Comet NEOWISE above Hungary

© EPA / GYORGY VARGA

Science
07/15/2020

Wie man den Kometen Neowise am besten beobachten kann

In den kommenden Tagen sollte Neowise besonders gut sichtbar sein, auch mit bloßem Auge. Wir geben Tipps zum Kometen-Schauen.

von David Kotrba

Der Komet Neowise - offizieller Name C/2020 F3 - wurde erst im März entdeckt. Er zählt heute zu den hellsten Kometen, die in den vergangenen Jahrzehnten am Nachthimmel auftauchten. In den vergangenen Tagen sind bereits zahlreiche spektakuläre Aufnahmen im Internet gelandet. Neowise ist darauf als typischer Schweifstern, mit einem hellen Kopf und einem langen Schleier, zu sehen.

Sein momentanes Aussehen verdankt der Stern der großen Nähe zur Sonne. Auf seiner Umlaufbahn kommt er der Sonne nur rund alle 6.700 Jahre so nahe, dass seine Hülle "ausgast". Die dabei freiwerdenden Staubwolken und Gase bilden den typischen Kometenschweif. Die Nähe zur Sonne macht den Kometen erst von der Erde aus sichtbar.

Optimale Zeitfenster

Durch die Flugbahn des Kometen und seine Position in Relation zur Erde ist der Komet nur unter bestimmten Voraussetzungen zu sehen. "Eigentlich kann man ihn momentan die ganze Nacht sehen, aber am besten sichtbar ist er zwischen 22:30 und 23:30 und dann wieder zwischen 2:30 und 3:30 zu sehen", erklärt Alexander Pikhard von der Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie (WAA).

Der Komet taucht dabei am nördlichen Nachthimmel knapp über dem Horizont auf. Am Abend eher in der Himmelsrichtung Nord-Nord-West, in der Früh in Nord-Nord-Ost. Seine Position befindet sich dabei zwischen den Sternbildern Fuhrmann (Auriga) und Luchs (Lynx). Sein Aussehen ist relativ diffus. "Er ist eher ein Fleck, nicht so ein Punkterl wie ein Stern", meint Pikhard. So wie auf den fantastischen Bildern, die man von Neowise im Internet findet, sehe der Komet bei Beobachtung mit freiem Auge jedenfalls nicht aus.

Neumond macht Himmel dunkel

In den kommenden Tagen sollte der Komet wegen der Position des Mondes besonders gut sichtbar sein. "Am 20. Juli ist Neumond. Plus-minus vier, fünf Tage ist die beste Beobachtungszeit, weil der Himmel sehr dunkel ist", erklärt der Astronom. "Beim abnehmenden Mond vor dem 20. Juli wird eher die Sichtbarkeit in der Früh gestört, beim zunehmenden Mond nach dem 20. eher die Sichtbarkeit am Abend."

Durch die Fortbewegung des Komets auf seiner Sonnenumlaufbahn wird seine Sichtbarkeit von der Erde aus im Verlauf der kommenden Wochen immer schlechter. "In ein bis 2 Wochen wird man ihn mit bloßem Auge nicht mehr so gut sehen können. Mit einem Fernglas ist er aber definitiv noch bis Ende August sichtbar", sagt Pikhard.

Freier Blick nach Norden

Die komfortabelste Zeit, um den Kometen zu erblicken, wäre also in den nächsten 5 Tagen jeweils zwischen 22:30 und 23:30 - vorausgesetzt das Wetter spielt mit. Pikhard: "Leider sind die aktuellen Prognosen nicht sehr ermutigend. Wir sind genau zwischen 2 Schlechtwettergebieten eingezwickt. Das macht die Sache komplett unvorhersagbar." In Niederösterreich und Wien wäre die Lage theoretisch noch am besten.

Wer sich selbst auf die Suche nach dem Kometen am Himmel begeben möchte, sollte laut Pikhard am besten Wien verlassen - allerdings weniger wegen der Lichtverschmutzung als wegen dem freien Blick nach Norden. Laut dem Experten sollte man einen möglichst freien Blick auf den nördlichen Horizont haben. Aus diesem Grund veranstaltet die WAA auch Beobachtungstreffen auf der Sophienalpe, knapp außerhalb der Stadtgrenze im Westen Wiens.

Experten helfen beim Finden

"Dort hat der Orkan Kyrill im Jahr 2007 eine Schneise in den Wald gerissen, damit ist der Blick nach Norden frei." Außerdem hätte auf der Sophienalpe ein größerer Personenkreis, als etwa auf dem Leopoldsberg, die Möglichkeit, mit ausreichendem Corona-Sicherheitsabstand auf Kometensuche zu gehen. Für Laien sei dies oftmals nicht einfach. "Der Komet steht im hintersten Winkel, wo man normal nicht hinschaut und mitunter keinen Blick hat. Außerdem ist er nicht so auffällig."

Bei den "Astropraxis"-Treffen der WAA auf der Sophienalpe helfen Experten beim Auffinden des Kometen. Auf einer Facebook-Seite kann man sich über kommende Termine informieren. Bei Schlechtwetter kann es zu kurzfristigen Absagen kommen. Teilnehmer sollten Corona-bedingt ihr eigenes Fernglas mitbringen. Ausborgen von anderen Personen ist tabu. "Ein starkes Fernglas ist das beste Instrument zur Kometenbeobachtung", meint Pikhard. Teleskope hätten eine zu starke Vergrößerung.

Nächste Gelegenheit ungewiss

Wer unbedingt Kometen sehen will, es in den nächsten Wochen aber nicht schafft, kann womöglich lange auf eine ähnlich gute Gelegenheit warten. "Der Komet Hale-Bopp war 1997 der letzte, den wirklich jeder gesehen hat. Danach gab es schon noch 2 andere, die man mit Fernglas sehen konnte. Neowise ist sicherlich der am besten sichtbare seit Hale-Bopp."

Langfristig planbar seien ähnliche Kometenbeobachtungen kaum. "Die Kometen, die man kennt, sind kurzperiodisch [umkreisen die Sonne wie die Planeten relativ schnell]. Die sind aber allesamt schon sehr ausgelaugt. Die Kometen, die einen schönen Schweif bilden, kennt man noch nicht. Die Kerle sieht man nicht, bevor sie beginnen auszugasen." Mit viel Glück könnte es aber jederzeit wieder zum Auftauchen eines "schönen" Kometen kommen, der mit freiem Auge sichtbar ist. "Es könnte heute ein Komet entdeckt werden, der im September alles in den Schatten stellt, was wir je erlebt haben."