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Start-ups
08/01/2019

Start-up organisiert den Drohnenverkehr von morgen

Das Flugaufkommen von zahlreichen Lieferdrohnen will gut gemanagt sein. Das junge Unternehmen Unifly kümmert sich darum.

In den kommenden Jahren sollen Lieferdrohnen und Passagierdrohnen zum Alltag gehören. Dieser Verkehr über unseren Köpfen will gut organisiert werden, damit es dabei nicht zu katastrophalen Unfällen kommt. Notwendig macht dies zudem eine neue EU-Verordnung, laut der künftig sämtliche Drohnen mit einem Gewicht von mehr als 250 Gramm registriert werden müssen. Kleine Spielzeugdrohnen für den Privatgebrauch sind also von der Registrierpflicht ausgenommen.

Damit ein sicherer Flugverkehr von Drohnen gewährleistet werden kann, müssen sämtliche Drohnen und ihre Flugbahnen digital erfasst werden - ähnlich wie bei Passagierflugzeugen. An einer solchen Software-Plattform für Drohnenflüge arbeitet das belgische Start-up Unifly, das im Juni den diesjährigen Start-up-Wettbewerb von futurezone und A1 gewonnen hat.

Drohnen in Echtzeit erfassen

"Über unsere Plattform erfassen wir in Echtzeit, welche Drohnen gerade wo und wohin fliegen", sagt Ellen Malfliet, Marketingverantwortliche von Unifly im Gespräch mit der futurezone. Piloten von Lieferdrohnen können anhand dieser Informationen ihre Routen zu planen. Gerade beim autonomen Fliegen außerhalb der Sichtweite sind solche Daten unerlässlich.

Auf die Daten können dann die nationalen Behörden zugreifen, die dafür verantwortlich sind, den Drohnen-Verkehr effizient und sicher zu organisieren. In Österreich wird das die Luftfahrtagentur Austro Control sein, mit der das belgische Start-up bereits zusammenarbeitet.

Gemeinsam mit der Austro Control hat Unifly die Smartphone-App namens "Drone Space" entwickelt. (Android und iOS und Webversion) "Darin wird Drohnenpiloten angezeigt, wo man in Österreich fliegen darf und wo nicht", heißt es von der Luftfahrtagentur gegenüber der futurezone. "Außerdem liefert unsere App detaillierte Informationen zum geltenden Regelwerk für Drohnenflüge." Vorteilhaft für das Luftraummanagement ist, dass Flugverbotszonen bei Bedarf spontan eingerichtet werden können, welche den Drohnenpiloten umgehend in der Drone-Space-App angezeigt werden.

Drohnenverkehr organisieren wie Passagierflüge

Die App der Austro Control ist für Unifly allerdings nur Schritt auf dem Weg zu einer kompletten Luftraumüberwachung von unbemannten Flügen. "Drohnenflüge werden in den nächsten Jahren massiv zunehmen", sagt Malfliet von Unifly. Daher sei es notwendig den Luftraum in geringer Höhe ähnlich zu managen, wie es bei Passagierflügen bereits seit langem üblich ist.

Unifly hat dafür ein elektronisches Gerät namens BLIP entwickelt, das mit einer Drohne verbunden und auf ihr angebracht wird. Über das Mobilfunknetz wird dann die genaue Position, Destination, Flughöhe und Zweck des Fluges in die zentrale Plattform für die Behörden eingespeist.

Dass das kleine Unifly-Gerät unabhängig von der Software der Drohne die Datenaufzeichnet und weitergibt, hat gute Gründe. "Auf diese Weise können wir losgelöst vom den Drohnenherstellern arbeiten und sind nicht von den verschiedenen, unternehmensspezifischen Firmwares abhängig, die im schlimmsten Fall dazwischenfunken könnten", sagt Malfiet.

Black Box für Drohnen

Außerdem sei das BLIP extrem robust konstruiert, sodass es bei der Aufklärung eines möglichen Unfallhergangs helfen kann. "Ähnlich wie bei Passagierflugzeugen dient unser kleines Gerät als Art 'Black Box'. Sämtliche Flugdaten der Drohne werden dort nämlich auch lokal gespeichert und können im Falle eines Unglücks ausgewertet werden", erklärt Malfliet.

Die Echtzeitdaten, die in der Unifly-Plattform gesammelt werden, sollen aber nicht nur ausschließlich Luftfahrtbehörden bestimmt sein. "Wir arbeiten beispielsweise auch an einer App für die Polizei. Damit können die Behörden beispielsweise feststellen, wem eine Drohne zuzuordnen ist", sagt Malfliet. Aber auch für Privatpersonen sei eine App in Planung. Mit dieser lässt sich jedoch nicht der Besitzer der Drohne ausmachen. Ob eine Drohne, die etwa über dem Garten schwebt, regelkonform unterwegs ist und wozu sie genau dort fliegt, kann die Smartphone-Anwendung sehr wohl anzeigen.