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Start-ups

Start-up digitalisiert Immobiliengeschäfte

"Ein Immobilienkauf ist ein komplexer Prozess", sagt Florian Heder. Bis ein Haus oder eine Wohnung den Besitzer oder die Besitzerin wechselt, muss ein Anbot gelegt, die Bonität der Käufer*in überprüft, ein Kaufvertrag verhandelt und beglaubigt und der Kauf ins Grundbuch eingetragen werden. "Viele Leute machen das nur einmal in ihrem Leben und es ist schwierig sich in den Abläufen zurechtzufinden", sagt der Wirtschaftsinformatiker.

Gemeinsam mit den Rechtsexperten Andreas Böcskör und Peter Puhr hat er das Start-up Advoodle gegründet und eine Lösung entwickelt, die das Kaufen oder Mieten von Immobilien auf rein elektronischem Weg ermöglicht: "Wir bündeln alles auf einer Webplattform, sodass ein zentraler Austauschpunkt gegeben ist."

Die Idee dazu hatten die Gründer bereits seit längerem, eine Gesetzesänderung im Zuge der Corona-Krise, die den Immobilienkauf von Anfang bis zum Ende digital ermöglicht, hat ihnen in die Hände gespielt: "Wir haben gesehen, dass wir das können und haben losgelegt", sagt Advoodle-CEO Böcskör.

Rechtsberatung und Beglaubigung

Die Käuferin oder der Käufer erhält nachdem er ein Angebot für die Immobilie gelegt hat und seine Legitimität überprüft wurde, automatisiert den Kaufvertrag. "Er kann sich unmittelbar um die Finanzierung kümmern, wodurch die Anbahnung zeitlich stark verkürzt werden kann", sagt Böcskör.

Wie beim klassischen Prozess ist auch bei der digitalen Abwicklung eines Immobiliengeschäfts eine Rechtsberater*in vorgesehen. Änderungswünsche werden per Chat oder über Kommentarfunktionen angemeldet. Ausverhandelt können sie auch über Videochat zwischen Käufer*innen-  und Verkäufer*innenseite werden. Ist der Vertrag fertig und elektronisch signiert, wird er von einem Notar per Videokonferenz beglaubigt. Danach werden die elektronischen Dokumente automatisch ins Grundbuch weitergeleitet. Böcskör: "Es gibt bei uns kein Papierdokument mehr."

Blockchain als Option

Als zusätzliche Möglichkeit bietet das Start-up an, den Prozess in der Blockchain abzubilden. Die verteilte Datenbank kann von allen Beteiligten eingesehen werden und soll neben Transparenz auch zusätzliche Sicherheit bieten. An einem solchen Vertrag seien viele Partner*innen - von der Makler*in über Treuhänder*innen und Verkäufer*innen bis zu den Käufer*innen involviert, jeder sei berechtigt Änderungen vorzunehmen, erläutert Heder: "Sämtliche Änderungen werden in der Blockchain protokolliert."

Advoodle-Geschäftsführer Andreas Böcskör

Eingesetzt wird die Lösung des Start-ups von einem großen Immoblienvermittler, mit dem Advoodle im Maklerbereich in Österreich zusammenarbeitet.

Tools zur automatisierten Vertragerstellung bietet das Start-up auch für andere Anwendungsbereiche an. Im Lohnverrechnungs- und Steuerberatungsbereich arbeitet Advoodle dabei mit einem namhaften Fachverlag zusammen.

Expansion nach Deutschland und in die Schweiz

Gegründet wurde das Start-up 2019. Finanziert wurde es zunächst aus Förderungen, unter anderem der Förderbank Austria Wirtschaftsservice (aws). Die Kooperationen mit Branchengrößen bringen Advoodle erste Einnahmen und eine gute Startposition.

"Wir wollen unsere Lösung auch in anderen europäischen Ländern auf den Markt bringen, sagt Böcskör. Für die geplante Expansion, zunächst hat man Deutschland und die Schweiz im Visier, will sich das Start-up frisches Kapital besorgen. "Das wird der nächste große Schritt sein."

Dieser Artikel entstand im Rahmen einer Kooperation zwischen futurezone und Austria Wirtschaftsservice (aws).

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Patrick Dax

pdax

Kommt aus dem Team der “alten” ORF-Futurezone. Beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Innovationen, Start-ups, Urheberrecht, Netzpolitik und Medien. Kinder und Tiere behandelt er gut.

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