Zerstörte Satelliten im Weltall

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Science
10/18/2020

Wie ein Krieg im Weltraum aussehen wird

Anstatt wie in Star Wars wird ein Kampf in der Erdumlaufbahn eher wie ein Schachspiel ablaufen.

Kriegsführung im Weltraum wird in absehbarer Zeit weder wie in Star Wars, noch in Star Trek ablaufen. Die Aerospace Corporation hat einen Bericht dazu veröffentlicht, der die Möglichkeiten der Kriegsführung im All, anhand der physikalischen Limitationen, beschreibt.

Da Kampfraumschiffe noch keine Option sind, geht es in dem Bericht um Satelliten. Diese sind für viele Nationen und deren Streitkräfte essentiell zur Kommunikation und können dadurch zu lukrativen Angriffszielen werden. Demnach seien beim Konflikt im Orbit folgende Hauptpunkte zu beachten:

  • Satelliten sind schnell, aber vorhersehbar
  • Der Weltraum ist groß
  • Timing ist alles
  • Satelliten manövrieren langsam

Satelliten sind schnell

Satelliten bewegen sich im All mit 3 bis 8 Kilometer pro Sekunde fort. Das ist zwar sehr schnell, aber die Orbits sind vorhersehbar. Selbst nach Manövern muss ein Satellit in absehbarer Zeit zu seinem regulären Orbit zurückkehren. Das heißt man kann relativ gut vorhersagen, wann er wo sein wird.

Der Weltraum ist groß

Der Raum zwischen dem niedrigen Erdorbit (LEO) und dem geostationären Erdorbit (GEO) hat ein Volumen von ca. 200 Trillionen Kubikkilometer. Das ist 190-mal mehr als das Volumen der Erde. Es macht also keinen Sinn, wie bei einem Krieg auf der Erde, zu versuchen ein bestimmtes Gebiet zu kontrollieren. Dazu ist der Weltraum zu groß und die Satelliten zu schnell.

Timing ist alles

Während auf der Erde ein Flugzeug relativ einfach die Richtung ändern kann, ist das im Weltall für einen Satelliten nicht möglich. Das Anpassen der Geschwindigkeit bzw. Verändern der Position relativ zur Erde, ist immer mit einem Wechsel der Höhe verbunden. Damit ein Satellit einen anderen erreicht um ihn zu bekämpfen, muss ein Manöver tage- oder sogar wochenlang zuvor gestartet werden. Stimmt das Timing nicht, verpassen sich die Satelliten.

Satelliten manövrieren langsam

Satelliten sind nicht dafür gedacht, wie Kampfjets auf der Erde oder X-Wings aus Star Wars durchs All zu fliegen. Deshalb sind die Steuerdüsen nur für kleine Kurskorrekturen gedacht. Daher dauern die Manöver von Satelliten sehr lange. Außerdem ist der Treibstoff der Satelliten für diese Manöver beschränkt. Es wird immer versucht mit dem geringsten Treibstoffaufwand das gewünschte Resultat zu erzielen.

Wie eine Attacke abläuft

Dass Satelliten mit Waffen oder Strahlenwaffen auf andere Satelliten schießen, ist eher unwahrscheinlich. Dazu fehlt die nötige Technologie bzw. die Energie an Bord. Viel wahrscheinlicher ist es, dass versucht wird, einen Satelliten mit einem anderen Satelliten zu rammen.

Eine Frontalattacke ist für die meisten Satelliten nicht möglich, da das Angriffsobjekt direkt in denselben Orbit wie das Ziel, aber in die entgegengesetzte Richtung, gebracht werden muss. Verhält sich das Ziel anders gegenüber der Berechnungen, hätte ein angreifender Satellit vermutlich zu wenig Treibstoff, um schnell seine Flugbahn anzupassen. Frontalattacken kommen deshalb eher bei Anti-Satelliten-Raketen zum Einsatz, die vom Boden aus gestartet werden. Diese haben, für genau diesen Zweck, genug Treibstoff an Bord.

Eine andere Möglichkeit ist das Abfangen, indem sich die 2 Orbits der Satelliten kreuzen. Dies erfordert perfektes Timing und eine gute Planung. Der Vorteil ist, dass der Angriffssatellit erst kurz vor der Kollision das entscheidende Manöver machen kann, um seine Flughöhe auf die des Ziels anzupassen. Dies gibt den Besitzern des Ziel-Satelliten wenig Vorwarnung und kaum Zeit, um Ausweichmanöver einzuleiten.

Bei einer Attacke von hinten hat der angreifende Satellit die meiste Zeit, um die Flugbahn an das Ziel anzupassen. Hier hat das Kommando des Ziel-Satelliten aber auch die meiste Vorlaufzeit und könnte misstrauisch werden, wenn sich ein anderer Satellit langsam aber stetig von hinten nähert. Der Nachteil bei dieser Methode ist, dass für das finale Rammmanöver genügend Treibstoff an Bord sein muss, um ausreichend Energie beim Aufprall zu erzeugen. Alternativ könnte der angreifende Satellit versuchen mit einer Waffe das Ziel zu beschießen, was aber aus heutiger, technischer Sicht schwer umsetzbar ist.

Gefahr von Trümmern

Bei der Attacke von vorne und dem Kreuzen ist die Gefahr sehr groß, dass Trümmer entstehen, die sich unkontrolliert ausbreiten. Das könnte unbeteiligte Satelliten beschädigen oder sogar andere Satelliten des Angreifers.

Trümmerfelder können auch permanent Plätze im Orbit für Satelliten blockieren, die zukünftig ins All geschossen werden. Bei einer Attacke entstehen weniger Trümmer, da die Aufschlagenergie, aufgrund des geringeren Geschwindigkeitsunterschieds zwischen den 2 Satelliten, schwächer ist.

Schachspiel im All

Am ehesten erfolgreich wäre demnach ein Überraschungsangriff. Das ist aber schwierig, da die Nationen ihre Satelliten gut überwachen und es auch unabhängige Stellen gibt, die das Treiben im Orbit beobachten. Da die Satelliten mit ihrem Treibstoff für Manöver haushalten müssen, könnte also ein Schachspiel im All entstehen.

Der Angreifer agiert, der Verteidiger reagiert, indem er ausweicht. Die Kontrahenten würden dann versuchen die Manöver ihres Gegners vorherzusehen, also einen Schritt voraus zu sein, um zum gewünschten Resultat zu kommen. Das Ganze kann sich über Tage oder Wochen ziehen. Das könnte der Angreifer zum Vorteil nutzen. Muss der Ziel-Satellit so navigieren, dass seine primäre Funktion vorübergehend eingeschränkt ist, ist das gewünschte Resultat womöglich ebenfalls erreicht.

Elektronische Kriegsführung

Dieses Ziel könnte auch von der Erde aus erreicht werden, indem elektronische Kriegsführung eingesetzt wird. Dazu wird vom Boden aus entweder ein Signal geschickt, um die Signale des Ziel-Satelliten zu blockieren (Jamming), oder versucht falsche Befehle zu schicken (Spoofing), indem das Kontroll-Signal des Besitzers imitiert wird. Je nach Orbit des Satelliten könnte es von einer Bodenstation des Angreifers aus nicht möglich sein, das gewünschte Ziel mit so einem Signal zu erreichen.

Schließlich besteht noch die Option von Cyberwarfare, also das Hacken des Satellit oder der Bodenstation, um falsche Befehle zu übermitteln. Während so ein Hackerangriff unmittelbar Resultate bringen könnte, während ein Versuch einer Rammattacke Tage bis Wochen dauert, muss man zuvor erst in die Netzwerke des Gegners eindringen. Je nachdem wie gut die Cybersicherheitsmaßnahmen sind, ist das vielleicht nicht möglich. Eine Satelliten-Rammattacke ist aber theoretisch immer eine Option– solange man steuerbare Satelliten im All hat.

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