© NASA Ames Research Center

Raumfahrt

Weltraumkoloniepläne der 70er bleiben Zukunftsmusik

Durch das "Space Race" zwischen den USA und der Sowjetunion sowie die ersten Mondlandungen schien die Besiedelung des Weltraums in greifbarer Nähe. Wie der Guardian berichtet, führte das NASA Ames Research Center Studien zum Aufbau von riesigen Weltraumkolonien durch. Obwohl man die schädlichen Effekte langer Aufenthalte von Menschen in der Schwerelosigkeit noch gar nicht richtig erforscht hatte, schien dabei ein Leben mit künstlicher Gravitation als die sinnvollste Variante. Die NASA beschäftigte sich also intensiv mit Formen wie rotierenden Rädern, Kugeln und Zylindern, die jeweils zwischen 10.000 und einer Million Menschen beherbergen sollten.

L5

Als bester Standort für mehrere solcher gigantischen Konstruktionen wurde vor allem der Lagrange-Punkt L5 des Mondes gesehen, eine Stelle auf der Erdumlaufbahn, die gleich weit von Erde und Mond entfernt liegt und eine stabile Verankerung einer Raumstation ohne größere Kurskorrekturen erlaubt. In den 70ern wurde sogar eine Bewegung ins Leben gerufen, die eine Weltraumkolonie bis zum Jahr 1995 errichten wollte. Ihr Motto: "L5 in '95!"

Fester Boden statt Vakuum

Von den großen Plänen blieb nach der Erkenntnis, dass die anvisierten Ziele wohl doch nicht so leicht erreichbar sein würden, nicht viel übrig. Heutige Kolonievisionen beschäftigen sich mehrheitlich mit dem Mond oder dem Mars (allen voran Mars One). Weltraumkolonien scheinen dagegen weniger geeignet als sich selbst erhaltende Systeme. In kleinerem Maßstab könnten Menschen aber zukünftig das interplanetare Leben schnuppern - etwa in Raumstationen aus aufblasbaren Modulen, wie es das Unternehmen Bigelow Aerospace vorsieht.

Meteoritenabbau

Die Vorstellung von Weltraumkolonien fasziniert viele Menschen weiterhin. Einer der ehemaligen Anhänger der L5-Bewegung, Rick Tumlinson, hat Deep Space Industries gegründet, ein Unternehmen, das Meteoriten einfangen und als Rohstoffquelle nutzen will. Dass Tumlinson seine Ideen realisieren kann, hat er bereits bewiesen. 1999 gründete er mit anderen Weltraumfans das Raumfahrtunternehmen MirCorp, um erstmals kommerziell Allaufenthalte anzubieten. Diese Chance nutzte der US-Unternehmer Dennis Tito. Er wurde zum 2001 ersten Weltraum-Tourist.

Beginn in Österreich

Der erste Entwurf einer ringförmigen Raumstation, die durch Rotation künstliche Gravitation erzeugt, stammt im Übrigen vom Raketenpionier Herman Potocnik aus dem kaiserlichen Österreich-Ungarn. In seinem 1928 erschienenen Buch "Das Problem der Befahrung des Weltraums" schildert er eine Raumstation, die aus einem rotierenden Wohnrad, einem Solarkraftwerk und einem Observatorium besteht

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David Kotrba

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