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© APA/AFP/BEHROUZ MEHRI / BEHROUZ MEHRI

Science
12/12/2019

Was hinter dem "unmöglichen" Schwarzen Loch stecken könnte

Vor Kurzem entdeckten Forscher ein Schwarzes Loch in unserem System, das eigentlich gar nicht existieren dürfte.

Ende November sorgte die Entdeckung eines Schwarzen Lochs bei Astronomen für Aufsehen. Das Besondere daran: Es solle so groß sein, dass es gar nicht existieren dürfte. So gingen Forscher von einer bis zu 70-fachen Masse unserer Sonne aus. Aufgrund der Zusammensetzung der Milchstraße wird das aber als unmöglich eingestuft. Schwarze Löcher können demnach nur maximal die 20-fache Masse unserer Sonne haben.

Nun gibt es eine mögliche Erklärung für das „unmögliche“ Schwarze Loch: Es könnte sich um einen Irrtum der Forscher gehandelt haben. Zwei Papers, die unabhängig voneinander veröffentlicht wurden, stoßen auf das gleiche Grundproblem, wie Livescience berichtet.

Die Größenschätzung des ursprünglichen Berichts beruht demnach darauf, dass das Schwarze Loch leicht „wackelt“, während sein dazugehöriger Stern darum rotiert. Das System trägt die Bezeichnung LB-1.

Sumoringer

Livescience erklärt es anhand eines bildlichen Beispiels: Wenn ein Sumoringer eine Bowlingkugel am Ende einer langen Kette im Kreis wirbelt, bewegt er sich auch hin und her, um das Gewicht des Balls auszugleichen. Wenn man die Masse der Kugel sowie das Ausmaß der Bewegung kennt, kann man die Masse des Sumoringers berechnen.

Wie es nun aussieht, stammt die Bewegung, die die Forscher registrierten, gar nicht vom Schwarzen Loch. Aus diesem Grund wäre die ganze Berechnung falsch.

Falsche Daten

Doch wie wurde die Bewegung falsch erfasst? Teleskope auf der Erde sind in der Regel nicht scharf genug, um exakte Bewegungen von Objekten in Sternesystemen auszumachen. Aus diesem Grund werden andere Daten herangezogen, wie etwa Muster in den einzelnen Lichtfrequenzen, die aus den Systemen hervorgehen.

LB-1 hat eine Quelle für derartige Frequenzen: Das Licht, das vom Stern im System ausgeht. Forscher können die Bewegungen dann mithilfe des Doppler-Effekts messen. Jener kann anhand einer Reihe von Emissionslinien verfolgt werden.

Die Forscher hinter den neuen Papers fanden nun eine weitere Emissionslinie in dem System, die nicht vom Stern stammt. In den ursprünglichen Messungen, waren beide Emissionslinien miteinander vermischt.

Nur eine Illusion

Das angebliche „Wackeln“ des Schwarzen Lochs war offenbar nur eine Illusion, die durch die zweite Frequenzquelle entstand. Rechnet man jene heraus, ist plötzlich keine Bewegung des Schwarzen Lochs mehr messbar.

Livescience zitiert auch andere Astronomen, wie Leo C. Stein, Astrophysiker an der Universität von Mississippi. Er zeigte sich anhand der neuen Papers „sehr skeptisch“ gegenüber dem ursprünglichen Bericht. Der Astrophysiker Kareem El-Badry war an einem der beiden neuen Paper beteiligt. Auf Twitter schreibt, er es handle sich immer noch um ein „interessantes System“.

Eines der neuen Papers spekuliert aufgrund der Erkenntnisse, dass das Schwarze Loch nun in Wahrheit „typisch“ sei und in etwa die Masse der Sonne aufweist. Mit der ursprünglichen Studie gibt es außerdem noch weitere Probleme. Forscher aus Neuseeland, Kanada und Australien denken etwa unter anderem, dass die Autoren die Entfernung zum System wahrscheinlich falsch eingeschätzt hatten.