Magnetic Resonance Imaging ( MRI ) of brain and Stroke

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Start-ups

Klinische Tests für "Navigationssystem für Chirurgen" starten

Das Linzer Start-up CortEXplore hat ein System entwickelt, mit dem neurochirurgische Operation detailliert geplant werden können und das bei der Durchführung der äußerst komplexen Eingriffe hilft (die futurezone hat berichtet).

Derzeit kommt das "Navigationssystem für Chirurg*innen" nur zu Forschungszwecken zum Einsatz. Für die Anwendung am Menschen ist es noch nicht zugelassen. Das soll sich aber bald ändern. Im November starten klinische Studien am Neuromed Campus am Linzer Universitätsklinikum. "Wir rechnen, dass das System Ende 2022 zugelassen wird", sagt Stefan Schaffelhofer, der CortEXplore Ende 2018 gründete.

Wie funktioniert das System?

Wie aber funktioniert das System? Zum Einen unterstützt es Chirurg*innen bei der Planung von Gehirnoperationen. Dazu wird aus bildgebenden Verfahren wie Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRI, fMRI) ein dreidimensionales Modell von Haut- und Knochenschichten sowie Gehirngeweben und Gefäßen errechnet. Ärzt*innen können damit die Eingriffe detailliert planen und den Zugang zum Tumor legen. "Sie sehen, auf welche Gefäße sie treffen und wo man aufpassen muss", erläutert Schaffelhofer, der bei einem Forschungsaufenthalt in den USA vor 5 Jahren mit der Entwicklung des Systems begann.

Unterstützt wird dabei auch Mixed Reality. Mittels einer HoloLens-Brille wird ein 3D-Hologramm projiziert, auf dem Chirurg*innen genau sehen können, wo und wie sie ihre Instrumente ansetzen müssen.  

"Wie ein Röntgenblick"

Auch bei der Operation selbst gibt es Hilfestellungen. Hochauflösende Kameras, die im Operationssaal montiert sind, können die chirurgischen Instrumente präzise am Bildschirm erkennen.

"Virtuelle und reale Welt werden überlagert", erläutert Schaffelhofer. Chirurg*innen sehen Winkelfehler oder Unterschiede zum chirurgischen Plan und auch die inneren anatomischen Strukturen. "Es ist wie ein Röntgenblick."

CortEXplore-Gründer Stefan Schaffelhofer (links) und Robert Prückl

Bisher wurden solche Operationen meist mit einem stereotaktischen Rahmen, in dem der Kopf des Patienten und die medizinischen Instrumente fixiert wurden, durchgeführt. Erste computerunterstützte Systeme bringen 2 Kameras zum Einsatz. Bei der CortEXplore-Lösung tasten bis zu 12 Kameras den Kopf des Patienten bei der Operation ab. Neben der höheren Präzision und dem größeren Messvolumen biete ein solches Multikamerasystem auch den Vorteil extremer Ausfallsicherheit. "Selbst wenn 10 Kameras ausfallen, ist das System noch in der Lage zu messen", sagt der Gründer.

In der Forschung bereits im Einsatz

Geräte für Forschungsanwendungen wurden bereits in die USA, nach Kanada, Belgien, Deutschland und Italien verkauft, erzählt Schaffelhuber. Im Forschungsbereich kosten die Systeme des Start-ups zwischen 70.000 und 100.000 Euro. Systeme für den Einsatz bei neurochirurgischen Operationen sollen zwischen 150.000 und 200.000 Euro kosten.

Nach erteilter Zulassung rechnet Schaffelhofer mit Einnahmen von 20 bis 30 Millionen Euro jährlich aus dem medizinischen und 2 bis 3 Millionen Euro pro Jahr aus dem Forschungsbereich. Insgesamt wird der Markt für Neuronavigationsgeräte weltweit auf rund 600 Millionen Euro jährlich geschätzt.

Globaler Vertrieb

Zeitnah zur Zulassung des Systems will Schaffelhofer auch Investor*innen an Bord holen, um Marketing und globalen Vertrieb für das System aufzubauen. "Das ist sehr kostenintensiv", sagt der Gründer. Bislang wurde das Start-up aus Förderungen, unter anderem von der Austria Wirtschaftsservice (aws) und der Forschungsförderungsgesellschaft FFG, sowie aus eigenen Umsätzen finanziert. Auch ein Business Angel ist an Bord.

Künftig will CortEXplore sein System, das sich derzeit auf Operationen im Gehirn beschränkt, auf Eingriffe in das Rückenmark und bewegliche Organe, wie etwa Bauch oder Leber, ausweiten und die Alogrithmen entsprechend weiterentwickeln.

Dieser Artikel entstand im Rahmen einer Kooperation zwischen futurezone und aws (austria wirtschaftsservice).

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Patrick Dax

pdax

Kommt aus dem Team der “alten” ORF-Futurezone. Beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Innovationen, Start-ups, Urheberrecht, Netzpolitik und Medien. Kinder und Tiere behandelt er gut.

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