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Flughafen Wien will in Drohnen-Abwehrsystem investieren

Flugverkehrseinschränkungen wegen Drohnensichtungen auf internationalen Airports haben in den vergangenen Monaten immer wieder die Passagiere zur Weißglut gebracht. Die Londoner Flughäfen Gatwick und Heathrow haben nun reagiert und in Abwehrsysteme investiert. Ähnliche Überlegungen gibt es auch am Flughafen Wien in Schwechat, ausgereift sind diese Pläne allerdings noch nicht.

Systeme "noch nicht zuverlässig"

"Es werden verschiedene Möglichkeiten zur Detektion und Abwehr von Drohnen erörtert", sagte Markus Pohanka, der Pressesprecher von Austro Control, auf APA-Anfrage. Auch seitens des Flughafens wurde betont, dass "derartige Systeme" geprüft würden - in Gatwick und Heathrow setzt man darauf, die Kommunikation zwischen Drohne und Steuereinheit zu entdecken und zu blockieren.

"Aus unserer Sicht sind aber aktuell keine Technologien am Markt, die tatsächlich ausreichende Ergebnisse liefern würden", sagte Flughafen-Sprecher Peter Kleemann. Die bestehenden technischen Möglichkeiten seien "noch nicht absolut zuverlässig".

Cobra muss notfalls einspringen

An der Abwehrbereitschaft des Flughafens Wien im Fall eines Drohnenangriffs ändert das Fehlen eines Systems Marke Gatwick bzw. Heathrow dem Innenministerium zufolge jedoch nichts. Zuständig sei die Sondereinheit Cobra, diese verfüge über "technische Möglichkeiten, um entsprechend einschreiten zu können", wurde in einer schriftlichen Stellungnahme betont. Details wurden "aus geheimhaltungswürdigen Interessen" nicht genannt.

Etwaige Sichtungen im Flughafen-Bereich werden laut Kleemann an die Austro Control gemeldet, die wiederum die Polizei einschaltet. Käme es tatsächlich zu einer gefährlichen Drohnensichtung in Flughafennähe, würde dem Innenministerium, dem Verkehrsministerium und der Austro Control die formale Luftraumsperre obliegen. "Operativ würde die Austro Control rasch eingreifen, indem sie Flüge auf die andere vorhandene Piste in Schwechat umleiten würde", sagte Pohanka.

Drohnen-Flugverbot

In der Nähe von Flughäfen herrscht hierzulande ein absolutes Drohnen-Flugverbot. Eine Ausnahme gibt es für genehmigte Drohnen, die nach Rücksprache mit dem Kontrolltrum in einem sicheren und niedrigen Bereich gesteuert werden, erklärte der Austro Control-Sprecher.

Fälle, in denen eine Drohne einem Flugzeug zu nahe gekommen ist, habe es in Österreich bisher noch nicht gegeben, hielt Pohanka fest. Sehr wohl vorgekommen seien allerdings "einzelne Sichtungen durch Linienpiloten". Diese liegen dem Sprecher zufolge jährlich im einstelligen Bereich. "In so einem Fall wird die Austro Control durch den Piloten kontaktiert. Wir setzen uns dann mit der Polizei in Verbindung." Die Exekutive versuche im Anschluss, den Drohnenpiloten ausfindig zu machen.

Seit 2014 müssen Drohnen mit einem Gewicht von mehr als 250 Gramm von der Austro Control genehmigt werden, für sie muss zudem eine eigene Haftpflichtversicherung abgeschlossen werden. Etwa 8.500 Anträge sind seitdem eingelangt, rund 7.800 davon wurden genehmigt, rechnete Pohanka vor. Im Jahr 2018 gab es 2.900 Bewilligungen, heuer bisher rund 1.000.

Abwehr-Vorkehrung getroffen hat bereits der Gesetzgeber: Ein Drohnenflug ohne Genehmigung bedeutet eine Verwaltungsübertretung und kann mit einer Geldstrafe von bis zu 22.000 Euro geahndet werden. Kommt eine Drohne einem Flugzeug zu nahe, kann zudem eine Vorsätzliche Gefährdung der Sicherheit der Luftfahrt (Paragraf 186 StGB) vorliegen. In diesem Fall droht eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren.

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