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Start-ups

Impulssparen statt Impulskäufe

"Körperliche, mentale und finanzielle Gesundheit sind eng miteinander verknüpft. Geldsorgen wirken sich auch auf andere Lebensbereiche aus und sind wesentliche Faktoren für Stress, psychische Belastungen und Depressionen", sagt Martin Granig, Mitgründer des Tiroler Unternehmens Monkee. Mit seiner gleichnamigen App will das Start-up Nutzern dabei helfen, finanziell gesund zu bleiben und Geld zu sparen.

Sparen auf Knopfdruck

Nach der Angabe eines Sparziels, wie etwa der nächste Urlaub, ein neuer Laptop, die Jahresprämie für die Versicherung oder dem Aufbau eines Notgroschens, werden Wochenziele formuliert und Nutzer dazu motiviert, sie Schritt für Schritt umzusetzen.

Um die App zu nutzen, muss sie mit einem Girokonto verknüpft werden. Werden Nutzer über eine Push-Nachricht am Smartphone an ihre Sparziele erinnert, können sie dann auf Knopfdruck Geld auf ein Sparkonto überweisen.

Nudging

Monkee bedient sich dabei einer Methode aus der Verhaltensökonomie, dem sogenannten Nudging, bei dem kleine Anstöße größere Verhaltensänderungen bewirken sollen. "Wir arbeiten mit ähnlichen Mechanismen wie die Konsumbranche. Anstatt aber zum Konsum zu motivieren, wollen wir zum Impulssparen anregen", sagt Granig. Mithilfe von Datenanalysen und maschinellen Lernen wird errechnet, wann Nutzer für solche "Nudges" besonders empfänglich sind.

Corona-Krise lässt Nutzerzahlen steigen

Mittlerweile zählt die App fast 50.000 Nutzer. Die Corona-Krise habe das Wachstum beschleunigt, sagt Granig. Auch der von den Nutzern durchschnittlich gesparte Betrag habe sich seit dem Beginn der Pandemie auf monatlich 143 Euro verdoppelt. Viele Leute seien in Kurzarbeit, würden deshalb weniger verdienen und wegen Haushaltsrechnungen ins Trudeln geraten: "Das Thema Sparen ist präsenter als jemals zuvor."

Neben dem Anlegen eines finanziellen Buffers seien vor allem Urlaub und Konsumgüter wie E-Bikes oder Laptops beliebte Sparziele, erzählt Granig.

Monkee-Gründer: Jean-Yves Bitterlich, Christian Schneider und Martin Granig (v.l.n.r.)

Ebenso wie sein Mitgründer Christian Schneider war er zuvor beim Tiroler Kristallglashersteller Swarovski im Innovationsmanagement tätig. Das Thema Finanzen faszinierte die beiden auch damals schon. 2018 kündigten sie ihren Job und arbeiten seitdem Vollzeit an dem digitalen Finanzcoach. Komplettiert wurde das Gründerteam durch Jean-Yves Bitterlich, der für die technische Umsetzung verantwortlich ist.

Partnerschaften mit Unternehmen

Geld verdient das Start-up über Partnerschaften mit Unternehmen. Werden etwa Urlaube oder Konsumartikel, für die die Nutzer gespart haben, bei solchen Partnerunternehmen erworben, fließen Kommissionszahlungen. Die kommen auch den Nutzern zugute und werden als "Future Boost" für zukünftige Sparziele auf die Sparkonten überwiesen. Für die Idee auf  Produkte zu sparen, anstatt sie mit Konsumkrediten zu finanzieren, wurde das Start-up vor kurzem mit dem Retail Innovation Award des österreichischen Handelsverbands für die beste digitale Lösung ausgezeichnet.

Auch über Einkäufe für den täglichen Bedarf bei Partnerunternehmen kann das Sparguthaben erhöht werden. Mit rund 130 Firmen, von Online-Reisevermittlern über Elektrohändler bis zu Lebensmittel- und Kosmetikhändlern, arbeitet das Tiroler Start-up zusammen.

Als Bankpartner fungiert Mango Pay aus Luxemburg. Besichert werden die Einlagen von der ING. Nutzer können jederzeit auf das Geld zugreifen. Zinsen erhalten sie für ihre Sparguthaben allerdings keine.

Investmentprodukt in Arbeit

Um ihre Ziele zu erreichen, würden sich Nutzer meist zwischen 6 Monate und 4 Jahre Zeit geben, erzählt Granig. Das Sparverhalten der Monkee-Nutzer sei sehr unterschiedlich. Einige würden auch sparen, um in Aktien oder Fonds investieren zu können.

Um auch längerfristige Finanzvorhaben zu unterstützen, arbeitet das Start-up auch an einem Investmentprodukt. Die Markeinführung ist für das kommende Jahr geplant. "Das hängt vom Timing unseres Partners ab", sagt Granig.

Finanzierungsrunde vor Abschluss

Finanziert wurde das in einem Vorort von Innsbruck ansässige Start-up, das mittlerweile 8 Mitarbeiter zählt, durch die Gründer und eine Förderung der Förderbank austria wirtschaftsservice (aws). Seit dem Frühjahr 2019 ist auch ein Business-Angel an Bord. Eine neue Finanzierungsrunde steht kurz vor dem Abschluss.

Derzeit ist die Monkee-App in Österreich und Deutschland erhältlich. In den beiden Ländern gebe es noch genügend Wachstumspotenzial. Längerfristig sei auch die internationale Expansion Thema, sagt Granig.

Budgetplanung

Als Nächstes soll die App um Funktionen zur Budgetplanung erweitert werden. Dabei sollen Gamification-Elemente zum Einsatz kommen. Granig: "Wir sehen noch viele Möglichkeiten, Dienste anzubieten, die auf finanzielle Gesundheit und Fitness setzen."

 

Dieser Artikel entstand im Rahmen einer Kooperation zwischen futurezone und austria wirtschaftsservice (aws).

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Patrick Dax

pdax

Kommt aus dem Team der “alten” ORF-Futurezone. Beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit digitaler Musikwirtschaft, Urheberrecht, Netzpolitik und Medien. Interessiert sich auch für Start-ups, kollaborative Software und Aufschreibsysteme aller Art. Kinder und Tiere behandelt er gut.

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