Science
25.06.2018

Winzigster Computer der Welt misst 0,3 Millimeter

IBMs Minicomputer in Salzkorngröße ist riesig im Vergleich zu dem, was Forscher an der University of Michigan entwickelten.

Als der langjährige Rekordhalter des kleinsten Computer der Welt, die University of Michigan, diesen Titel im März an IBM abgeben musste, dürfte einige Forscher dort der Ehrgeiz gepackt haben. Nun, einige Monate später hat die Universität nachgelegt und einen Computer produziert, der mit 0,3 Kubikmillimeter Größe die IBM-Version fast um den Faktor zehn unterbieten konnte. Er ist so klein, dass er problemlos auf die Spitze eines Reiskorns platziert werden kann, wie die Forscher mitteilten.

Innovativer Aufbau

Das Mikrogerät verfügt über RAM, Prozessoren, Funk-Chips zum Senden und Empfangen von Daten und Photovoltaik-Komponenten, die benötigt werden, um das System mittels Licht mit Strom zu versorgen. Damit das funktioniert, musste das Team auf eine transparente Bauweise setzen, was wiederum neue Erfindungen im Bereich der Schaltkreise notwendig machte. Wie das IBM-System kann der Mikro-Computer die Daten und die Programmierung nicht speichern, wenn die Energieversorgung gekappt wird.

Wissenschaftlich gesehen müsse man daher auch diskutieren, ob es sich beim IBM-System und dem auf den Namen "Michigan Micro Mote" getauften System überhaupt um "echte" Computer handle. Konzipiert ist der Micro Mote als äußert genauer Sensor, der die Temperatur in Zellstrukturen mit maximal 0,1 Grad Celsius Abweichung messen und diese Daten übermitteln kann.

Zur Tumorbekämpfung

Konkret soll der Mikro-Computer bei der Erforschung von Tumoren zum Einsatz kommen. Seit längerem gehen Forscher davon aus, dass die Temperatur in Tumoren im Vergleich zum nicht befallenen Gewebe höher ist. Da aktuell keine so genauen Messungen existieren, bleibt diese Theorie weiterhin eine Annahme. Das Mikrosystem ist biokompatibel und kann folglich zum Messen derartiger Zellen implantiert werden. Erste Tests sollen nun mit Mäusen durchgeführt werden. Bestätigt sich die Annahme der veränderten Temperatur, könnte die Tumorbehandlung angepasst werden.