Das Warten auf die Bedienung zum Bestellen und Bezahlen kann frustrierend sein. Die getsby-App will Abhilfe schaffen

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Start-ups
08/06/2019

Mit dieser App muss man nie mehr im Lokal auf den Kellner warten

Das Wiener Start-up getsby bietet eine Smartphone-Anwendung, die den Bezahl- und Bestellvorgang im Restaurant digitalisiert.

von Florian Christof

Ein Gast nimmt im Restaurant an einem Tisch Platz, zückt das Smartphone, scannt die Tischnummer und bestellt Speisen und Getränke per App. Das Servicepersonal wird über die Bestellung informiert. Nachdem alles gegessen und getrunken ist, steht der Kunde einfach auf und verlässt das Lokal. Bezahlt hat er bereits – per App. 

Was nach Zukunftsmusik klingt, bietet das Wiener Start-up getsby bereits mit seiner gleichnamigen Smartphone-App an, für Android und iOS. "Seit Jänner diesen Jahres ist unsere App im Vollbetrieb. Seither konnten wir bereits Tausende Nutzer gewinnen und arbeiten mit mehr als 50 Wiener Lokalen zusammen", erklärt Petar Iliev, Mitgründer und Geschäftsführer von getsby im Gespräch mit der futurezone. "Unser neuester Zugang ist das Restaurant Donaubriese. Ab August können dort alle Badegäste im Strandbad Gänsehäufel per App bestellen und bezahlen."

Wie getsby funktioniert

Öffnet man die App, werden per Standortdaten die nächstgelegenen Lokale angezeigt, bei denen man mit  getsby bestellen und bezahlen kann. Ein Klick auf ein Restaurant öffnet prompt die Speise- und Getränkekarte des Lokals. "Im Grunde funktioniert die Smartphone-Anwendung wie die mobilen Bestellterminals, mit denen das Servicepersonal oft die Bestellungen am Tisch aufnimmt", sagt Iliev

Nach dem Essen muss nicht gewartet werden, bis ein Kellner mit einer Geldtasche kommt, da direkt in der getsby-App und der darin hinterlegten Kreditkarte bezahlt wird. "Dadurch hat das Servicepersonal in den Lokalen, die unsere App nutzen, mehr Zeit, sich um das Wohl der Gäste zu kümmern. Denn zeitfressende Tätigkeiten, wie eben das Bezahlen, fallen weg", erklärt der getsby-Mitgründer. 

"Die Gäste haben wiederum den Vorteil, dass sie in aller Ruhe durch das Angebot des Restaurants blättern können und nicht auf die Anwesenheit des Kellners angewiesen sind." In manchen Lokalen wird den Gästen das Bestellen und Bezahlen per getsby schmackhaft gemacht, indem es der App spezielle Angebote und Rabatte gibt. 

Umfangreiche Einsatzmöglichkeiten

Die vielversprechende App-Lösung von getsby ist aber nicht nur auf herkömmliche Restaurants beschränkt. Auch in klassischen Take-Away-Lokalen und in kleinen Selbstbedienungs-Cafés kann per Smartphone bestellt werden. Sogar auf Events und Großveranstaltungen, bei denen ohnehin bargeldlose Bezahllösungen immer mehr zur Anwendung kommen, wurde getsby bereits mit Erfolg eingesetzt. Bei Kantinen in Firmen sind spezielle Unternehmensprogramme angedacht, wobei etwa auch in der App mittels Sodexo-Gutscheinen bezahlt werden kann. 

Getsby hat vergangenes Jahr den Start-up Wettbewerb "Austria's Next Top Start-up" von futurezone und A1 gewonnen. Schon damals war klar, dass dem jungen Unternehmen mit ihrer innovativen wie simplen Lösung eine rosige Zukunft bevorstehen könnte. Größere Gastronomieketten in Deutschland haben bereits angefangen den Service zu nutzen und testen gerade den Einsatz von getsby, sagt Iliev

"Unser Marktstart ist bisher sehr gut verlaufen. Aktuell befinden wir uns in Gesprächen mit Gastronomie- und Hotelketten, die großes Interesse an unserer App haben." So könnte getsby in Zukunft auch in All-Inclusive-Ferienanlagen, an Hotelbars und bei Room-Service-Bestellungen eingesetzt werden. 

Keine Investoren hinter getsby

Das Geschäftsmodell von des Wiener Start-ups basiert auf Provisionen: Von jeder Bestellung erhält getsby einen kleinen Prozentsatz vom Rechnungsbetrag. Offenbar bestellt sich am Smartphone leichter, erklärt Iliev. "Denn in der Regel ist der Pro-Kopf-Umsatz sogar höher, wenn die Gäste zum Bestellen unsere kostenlose App nutzen." 

Bei der Buchhaltung komme der volldigitale Ablauf den Gastronomen zu Gute. Über eine Schnittstelle kann getsby direkt in die Registrierkasse eingebunden werden. Sämtliche Bestellungen und Rechnungen sind somit für die Buchführung entsprechend digital hinterlegt. 

Relativ ungewöhnlich für Start-ups ist die Finanzierungsstruktur. "Bis auf zwei Innovationsförderungen der Wirtschaftsagentur Wien, sind wir nach wie vor eigenfinanziert. Es befinden sich also keine großen Investoren im Hintergrund", sagt der Geschäftsführer. Wichtig ist dem Unternehmen, dass es authentisch bleibe, gerade in der Gastronomie sei dies ein wesentlicher Vorteil, um sich den persönlichen Touch im Umgang mit Restaurantbetreibern und Gästen bewahren zu können.