© Amabrush

Start-ups
06/05/2019

Zahnbürsten-Start-up Amabrush ist pleite

In zehn Sekunden Zähneputzen? Der Traum des österreichischen Start-ups Amabrush ist geplatzt. Es ist insolvent.

Mit der Amabrush-Zahnbürste versprach Start-up-Gründer Marvin Musialek ein Gerät, das das zweiminütige Zähneputzen in nur zehn Sekunden erledigt. Weil mit der Amabrush „alle Bereiche gleichzeitig gereinigt“ werden, reichen zehn Sekunden aus, versprach Musialek. Jetzt ist Amabrush pleite und meldet Insolvenz an. 22 Mitarbeiter sind von der Pleite betroffen. Den Gläubigern soll ein Sanierungsplan mit 20 Prozentquote angeboten werden.

Man sei in den letzten 3,5 Jahren durch viele Hochs und Tiefs gegangen, heißt es in der offiziellen Stellungnahme von Amabrush, die das Start-up am Mittwoch auf seiner Website veröffentlicht hatte. Das Ende sei „ungeplant“ gewesen, heißt es weiters. Man sei 2019 aufgrund einer Klage gezwungen worden, eine professionelle PR-Agentur anzuheuern sowie Anwälte. Das seien "zusätzliche Kosten" gewesen und man sei dann zu dem Schluss gekommen, dass dadurch der Fortbestand des Unternehmens nicht mehr möglich gewesen sei, heißt es. Musialek begann mit der Entwicklung der Amabrush neben seinem Dayjob in seinem Wohnzimmer.

Millionen per Crowdfunding

2017 finanzierte Amabrush die Entwicklung via Crowdfunding. Rund 3,2 Millionen Euro von 28.000 Crowdfundern konnte über die Kickstarter-Kampagne eingesammelt werden. Auf Indiegogo waren es 5,2 Millionen US-Dollar und 38.000 Unterstützer. Amabrush selbst spricht von 37.000 Unterstützern ingesamt. Bis zum heutigen Tag haben aber noch nicht alle Unterstützer ihre Amabrush ausgeliefert bekommen.

Die offizielle Begründung: "Die Suche nach einem geeigneten Hersteller nahm wesentlich mehr Zeit in Anspruch als geplant. Aufgrund von erheblichen Abstrichen bei Produktdesign und Funktionalität, die durch die mangelnde Kompetenz der Produktionspartner bedingt war, mussten der ursprüngliche österreichische Kooperationspartner sowie mehrere Sublieferanten ausgetauscht werden. Aus diesen Gründen kam es zu mehrmonatigem Verzug der ersten Auslieferungen und schließlich im Jänner 2019 zur Beendigung aller Verträge mit dem Zulieferer."

Mit Stand 31.05.2019 waren rund 29.000 Zahnbürstensets („Amabrush Starter Set Basic“) ausgeliefert worden. Vor wenigen Tagen hatte Amabrush begonnen, keine Bestellungen mehr über ihren Webshop anzunehmen. Jetzt folgt die Insolvenz.

Neben den Beschwerden vieler Unterstützer, die ihr Produkt noch nicht erhalten haben, häufen sich aber auch jene der Nutzer, die ein Amabrush-Modell erhalten haben. Bei den Plaque-Tests gab es schlechte Ergebnisse, auch zahlreiche Zahnärzte verrissen das Produkt und bewerteten es als „unbrauchbar“. Lediglich die Verpackung sei toll und wirke hochwertig, aber nicht die Putzleistung. "Über die Risiken, auch über die Möglichkeit des vollständigen Scheiterns des Projekts, wurde umfassend aufgeklärt", heißt es heute seitens Amabrush.

Beschwerden bei Verbraucherschutzverein

Dieses Jahr begann auch der Verbraucherschutzverein (VSV) mit der Sammlung von Beschwerden von Nutzern. Er brachte zudem eine Sachverhaltsdarstellung an die Wirtschafts- und Korruptionsstaatanwaltschaft (WKStA) gegen das Unternehmen ein. Bis Mitte April waren 1200 Beschwerden von Nutzern zusammengekommen. Zuletzt bestätigte die Wiener Staatsanwaltschaft, das wegen schweren Betrugs ermittelt wird.

Dieser "Kampagne" und Beschwerdesammlung des VSV, dessen Obmann Peter Kolba von der Partei "Jetzt - Liste Pilz" ist, gibt Musialek nun auch direkt die Schuld für die Pleite. Die Kampagne sei Auslöser für die Insolvenz, heißt es in einer Aussendung. Investoren sollen deshalb ihre Investitionszusagen zurückgezogen haben und damit zu einer Zahlungsunfähigkeit geführt haben.

"Die breite Berichterstattung über die Strafanzeige war für Amabrush verheerend und kam teilweise einer medialen Vorverurteilung gleich. Der Produktabsatz brach fast vollständig ein und vielversprechende Investoren brachen Verhandlungen ab", heißt es seitens Amabrush.

”Es entspricht der üblichen Argumentation in solchen Fällen, dass ein betroffenes Unternehmen die Schuld für die Insolvenz nicht bei sich sucht, sondern den VSV bzw die Medienberichte dafür verantwortlich macht,” entgegnet wiederum Peter Kolba per Presseaussendung.