Datendiebstahl: Facebook wirft Cambridge Analytica raus

Das Unternehmen, das angeblich Trump und Brexit zum Sieg verholfen haben soll, erhält künftig keinerlei Facebook-Daten mehr

Facebook wird dem umstrittenen Datenanalyse-Unternehmen Cambridge Analytica künftig keinen Zugang mehr gewähren. Das gab Facebook-Manager und Anwalt Paul Grewal in einem Blogpost bekannt. Das Unternehmen habe, gemeinsam mit dem Mutterkonzern SCL (Strategic Communication Laboratories) unerlaubt Nutzerdaten abgerufen und diese trotz entsprechender Aufforderung nicht gelöscht. „Wir werden, falls erforderlich, rechtliche Schritte ergreifen, um sie für ungesetzliche Handlungen zur Rechenschaft zu ziehen“, schreibt Grewal.

Cambridge Analytica landete Ende 2016 in den Schlagzeilen, als das Unternehmen damit prahlte, per Datenanalyse und zielgerichteter Online-Werbung, sogenanntem Mikrotargeting, der Brexit- und Trump-Kampagne zum Sieg verholfen zu haben. Die Rolle von Cambridge Analytica gilt aber dennoch als strittig, selbst frühere Mitarbeiter der Trump-Kampagne zweifeln die Effektivität der Methoden an.

Über Persönlichkeits-Test erschlichen

Laut Facebook habe sich Cambridge Analytica die Daten über die App des Psychologie-Forschers Aleksandr Kogan erschlichen, der an der Universität von Oxford lehrt. Nutzer konnten sich in die App „thisisyourdigitallife“ mit ihrem Facebook-Account einloggen und teilten unter anderem Standortdaten, Informationen über Likes sowie eingeschränkte Daten über Freunde. Im Gegenzug versprach die App eine Vorhersage der eigenen Persönlichkeit - offiziell zu Forschungszwecken.

Tatsächlich leitete Kogan aber die Daten der 270.000 Nutzer auch an Cambridge Analytica und SCL weiter. „Durch die Weitergabe an Dritte, einschließlich Cambridge Analytica/SCL und Christopher Wylie von Eunoia Technologies, wurde gegen unsere Plattformrichtlinien verstoßen. Als wir davon 2015 erfahren haben, haben wir die App sofort von Facebook entfernt und eine Zusicherung von Kogan und allen involvierten Parteien verlangt, dass die Daten vernichtet wurden“, erklärt Grewal im Blog-Post.

Unternehmen dementiert

Tatsächlich wurden die Daten aber offenbar nicht gelöscht, wie Facebook nun durch einen anonymen Tippgeber herausgefunden hat. Cambridge Analytica und SCL dementieren in einer Aussendung, dass man die Daten nicht gelöscht habe und dass diese weiterhin zum Einsatz kommen würden. Zudem wurden die unrechtmäßig erworbenen Daten nicht bei der US-Präsidentschaftswahl verwendet.

17.03.2018