Start-ups
18.07.2017

Grape: „Slack und Facebook können da nicht mithalten“

Die Wahl Donald Trumps hat der Wiener Chat-App Grape zu einer unerwartet hohen Nachfrage verholfen. Der Slack-Konkurrent konzentriert sich mittlerweile auf Großkunden.

Das Wiener Start-up Grape gehört mittlerweile zu den Veteranen der österreichischen Start-up-Branche. Während das erste Produkt - NewsGrape, ein ein “YouTube für Texte”, ähnlich wie Medium - scheiterte, kann man mit dem Messenger Grape bereits seit einer Weile Erfolge feiern. Einst als “E-Mail-Killer” für KMUs und Privatnutzer erdacht, hat es sich mittlerweile zu einer mächtigen Produktivitäts-Suite für Großkonzerne entwickelt. “Seit Dezember erfüllen wir auch die Voraussetzungen, um bei großen Konzernen ‘On Premise’ (Anm.: auf den Servern des Unternehmens) zu laufen”, erklärt Grape-Mitgründer und COO Leo Fasbender gegenüber der futurezone.

Trump sorgt für mehr Nachfrage

Obwohl Grape bereits seit Ende 2015 öffentlich verfügbar ist, sei man fast das komplette Vorjahr hindurch damit beschäftigt gewesen, den Dienst an die Bedürfnisse von großen Unternehmen anzupassen. Ein Aufwand, der sich gelohnt hat. Mittlerweile zählt man zwölf heimische und internationale Großkonzerne zu seinen Kunden, unter anderem Banken, Telekom- und Medienkonzerne, beispielsweise die Nachrichtenagentur APA, sowie öffentliche Unternehmen, wie die Wiener Linien.

Die Nachfrage sei laut Fasbender groß, immer wieder müsse man Unternehmen mit weniger als 200 Mitarbeitern absagen. Dafür sei der Aufwand einfach zu hoch, insbesondere da sich die Lizenzkosten nach der Zahl der Nutzer richten. Kurioses Detail: Seit dem 8. November 2016 stieg die Zahl der Anfragen sprunghaft an. Die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten verunsicherte offenbar viele Unternehmen, die ihre Daten nun lieber auf den eigenen Servern statt in der US-Cloud speichern wollen.

Ärger bei @everyone für 3000 Mitarbeiter

Das ist Fasbender zufolge auch Grapes größte Stärke: Während die bekannten Dienste, wie Slack, Facebook at Work oder Microsoft Teams, durchgehend in der Cloud laufen, bleibt bei Grape alles auf den Servern des Unternehmens. “Slack und Facebook können da nicht mithalten”, so Fasbender, laut dem es Grape nicht als “ein Produkt” gebe. Jede Installation muss individuell konfiguriert werden. Man habe Grape sogar auf einem Server eines Unternehmens installiert, der keinerlei Anbindung an das Internet hat. “Das war eine kleine Herausforderung, da die Nachrichten für die iOS-Apps ja theoretisch auch über Apple-Server laufen müssen, aber wir haben eine Lösung gefunden”, erklärt Fasbender.

Um den Arbeitnehmerschutz zu wahren, musste bei einem anderen Unternehmen auch die Angabe über den Online-Status entfernt werden. Andernfalls wäre die Überwachung der Mitarbeiter möglich, so der Vorwurf. Zudem stellte vor allem die Größe der Konzerne Grape vor Herausforderungen: “Wenn da bei 3000 Mitarbeitern plötzlich jemand per @everyone jeden adressiert, verursacht das Probleme. Da muss man sich dann Lösungen für das User Interface überlegen.”

Förderung für KI-Forschung

Die Zusammenarbeit mit den großen Konzernen hat jedoch auch Schattenseiten. Während man als Start-up rasch wachsen will, herrschen bei diesen Unternehmen meist träge Strukturen vor. Es können Wochen oder gar Monate vergehen, bis die Entscheidung über eine Zusammenarbeit fällt. Dementsprechend hat man auch die Arbeitsweise bei Grape angepasst. Statt den branchenüblichen Sprints versucht man Features gemeinsam in den Projekten zu entwickeln und berücksichtigt diese dementsprechend in der Roadmap.

Aktuell zählt Grape 16 Mitarbeiter, für die europaweite Expansion will man nun vor allem in das Sales-Team investieren. Die letzte große Investment-Runde gab es Anfang 2015, als unter anderem Twitter-Investor Betaworks und die FFG (Österreichische Forschungsfördergesellschaft) 1,3 Millionen Euro in das Start-up steckten. Zuletzt gab es noch kleine Finanzspritzen, unter anderem eine weitere FFG-Förderung sowie - als einziges Start-up aus Österreich - 50.000 Euro von der EU-Initiative Horizon 2020.

Auf dem Weg zur Gewinnzone

Das liegt vor allem an der Forschung im Bereich Natural Language Processing, bei dem man mit dem österreichischen Forschungsinstitut für Artificial Intelligence (ÖFAI) kooperiert. Die “erweiterte Intelligenz”, wie Grape die Technologie nennt, kann mittlerweile auch Online-Meetings selbstständig zusammenfassen und hebt die wichtigsten Nachrichten hervor. Zudem soll der Algorithmus schon bald mit “echten” Daten von Kunden trainiert werden - allerdings nur von jenen Unternehmen, die ihr Einverständnis geben.

Im kommenden Jahr will man, sofern alles nach Plan läuft, erstmals einen positiven Cashflow ausweisen. Dann will man auch mehr Kunden in Deutschland, der Schweiz und dem Rest Europas gewinnen. Aufgrund der Marktdominanz von Microsoft gestalte sich das aber schwer. Deswegen hat man sich auch dazu entschieden, “Skype for Business” in Grape zu integrieren. Das überzeuge laut Fasbender dann doch viele Unternehmen, den Wechsel dennoch zu vollziehen.