen laut dem Linzer Unternehmen ausreichen, um nach kurzer Zeit schon die ersten Riffs, Licks und Solos spielen zu können. Fretello kooperiert zusätzlich mit großen Plattenfirmen wie Sony, EMI oder Kobalt/AWAL, sodass die Nutzer der App inzwischen auf zwei Millionen Musiktitel zugreifen und die Noten dazu lernen können.

 

StAPP one erhebt laufend Bewegungsdaten

„Es begann mit Rückenschmerzen“, sagt Peter Krimmer, CEO des niederösterreichischen Unternehmens StAPPtronics – „mit meinen persönlichen.“ Grund für dieses und viele andere körperliche Leiden ist oftmals Bewegungsmangel oder falsche Bewegungen. Krimmer hat eine Technologie entwickelt, mit der sich Schmerzen lindern und präventiv behandeln lassen.  Sein Produkt: eine Einlegesohle, die die Bewegungsdaten der Nutzer per Drucksensorik misst und diese über die dazugehörige App kommuniziert. Die Sensoren zeigen die Belastungszonen des Körpers an.

Gezielte Therapieformen

Mit den Daten können gezielte Therapieformen entwickelt werden. Zudem können Ärzte und Physiotherapeuten auf die für sie speziell entwickelte Diagnose-App zugreifen und das Bewegungsverhalten der Patienten analysieren. 

In Folge können die Mediziner auch ein individuelles Bewegungsprofil erstellen. Die Technologie ist laut Krimmer bereits am Markt und kostet 299 Euro. Die App ist sowohl für Smartphones und Tablets mit iOS als auch Android verfügbar.

CURRATEC härtet Harzsysteme via Lichtimpuls aus

„Wer ist heute schon mit Epoxidharzen in Berührung gekommen?“, fragt Christoph Schnöll, CEO von CURRATEC, ein Forschungsprojekt der TU Wien, das Publikum. Nur wenige heben die Hand, denn die meisten wissen nicht, was unter diesem Fachbegriff zu verstehen ist. Schnöll klärt schnell auf:  Es sind Kunstharze, die unter Zugabe passender Härter einen duroplastischen Kunststoff ergeben. Sie finden eine breite Anwendung im Bereich von Hochleistungsbeschichtungen, Industriefußböden und insbesondere als Teil von Kompositen für Windkraftwerke oder im Flugzeug-, Schiffs- und Automobilbau. Derzeit werden sie mit teilweise bedenklichen Härtern behandelt. Die Methoden sind außerdem meist energieaufwendig.

Frontalpolymersation

Die TU Wien hat eine neue Technologie entwickelt – genannt Frontalpolymersation. Damit werden Harzsysteme via Lichtimpuls ausgehärtet. 99,9 Prozent der Energie wird dabei eingespart. Das CURRATEC-Team wurde bereits bei einem Start-up-Wettbewerb in Alpbach 2019 ausgezeichnet.

RCPE druckt Medikamente im 2D-Verfahren aus

„Wir bewegen uns in Richtung personalisierte Medizin“, sagt Johannes Khinast, CEO und wissenschaftlicher Leiter des Grazer Unternehmen RCPE. Seit zehn Jahren forscht man bereits an den „Medikamenten der Zukunft“. Diese sollen in einem 2D-Verfahren gedruckt und an die individuellen Bedürfnisse der Patienten angepasst werden. Das Medikament ist ein papierdünner Streifen, der auf der Zunge schmilzt.

Medikamenten-Cocktail

Statt Patienten mehrere Pillen-Packungen zu verabreichen, werden die nötigen Substanzen in nur einem Streifen integriert. Diese werden in eine Patrone in einen Tintenstrahldrucker eingesetzt und mit dem flüssigen Arzneistoff gefüllt. Der Wirkstoff wird in Folge auf ein papierähnliches Substrat gedruckt, das sich im Mund auflöst und die Substanz freisetzt. RCPE hat damit den Weg für das erste kommerzielle Drucksystem bereitet, das bald Realität sein könnte.  Das System kontrolliert auch die Qualität der Medikamente: Mittels Kameraaufzeichnung wird der Wirkstoff, dessen Gehalt und seine Verteilung überwacht.