Digital Life

Erste selbstfahrende S-Bahn nimmt Betrieb auf

In Hamburg hat die erste vollautomatisch fahrende, digital gesteuerte S-Bahn ihren Betrieb aufgenommen. Die Weltpremiere wurde von der Deutschen Bahn und dem Technologiekonzern Siemens gefeiert.

Der Chef der Deutschen Bahn, Richard Lutz, kündigte an, dass die Technologie in Zukunft schrittweise auf das gesamte S-Bahn-Netz der Hansestadt ausgedehnt werden soll. Autonome Bahnen gebe es zwar schon länger. Neu sei das offene System, das mit jeder Bahn kompatibel sei, die die technischen Standards beherrsche.

Ab Dezember im fahrplanmäßigen Einsatz

Anfahren, Beschleunigen, Bremsen und Halten erledigen die speziell für den automatischen Betrieb umgebauten Züge von selbst. Ab Dezember fahren die dafür umgebauten 4 S-Bahn-Züge im fahrplanmäßigen Einsatz auf der Linie S21.

Bahnchef Lutz bezeichnete die Digitalisierung auf der Schiene als "Schlüssel für die Mobilitätswende". Sie ermögliche eine bis zu 30 Prozent höhere Kapazität ohne zusätzliche Gleise auf bestehenden Strecken, weil die Züge in knapperen Abständen verkehren können.

Siemens-Chef Busch ergänzte, dass zudem bis zu 30 Prozent Energie gespart werden könnten und die Pünktlichkeit verbessert werde. "Die digitale S-Bahn ist eine Weltneuheit", sagte Busch. "Die neue Technologie ist bereits zugelassen und weil sie offene Schnittstellen hat, können sie alle Betreiber weltweit sofort für alle Zugtypen nutzen."

Großteil der Züge soll umgerüstet werden

Technische Basis für den digitalen Bahnbetrieb ist der künftige europäische Standard ATO ("Automatic Train Operation", kombiniert mit dem europäischen Zugsicherungssystem ETCS ("European Train Control System").

Siemens sieht sich aktuell als einziger Anbieter dieses Systems an, wie Busch der Deutschen Presse-Agentur sagte. Es gebe neben der Bahn bereits weitere Interessenten, die sich die Technologie anschauen wollten.

Deutschlandweit könnte bis in die 2030er Jahre ein Großteil der Züge und Strecken im Nah- und Fernverkehr so aufgerüstet werden. Dafür sind nach Angaben von Busch Investitionen von zwei Milliarden Euro pro Jahr nötig.

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