Burnout is killing his career

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Start-ups

Künstliche Intelligenz erledigt monotone Büroarbeit

Zahlen aus Excel-Listen in andere Programme übertragen, verschiedene Formulare mit denselben Kundendaten befüllen oder Dokumente am Monatsende verschieben und umbenennen. Das alles sind monotone, ermüdende Tätigkeiten, die bei Mitarbeiter*innen im Büro zu Frust führen. Gemacht werden müssen sie aber dennoch. Viele Unternehmen bringen deshalb Programme zum Einsatz, die solche repetetiven Tätigkeiten automatisiert erledigen.

Sogenannte RPA-Software, das Kürzel steht für Robotic Process Automation, hat aber ihre Tücken. Um die Programme effizient einzusetzen sind oft Programmierkenntnisse vonnöten, was zusätzliche Ressourcen erfordert. Das Grazer Start-up AnyConcept hat eine Lösung entwickelt, mit der monotone Bürotätigkeiten mithilfe von künstlicher Intelligenz (KI) einfach und intuitiv automatisiert werden können.

"Man kann sich unsere Software als eine Art virtuellen Praktikanten vorstellen", sagt Leander Zaiser, der Anyconcept im vergangenen Jahr gemeinsam mit Manuel Weichselbaum, Pascal Goldschmid und Kevin Intering gründete. "Man zeigt ihm bei der Einschulung am Bildschirm vor, was zu tun ist und er kann das wiedergeben. Er ist ein visueller Lerntyp."

Reinforcement Learning

Dazu wird die künstliche Intelligenz von dem Start-up so trainiert, dass sie das User Interface von Betriebssystemen, etwa Windows 10, versteht. Die Software müsse sich auf Basis visueller Daten selber millionenfach durchklicken und werde dadurch immer besser, erläutert Mitgründer Weichselbaum.

Im Fachjargon wird dies "Reinforcement Learning" ("Bestärkendes Lernen") genannt. Auf diese Art lerne die Software den Bildschirminhalt eines PCs zu verstehen und erkennt etwa, ob es sich um eine Excel-Zeile, ein Eingabefeld eines Formulars oder einen Web-Browser handle. "Das funktioniert auch, wenn Fenster maximiert oder minimiert werden oder sich Eingabeknöpfe verschieben", sagt Weichselbaum.

Der "virtuelle Praktikant" werde durch das Training von dem Start-up mit einer Palette an Fähigkeiten ausgestattet, erläutert der AnyConcept-Mitgründer: "Die Einschulung auf spezielle Tätigkeiten passiert dann vor Ort im Unternehmen."

Im Wesentlichen gehe es darum, Medienbrüche zwischen Anwendungen zu überwinden. So könnten Daten etwa zwischen Excel, E-Mail, PDFs und dem Web übertragen werden, auch wenn keine Schnittstelle verfügbar sei.

AnyConcept-Gründer: Leander Zaiser, Manuel Weichselbaum, Pascal Goldschmid und Kevin Intering (v.l.n.r.).

Erste Pilot-Kunden

Derzeit arbeitet AnyConcept an der Entwicklung eines Prototypen. Gemeinsam mit Pilot-Kunden wird dazu bereits an der Automatisierung einzelner Prozesse getüftelt. Ein erstes minimal funktionsfähiges Produkt (minimal viable product) soll voraussichtlich bis Herbst 2022 vorliegen. Zaiser: "Wir haben noch einiges an Entwicklungsarbeit vor uns. Es ist ein forschungslastiges Thema."

Zum Einsatz kommen sollen die "virtuellen Praktikanten" des Start-ups etwa bei Banken, Telekommunikationsunternehmen oder im Gesundheitsbereich. "Überall dort, wo Prozesse standardisiert sind", sagt Zaiser. Die Software des Start-ups soll dabei nicht über die Cloud angeboten, sondern direkt beim Kunden "on premises" installiert werden. Weichselbaum: "Die Daten bleiben beim Kunden. Datenschutz und Sicherheitsthemen sind dadurch einfacher zu handhaben."

Finanziert wird das Start-up durch eine PreSeed-Förderung der Austria Wirtschaftsservice (aws). Die Arbeit mit ersten Pilot-Kunden soll schon bald erste Umsätze bringen.

Sind Jobs in Gefahr?

Sind durch den Einsatz solcher Programme Jobs in Gefahr? Nein, sagt Zaiser, der während seines Wirtschaftsstudiums selbst bei einer Bank beschäftigt war. Jobs, bei denen rein repetitive Tätigkeiten durchgeführt werden, gebe es kaum noch. Aus eigener Erfahrung wisse er, dass es zwar viele monotone Tätigkeiten gebe, aber auch sehr viele, die das nicht seien.

Die Software seines Start-ups ermögliche es, die Automatisierung in die Hand der Mitarbeiter*innen zu legen, die sich damit Raum für kreativere Tätigkeiten schaffen könnten. "Anstatt Dokumente abzulegen, kann ich mir dann etwa überlegen, wie das Kundenerlebnis verbessert werden kann."

Man dürfe die Fähigkeiten eines solchen Programms auch nicht überschätzen, meint der Gründer. Die Intelligenz liege ausschließlich in der Automatisierung. „Es kann nur einfache Tätigkeiten ausführen und Mitarbeiter*innen zuarbeiten. Ersetzen kann es sie nicht."

Dieser Artikel entstand im Rahmen einer Kooperation zwischen futurezone und Austria Wirtschaftsservice (aws).

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Patrick Dax

pdax

Kommt aus dem Team der “alten” ORF-Futurezone. Beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Innovationen, Start-ups, Urheberrecht, Netzpolitik und Medien. Kinder und Tiere behandelt er gut.

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